Subsistenzlandwirtschaft


Subsistenzlandwirtschaft
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Selbstversorgungsgrad in Deutschland
Agrarprodukt 1978 2001
Getreide 84% 129%
Kartoffeln 94% 108%
Zucker 129% 136%
Rind- und Kalbfleisch 100% 166%
Schweinefleisch 88% 88%
Geflügelfleisch 58% 64%
Eier 79% 75%
Käse 90% 107%
Butter 135% 79%
Quelle: Bericht der Bundesregierung

Als Subsistenzwirtschaft wird eine Wirtschaftsform bezeichnet, die in der Regel in lokalen und regionalen Einheiten auf die Selbstversorgung und Erarbeitung des Lebensunterhaltes ausgerichtet ist, dabei jedoch keineswegs in sich autark sein muss. Der Aspekt der Vernetzung spielt eine wichtige Rolle.

Zur Subsistenzwirtschaft zählen das Betreiben von Ackerbau und Viehzucht zu Zwecken der Selbstversorgung (insbesondere in prähistorischen Kulturen), aber auch zum Teil komplexe Strukturen von Güterproduktion und Dienstleistungswesen, nach innen weitgehend ohne Tausch auskommend. Dies ist weniger einem Mangel an Vermarktungsmöglichkeiten zuzuschreiben, als vielmehr einem Wertemodell, in dem das Ziel von Produktion nicht in Geld bzw. Kapital liegt, sondern in der Versorgung mit allem Lebensnotwendigen an sich. Im Rahmen der Subsistenzwirtschaft werden nach Möglichkeit auch alle Produktionsfaktoren wie Werkzeuge und Saatgut selbst erstellt oder produziert.

Subsistenzwirtschaften sind ein global zu findendes Phänomen. In Europa gab es bis ins 19. Jahrhundert Subsistenzwirtschaft. Ihr Niedergang begann mit der Industrialisierung der Produktions- und Arbeitsverhältnisse. Während des Kolonialismus wurde die Teilnahme an der Geldwirtschaft häufig durch die Erhebung von Kopfsteuern erzwungen. Die Bauern mussten arbeiten gehen, um die Kopfsteuern zahlen zu können. Zusätzlich wurden sie zur Zwangsarbeit gezwungen, so dass sie den Anbau der für ihre eigene Ernährung bestimmten Felder vernachlässigen mussten.

Subsistente Wirtschaftsweisen haben sich jedoch bis heute in Form von Schattenwirtschaften erhalten. In den Bruttosozialprodukten der Länder werden sie nicht erfasst. Vor allem in den agrarisch geprägten Ländern Osteuropas, Südostasiens, Afrikas und Lateinamerikas stammen jedoch bis zu 80% der Lebensgrundlagen der ländlichen Bevölkerung nach wie vor aus Subsistenzproduktion.

Ein großer Teil der Frauenarbeit gehört nach wie vor zur Sphäre der Subsistenzwirtschaft und wird deshalb von der herrschenden Volkswirtschaftslehre nicht erfasst. Vor allem der Ökofeminismus hat den Einfluss der selbst- und familienversorgenden Arbeit auf die Gesamtwirtschaft erforscht und das Bewusstsein für die Bedeutung dieses Wirtschaftsbereiches zu wecken versucht. Bekannte Ökofeministinnen sind Maria Mies und Vandana Shiva.

Auf der Suche nach Alternativen zu den „zerstörerischen“, wachstumsorientierten Wirtschaftsweisen des Kapitalismus und des Sozialismus wurden Subsistenzansätze seit den 1960er Jahren weltweit wieder populärer.

Inhaltsverzeichnis

Kritik

Aus wirtschaftswissenschaftlicher Sicht gibt es verschiedene Ansatzpunkte für eine Kritik an dem Wunsch, zur Subsistenzwirtschaft zurückzukehren.

  • Selbstversorgung schließt Umweltverschmutzung und andere so genannte negative externe Effekte nicht aus.
  • Der Verzicht auf Arbeitsteilung ermöglicht nur einen geringen materiellen Lebensstandard.
  • Der Verzicht auf Tauschgewinne ist nicht pareto-effizient, er ist suboptimal. Denn es ist möglich, dass Individuen in der Gesellschaft sich besser stellen können, ohne dass sich irgendjemand schlechter stellen muss. Durch diese Umverteilungen aber könnte sich die gesamte Gesellschaft immer besser stellen, und zwar bis eines der – gleichwohl vielen – möglichen Paretooptima erreicht ist: In einem solchen kann keine Umverteilung mehr stattfinden, ohne dass es jemandem schlechter geht. Tauschgewinne können ein Anreiz dazu sein, seine Stellung zu ändern und somit indirekt und langfristig bewirken, dass sich in einer Gesellschaft eine ideale Verteilung der verschiedenen Ressourcen einstellt.

Beispiel: Angenommen, eine Ärztin verzichtet teilweise auf die Behandlung von Patienten und erledigt viele im Haushalt anfallende Tätigkeiten selbst. Diese Verhaltensweise kann aus gesellschaftlicher Sicht nicht optimal sein. Sinnvoller wäre es z. B., eine Reinigungskraft einzustellen, wenn diese einen geringeren Stundenlohn erhält, als die Ärztin für eine Stunde Patientenbehandlung bekommt.

Im genannten Beispiel stellt sich die Ärztin besser, da sie ein höheres Einkommen erwirtschaftet, die Reinigungskraft erhält einen Arbeitsplatz und die Patienten erhalten eine bessere medizinische Versorgung. Das Beispiel setzt allerdings voraus, dass die Arbeitslöhne im Verhältnis zur Arbeitsleistung und den investierten Ressourcen (wie lohnfreie Bildungszeiten, Berufsrisiken, Stress, Abrufbarkeit) stehen – eine Ärztin, die bei insgesamt 30-jähriger Berufstätigkeit mehr als das 5/3-fache als eine Putzfrau bei 50-jähriger Berufstätigkeit verdient, ist ebenso nicht paretooptimal, da sonst die Bewertungskriterien des Modells verletzt werden. Insofern gilt das Argument der Tauschgewinne nur einschränkt, und zwar einzig für absolut mathematische Modelle, also hier etwa lohngerechte Tauschringe und Wirtschaften, nicht für Realwirtschaften.

Siehe auch

Literatur

  • John H. Bodley, Der Weg der Zerstörung. Stammesvölker und die industrielle Zivilisation, München: Trickster Verlag, 1983 - Bodley analysiert die Bedeutung der Zerstörung der Subsistenzwirtschaft im Rahmen des an den indigenen Völkern begangenen Genozids
  • Veronika Bennholdt-Thomsen/ Maria Mies: Eine Kuh für Hillary. Die Subsistenzperspektive; München 1997 - Die Autorinnen stellen Prinzipien der Subsistenzwirtschaft mit Beispielen aus Geschichte und Gegenwart dar, wobei sie die besondere Rolle der Frauen betonen.

Weblinks


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