Subsistenz


Subsistenz

Die Subsistenz (spätlat. subsistentia „Bestand haben“) – eigentlich: Selbständigkeit, Durch-sich – bezeichnet ein philosophisches Konzept, bei dem sich das Bestehende aus sich selbst erhält. Subsistenz wird ebenfalls für selbst erhaltenden Lebensunterhalt (Subsistenzwirtschaft) verwendet.

Inhaltsverzeichnis

Philosophie

Subsistenz bedeutet philosophisch das Bestehen durch sich selbst und für sich selbst[1].

Dies kommt in der aristotelischen und der scholastischen Philosophie der Substanz, genau genommen nur der geistigen Substanz, zu, im Unterschied zu den Akzidenzien, die nur durch einen Träger existieren und ihm inhärieren.

Der Begriff wurde von Marius Victorinus geprägt. Er nimmt den griechischen Ausdruck hypostasis auf.

Immanuel Kant definiert Subsistenz in seiner Schrift Prolegomena zu einer jeden künftigen Metaphysik, die als Wissenschaft wird auftreten können wie folgt:

„[…] d.i. der Notwendigkeit, […] dass dem Dasein der Dinge ein Subjekt zugrunde liege, das selbst kein Prädikat von irgendeinem anderen Dinge sein könne.“

Immanuel Kant[2]

In klassischer ontologischer Perspektive wird der Grund für die Wahrheit einer einstelligen Prädikation (Beispiel: "Dieser Tisch ist braun") darin gesehen, dass die Eigenschaft ("braun") dem intendierten Individuum ("dieser Tisch") inhäriert.[3]

Wirtschaft

Subsistenz wird auch im Zusammenhang mit der Wirtschaftsform einfacher Gesellschaften, der Subsistenzwirtschaft verwendet, bei der in geschlossenen Systemen die wirtschaftliche Leistung der Selbstversorgung dient und auf die Deckung des Eigenbedarfs ausgerichtet ist. In der Nachhaltigkeitsdebatte, insbesondere in Kombination mit einer Wachstumsrücknahme, wird eine teilweise Rückkehr zur Selbstversorgung mittels Gemeinschaftsgärten oder Urbaner Landwirtschaft als Maßnahme zur Lösung sozialer und ökologischer Probleme angesehen.[4]

Im klassischen Wachstumsmodell nach Smith und Malthus bezeichnet das Subsistenzniveau den Lohnsatz, auf den langfristig die Entlohnung nach einer Produktivitätssteigerung wieder zurücksinkt.

In der Mikroökonomie werden Subsistenzgüter durch quasilineare Nutzenfunktionen beschrieben. Auf das Subsistenzgut wirken dabei keine Einkommenseffekte.

Etymologie

Subsistenz geht auf das lateinische Verb „subsisto“ zurück, und wird in den meisten Wörterbüchern mit „stocken, verweilen, standhalten, stillstehen usw.“ angegeben. Dieses geht wiederum auf das griechische „hypistemi“ (hypo-histemi) zurück, das „unterstellen, drunterlegen, zu Grunde legen usw.“ bedeutet und sich nur im entferntesten Sinne ins Latein übertragen lässt, denn der Latinist verfügt bereits über das Verb „subsido“. Insofern bildet „Subsistenz“ eine Einheit mit den Wörtern Existenz, Konsistenz, Resistenz usw. und könnte transitiv höchstens mit widerstehen/widersetzen (im Sinne von „Untersteh dich!“) gebraucht werden. Tatsächlich wird dieser Begriff schon bei Herodot gebraucht, jedoch ist nicht sicher, dass ihn auch Aristoteles in dem hier erläuterten Sinn verwendet hat, wenngleich es auch Sinn hat, ihn zusammen mit dem Wort Substanz in einem Satz zu gebrauchen.

Einzelnachweise

  1. Regenbogen/Meyer, Wörterbuch der philosophischen Begriffe (2005)/Subsistenz
  2. Immanuel Kant: Prolegomena zu einer jeden künftigen Metaphysik, die als Wissenschaft wird auftreten können.
  3. Runggaldier, Edmund: Formal semantische Erneuerung der Metaphysik. In: Matthias Lutz-Bachmann (Hg.): Metaphysik heute - Probleme und Perspektiven der Ontologie. Alber, Freiburg 2007, S. 57 (66)
  4. Niko Paech: Die Legende vom nachhaltigen Wachstum. In: Le Monde diplomatique. Abgerufen am 18. Oktober 2011.

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