Strebepfeiler


Strebepfeiler
Strebewerk des Straßburger Münsters

Als Strebewerk wird in der Architektur ein System von Strebepfeilern und Strebebögen bezeichnet, das den Seitenschub von Gewölben auffängt.

Basilika des Mittelalters

Verwendet wird es seit den Basiliken der Spätantike (z. B. der Konstantinsbasilika) und erlangte seine Hochzeit im gotischen Kirchenbau.

Ursprünglich bestand das Strebewerk nur aus den Strebepfeilern, rechtwinklig zur Außenwand stehenden regelmäßigen Mauervorsprüngen, die die Wand seitlich stabilisieren. In der gotischen Architektur, die im Kirchenbau weitgehend auf tragende Mauern verzichtete und stattdessen einen Skelettbau entwarf, sind Strebepfeiler ein wesentliches, tragendes Element. Um die Seitenkräfte aus den Wänden des Mittelschiffs auf die Strebepfeiler abzuleiten, wurden diese erhöht und durch Strebebögen mit dessen Obergaden verbunden. Die als Rinne angelegte Oberseite der Bögen leitete zusätzlich das Regenwasser vom Dach in die Wasserspeier der Strebepfeiler. Zur Stabilisierung wurden diese oberhalb der Bögen mit Fialen senkrecht belastet. Diese meist reichverzierten Türmchen betonen das „Aufstrebende“ gotischer Kirchen zusätzlich. Bei Kirchen mit doppelten Seitenschiffen ist diese Anordnung der Strebepfeiler häufig wiederholt. Dazu stehen zusätzliche dünne Strebepfeiler zwischen den Seitenschiffen, die nur vertikale Kräfte über die Pfeiler im Kircheninneren abtragen.

In spätgotischen Hallenkirchen sind die Strebepfeiler häufig von außen nicht sichtbar, sondern liegen innerhalb der Außenmauern und unterteilen die Seitenschiffe in Kapellen. Beispiele sind St. Martin in Amberg oder die Frauenkirche in München.

Moderne

Die Moderne Architektur greift Strebewerk und -pfeiler wieder auf. Über den Brutalismus und seine Konstruktionssichtigkeit findet man wieder Zugang zur mittelalterlichen Konstruktionsweise, und in Anlehnung an die Bionik findet sich seit der Jahrtausendwende der Ausdruck Exoskelett, um die nach aussen durchgeführten, oder sogar gänzliche aussen angebrachten Tragwerke der modernen Großbauten zu beschreiben.

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  • Strebepfeiler — sind Mauerverstärkungen, die als nützende Mauerkörper einen auf einzelne Punkte der Mauer übertragenen Schub aufzunehmen berufen sind. Insbesondere bei Anwendung des Kreuzgewölbes, bei welchem die Gewölbewiderlager in einzelne Punkte aufgelöst… …   Lexikon der gesamten Technik

  • Strebepfeiler — (Contreforts); Pfeiler, welche an hohe, freistehende Mauern, gewöhnlich an Futtermauern angebracht werden, um die Stabilität[915] u. den Widerstand derselben gegen den Erddruck zu vergrößern. Sie sind jederzeit auf derjenigen Seite der Mauer… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Strebepfeiler — Strebepfeiler, s. Strebebogen und Pfeiler …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Strebepfeiler — Strebepfeiler, Pfeiler zur Verstärkung von Mauern, die dem Seitenschub einer Erdmasse (Ufermauer) oder eines Gewölbes (Kirchengewölbes) zu widerstehen haben; bes. in der Gotik [Taf. I, 5] bei den hier angewendeten hohen und vielfach… …   Kleines Konversations-Lexikon

  • Strebepfeiler — Strebepfeiler, s. Pfeiler …   Herders Conversations-Lexikon

  • Strebepfeiler — streben: Das auf das dt. und niederl. Sprachgebiet beschränkte Verb (mhd. streben, ahd. strebēn, niederl. streven) bedeutete ursprünglich »sich ‹angestrengt› bewegen, kämpfen« und geht auf ein gleichbedeutendes, resthaft noch im Mhd. erhaltenes… …   Das Herkunftswörterbuch

  • Strebepfeiler — Stre|be|pfei|ler 〈m. 3〉 Pfeiler zur Verstärkung der Außenmauer im Strebewerk * * * Stre|be|pfei|ler, der (Archit.): vgl. ↑Strebebogen …   Universal-Lexikon

  • Strebepfeiler — Stre|be|pfei|ler …   Die deutsche Rechtschreibung

  • Strebepfeiler-Wurzel — Strebewerk des Straßburger Münsters Als Strebewerk wird in der Architektur ein System von Strebepfeilern und Strebebögen bezeichnet, das den Seitenschub von Gewölben auffängt. Basilika des Mittelalters Verwendet wird es seit den Basiliken der …   Deutsch Wikipedia

  • Strebepfeiler, der — Der Strêbepfeiler, des s, plur. ut nom. sing. ein gemauerter Pfeiler an einer Futtermauer welcher nach oben schräge an die Mauer anläuft, selbige zu verstärken, ein Pfeiler, welcher zur Strebe dienet …   Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart


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