Strandkorb


Strandkorb
Strandkorb auf der Nordseeinsel Sylt
Strandkorb in Timmendorfer Strand an der Ostsee
Herzförmig dekorierte Standkörbe in Travemünde (2008)
Strandkörbe auf Juist nach tagelangem starken Nordwind
G8-Gipfeltreffen im Strandkorb
Strandkörbe bei Schillig an der Nordsee

Ein Strandkorb ist ein spezielles Sitzmöbel aus Korbgeflecht für den Strand, vergleichbar einem verkleideten Sessel. Sein Zweck ist, Schutz vor Sonne, Wind, Regen und Sandflug zu bieten.

Strandkorb an der Ostsee 1946

Strandkörbe sind häufig zusammen mit Badebuden an den Sandstränden der Nord- und Ostsee bzw. an Meeresküsten mit viel Wind zu finden. Sie können in der warmen Jahreszeit üblicherweise bei Strandkorbwärtern gemietet werden. Man unterscheidet bei den Strandkörben in Deutschland eine abgerundete, geschwungene Ostseeform und die gerade, eckig anmutende Nordseeform.

Den Strandkorb gibt es seit mehr als 125 Jahren. Der Rostocker Hof-Korbmachermeister Wilhelm Bartelmann (1845-1930) konstruierte 1882 den ersten Strandkorb für die rheuma-kranke Elfriede von Maltzahn, die sich als Badegast in Warnemünde eine Sitzgelegenheit für den Strand wünschte. Er nannte diesen Sessel anfangs Strandstuhl, der erstmals am 15. Juni zum Einsatz kam.[1] Im Allgemeinen Rostocker Anzeiger veröffentlichte er 1883 eine Anzeige, in der er die Strandkorb-Vermietung bekanntgab. Auch in anderen Küstenorten Norddeutschlands wurden damals die ersten Einsitzer am Strand gesichtet. Die ersten Modelle ließen sich noch nicht nach hinten klappen; diese Mechanik wurde erst um 1897 von Johann Falck eingeführt und bis zum „Halblieger - Ganzlieger“ weiterentwickelt.

Heutige Strandkörbe sind meist Zweisitzer, deren Oberteil beliebig gekippt werden kann. Je nach Ausführung als „Halblieger“ oder „Ganzlieger“ dienen sie so als Sitz- oder Liegegelegenheit. Mit Griffen zum Tragen können sie beliebig gedreht werden und bieten zudem einen Komfort mit Polsterung, Armlehnen, ausziehbaren Fußbänken, Klapptischen, Schattenmarkise und einer regendichten Überdachung. Die Geflechte sind heute aus Kunststoff, Naturrohr oder auch Rattan gefertigt. Mittlerweile sind auch Übergrößen und Spezialanfertigungen nicht ungewöhnlich: Selbst für Kinder und Hunde sind Strandkörbe erhältlich.

An den Stränden von Nord- und Ostsee bekommt der Strandkorb zunehmend Konkurrenz von den so genannten „Strandmuscheln”, runden Zelten, die die Strandbesucher mitbringen und die als flexibler Schutz gegen Wind und Sonne dienen. Statt dessen werden Strandkörbe heute zunehmend in privaten Gärten als attraktive Freizeitmöbel aufgestellt.

Der Strandkorb gilt als typisch deutsch, ist aber in anderen Ländern längst nicht mehr unbekannt. Regelmäßige Anfragen und Bestellungen des Utensils gehören für deutsche Hersteller und Händler längst zum beruflichen Alltag. Das ehedem typische deutsche Möbelstück fand am 8. Juni 2007 zu seinem 125-jährigen Jubiläum größte internationale Beachtung, als sich zum Abschluss des G8-Gipfels in Heiligendamm (Mecklenburg-Vorpommern) alle Regierungschefs der acht führenden Wirtschaftsnationen und der Präsident der Europäischen Kommission zum „Familienfoto“ in einen speziell für diesen Zweck gefertigten Riesenstrandkorb setzten.[2] Zur Herstellung des zwei Meter hohen und sechs Meter langen Super-Strandkorbs benötigte man zwei Kilometer Flechtband, einen Kubikmeter Holz und 35 Quadratmeter blau-weißes Tuch.

Quellen

  1. Kalenderblatt der Deutschen Welle
  2. Strandkorb als Instrument des Landesmarketings Mecklenburg-Vorpommern

Literatur

  • Wilhelm Bartelmann in: Matthes, Olaf und Metzger, Bardo (Hg.): Bergedorfer Personenlexikon. Hamburg 2003, S. 20f. ISBN 3-935987-03-X
  • Roger Boyes, Thomas Immisch et al.: Der Strandkorb: Ein Welterfolg aus Mecklenburg-Vorpommern. Hinstorff-Verlag, Rostock 2008. ISBN 978-3-356-01279-8
  • Moritz Holfelder: Das Buch vom Strandkorb. Husum-Verlag, Husum 1996. ISBN 978-3-88042-767-9

Weblinks

 Commons: Strandkörbe – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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