Storyline (Wrestling)


Storyline (Wrestling)

Storyline ist ein Fachausdruck aus dem Wrestling. Bei diesen handelt es sich um vom Management der Wrestling-Promotoren erfundene Drehbücher, welche auf längere Zeit angelegt und die meist auf einer Großveranstaltung mit dem Haupt-Match des Abends, dem sogenannten „Main Event“, abgeschlossen werden. Erfolgreiche Storylines können unter Umständen auch mehrere Jahre umfassen.[1]

Inhaltsverzeichnis

Zweck der Storyline

Storylines werden entwickelt, um dem Publikum die Handlungsstränge des Wrestlings und ihrer Wrestler plausibel nahezubringen. Deswegen beinhalten Storylines Geschichten, die um einen Wrestler (Einzel- und Tag-Team-Bereich) und dessen Kontrahenten aufgebaut werden. So werden die als „Fehden“ dargestellten künstlichen Auseinandersetzungen mitunter auch mit privaten Bezugspunkten gespickt, um diese Auseinandersetzungen auch glaubhaft verkaufen zu können. So laufen auch die verschiedenen Stables der Ligen unter dem Gesichtspunkt der Storyline. Aber Storylines können auch ein ungeplantes Eigenleben entwickeln. So wurde beispielsweise das Stable der Four Horsemen als reines Gimmick gegründet. Doch im Laufe der Jahre entwickelte diese Gruppierung, die um Ric Flair aufgebaut wurde, sowohl in der National Wrestling Alliance als auch bei World Championship Wrestling zu einem realen Machtfaktor, der vor allem den „Backstage“-Bereich beherrschte.

Im heutigen „Sports Entertainment“, wie es vor allem bei den großen US-amerikanischen Promotionen World Wrestling Entertainment, Total Nonstop Action Wrestling auf der einen und bei Ring of Honor als größte unabhängige Promotion auf der anderen Seite praktiziert wird, spielen Storylines die wichtigste Rolle, da durch diese das Interesse an den Ligen und deren Wrestler geweckt wird. Dagegen wird in der übrigen unabhängigen Wrestling-Szene auf eine detaillierte Storyline nicht so einen großen Wert gelegt. Deren Schwerpunkt liegt nicht auf der „Unterhaltung“, sondern mehr auf dem „sportlichen“ Teil des Wrestlings. So werden bei reinen Independent-Ligen wie der CZW, der IWA oder der wXw die einzelnen Storylines in der Regel auch nur für vier bis zwölf Wochen ausgearbeitet. Länger eingebundene Handlungsstränge bilden dort eher die Ausnahme.

Die im Wrestling erlittenen Verletzungen, bei denen ein Wrestler pausieren muss, entsprechen in der Regel der Storyline. Wenn ein Wrestler sich – aus privaten oder gesundheitlichen Gründen – eine Auszeit nehmen möchte, so wird er mit einer in einem Match erlittenen „schwerwiegenden Verletzung“ aus der aktuellen Storyline herausgeschrieben.

Wrestling-Titel

Diese bilden einen wesentlichen Teil der Storyline im Wrestling. Mit dem Erhalt eines untergeordneten Ligentitels beginnt der Aufbau eines Wrestlers zum Star. Die Liga zeigt damit an, dass sie in diesem ein großes Potential sieht und er nun von der Promotion gefördert wird. Die „Championship“ wird vertraglich für eine bestimmte Dauer fest vereinbart.

Der Karrierehöhepunkt eines Wrestlers ist der Erhalt des höchsten Titels der Promotion. Bei den großen Verbänden wie der WWE, TNA und der NWA ist dieses ein Welttitel (World Heavyweight Championship), bei den kleineren Verbänden der regionale Schwergewichtstitel (States Heavyweight Championship).

Bei der National Wrestling Alliance und in der Independent-Szene bekommen nur amtierende Champions einen Festvertrag. Dieser verpflichtet den amtierenden Champion, seinen Titel nur in der entsprechenden Promotion zu verteidigen. Damit wird verhindert, dass ein Champion ohne Wissen seiner Hauptliga in einer anderen Promotion seinen Titel verteidigen und womöglich verlieren wird. Wo dieses jedoch geschieht, basiert es wieder auf einer zuvor ausgearbeiteten Storyline, der ein zuvor abgeschlossener Kooperationsvertrag zwischen den betreffenden Promotionen erfolgte.

Die Besonderheit in der NWA ist jedoch, dass Welttitel in den gesamten Mitgliedsverbänden weltweit ausgetragen werden, regionale jedoch nur im entsprechenden Wrestling-Territorium.

Plötzliche Titelverluste sind meist Folgen von Geschehnissen, die nicht eingeplant wurden. So können beispielsweise reale Verletzungen, aufgrund derer sich der amtierende Champion eine ungewisse Zeit vom Wrestling zurückziehen muss, oder eine Suspendierung aufgrund eines negative Auffallens in der offiziellen Gesundheitspolitik der betreffenden Promotion die entsprechenden Titel unerwartet wechseln.

Sonderfälle „Hooker-Match“ und „Screwjob“

Hooker-Match

Einen Sonderfall bilden die sogenannten „Hooker-Matches“. Diese werden angesetzt, wenn sich ein Wrestler oder ein Champion nicht an die abgesprochenen Handlungsstränge einer Storyline hält oder Matchabläufe während einer Show eigenmächtig abwandelt und so nicht nur die betreffende Show, sondern vielmehr auch die Gesundheit aller Akteure gefährdet. In einem solchen Fall setzen die verantwortlichen Promotionen dann die sogenannten „Hooker-Matches“ an. Diese sind kein Teil der Storyline, sondern reale Auseinandersetzungen, bei denen der betreffende Wrestler durch einen ihm in allen Punkten überlegenen Gegner öffentlich abgefertigt wird. Bei Champions ist damit in der Regel auch ein Titelverlust verbunden und der „Hooker“ ist für eine gewisse Zeit ein Übergangschampion, bis eine neue Storyline bezüglich der neuen Situation ausgearbeitet wurde.

In den großen Wrestling-Verbänden sind diese „Hooker-Matches“ heute relativ selten. Im Independent-Bereich sind sie jedoch noch öfters anzutreffen. Erkennbar sind solche Matches in der Regel daran, dass der betreffende Wrestler meist bei einer Promo oder Interview im Rahmen einer Show durch einen der anwesenden Offiziellen (in der Regel durch den Haupt-Booker) unerwartet darüber in Kenntnis gesetzt wird, dass er noch am gleichen Abend noch ein Match bestreiten wird. Echte „Hooker-Matches“ zeichnen sich dadurch aus, dass der Gegner erst wenige Minuten vor Matchbeginn – meist wenn der Wrestler und der Referee schon im Ring sind – bekannt gegeben wird. So wird vermieden, dass sich der abzustrafende Wrestler auf seinen Kontrahenten einstellen kann.

Die Marktführer wie WWE führen ihre „Hooker-Matches“ allgemein nur noch im Rahmen einer ausgearbeiteten Storyline. Bei diesen „Storyline-Hooker-Matchen“ darf in der Regel der „Abzustrafende“ mit „knapper Mühe“ siegreich bleiben.

Screwjob

Zum anderen bildet der sogenannte „Screwjob“ einen Bruch der laufenden Storyline von Seiten der Offiziellen, das heißt, von Seiten der Geschäftsführung und der Booker. Der „Screwjob“ bildet also den zweiten Sonderfall im Wrestling, bei dem die laufende Storyline unterbrochen wird. Das bekannteste Beispiel bildet der „Montreal Screwjob“ von 1997. Bei diesem wurde in Kanada Bret Hart um das reguläre Ende seiner aktiven Laufbahn in der damaligen World Wrestling Federation betrogen, als deren Eigentümer Vince McMahon das entscheidende Match vorzeitig abläuten und Hart somit verlieren ließ.[2] Ein ähnlich gelagerter Fall passierte auch der Wrestlerin Wendy Richter am 25. November 1985 in der WWF, als sie ihren Titel als amtierende WWF-Championess vorzeitig an ihre ehemalige Mentorin Fabulous Moolah verlor. Moolah wurde von Vince McMahon bei diesem „Screwjob“ als „Hooker“ eingesetzt, da sich Richter mehrmals weigerte, ihren Titel abzugeben, da sich die Storyline zwischenzeitlich geändert hatte. In Folge dieser neuen Storyline sollte Richters Kontrahentin, eine unbekannte und maskierte Wrestlerin, neue Championess werden. Nach dem unvorhergesehenen Titelverlust entpuppte sich die maskierte Unbekannte als Wendy Richters langjährige Mentorin.

Siehe auch

Weblinks

Einzelnachweise

Einzelnachweis für einen Großteil des Artikels sind die Weblinks.

  1. The Jargon of Professional Wrestling, Auszug auf jstor.org, 2009, S. 142 – 145, englisch
  2. Ablauf des Montreal Screwjob auf genickbruch.com. Abgerufen am 7. August 2011.

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