Staniza


Staniza

Eine Staniza (russisch станица; ukrainisch станиця/ stanyzja; deutscher Plural Stanizas oder Stanizen; (veraltet) auch Stanitza/ -en) ist eine Kosakensiedlung, heute vor allem in Russland und der Ukraine.

Inhaltsverzeichnis

Historische Entwicklung

Im Russischen Reich des 15.-17. Jahrhunderts wurden als Staniza kleinere (60-100 Mann) aus „Dienstleuten“ und Kosaken bestehende Kavallerieeinheiten bezeichnet, die in die südlichen Steppen zur Grenzsicherung und Beobachtung der Bewegungen der Krimtataren entsandt wurden. Im Unterschied zu den normalen Grenzwachttruppen unternahmen diese Stanizen zur Aufklärung, Gefangennahme oder auch Vernichtung kleinerer Tatareneinheiten weite Züge in die Steppen jenseits der südlichen und südöstlichen Grenzen des Reiches.

Im 16.-18. Jahrhundert wurden auch „Botschaften“ der Kosakentruppen zum Russischen Zaren nach Moskau und später Sankt Petersburg als Staniza bezeichnet. Im jedem Winter wurde eine Winterstaniza (russisch зимовая станица/ simowaja staniza) mit den wichtigsten Dokumenten und Geschenken entsandt, die im Gegenzug den Sold für die Truppen zurück brachte. Diese Stanizen bestanden aus bis zu 20 Mann, manchmal von einem Ataman angeführt. Daneben wurden im Verlaufe des Jahres drei bis vier „leichte Stanizen“, entsandt, bestehend aus drei bis fünf Mann. Die Anzahl dieser Stanizen nahm im Verlaufe des 18. Jahrhunderts allmählich ab. Gegen Ende des Jahrhunderts wurden sie schließlich ganz aufgegeben, mit Ausnahme der Winterstaniza der Ural-Kosaken, welche Fisch und Kaviar an den Zaren lieferte.

Im Russland des 17.-18. Jahrhundert begann man auch Siedlungen der Kosaken als Staniza zu bezeichnen. Im 19. Jahrhundert wurden daraus offizielle administrativ-territoriale Einheiten bzw. im engeren Sinne deren Zentren, vor allem in den ursprünglichen Siedlungsgebieten der Kosaken im europäischen Teil Russlands und im Vorland des Kaukasus. In den anderen Siedlungsgebieten, z.B. Sibirien, wurden diese Siedlungen zwar informell auch als Stanizen bezeichnet, hatten jedoch nicht den offiziellen administrativen Status.

Organisation

Zu einer Staniza konnten mehrere kleinere Dörfer gehören. Die Kosakenbevölkerung einer Staniza bildete die Stanizengemeinschaft (russisch станичное общество), deren Organ die Stanizenversammlung (russisch станичный сбор oder сход) war. Diese aus allen kosakischen Hausbesitzern (ab 1891 nur gewählten) bestehende Versammlung wählte ihrerseits die Stanizenverwaltung, bestehend aus Ataman, Helfer des Atamans und Schatzmeister, sowie das Stanizengericht. Außerdem verteilte die Versammlung das Land und die Pflichten der einzelnen Gemeinschaftsmitglieder, verwaltete das gemeinsame Getreidelager sowie die Schule. Das Stanizengericht verhandelte kleinere straf- und zivilrechtliche Fälle.

Heutiger Status

Im heutigen Russland wurde der in Zeiten der Sowjetunion eingeführte formelle administrative Status beibehalten. Eine Staniza ist damit eine vorrangig von Kosaken bewohnte Siedlung dörflichen Typs auf dem Territorium der traditionellen Hauptsiedlungsgebiete der Kosaken (im Föderationskreis Südrussland).

Es gibt Stanizen in den Regionen Krasnodar (192) und Stawropol (32), den Oblasten Rostow (67) und Wolgograd (40) sowie den Republiken Adygeja (6), Inguschetien, Kabardino-Balkarien (5), Karatschai-Tscherkessien (6), Nordossetien-Alanien (7) und Tschetschenien (Anzahlen nach offizieller russischer Ortsklassifikation OKATO, Stand 2006; Angaben für Inguschetien und Tschetschenien fehlen).

Bedeutende Stanizen

Einige Stanizen haben heute mehr Einwohner als viele russische Kleinstädte und durchaus städtischen Charakter. Trotzdem wurde nur in Ausnahmefällen Stadtrecht verliehen, wie 1999 an Michailowsk (zuvor Schpakowskoje) mit 59.992 Einwohnern (2006), welches allerdings nur bis 1870 den Status Staniza besaß und seither als Selo gemischt bevölkert war.

Viele größere Stanizen fungieren als Verwaltungszentren von Rajons, so auch die meisten der unten aufgeführten mit einer Bevölkerungszahl über 20.000 (nach Daten der Volkszählung 2002).

Name Russisch Einwohner
(2002)
Föderationssubjekt
Ordschonikidsewskaja Орджоникидзевская 65.112 Inguschetien
Kanewskaja Каневская 44.755 Krasnodar
Leningradskaja Ленинградская 38.218 Krasnodar
Dinskaja Динская 34.132 Krasnodar
Pawlowskaja Павловская 30.736 Krasnodar
Starominskaja Староминская 30.072 Krasnodar
Kuschtschowskaja Кущёвская 29.533 Krasnodar
Poltawskaja Полтавская 28.639 Krasnodar
Tbilisskaja Тбилисская 24.134 Krasnodar
Otradnaja Отрадная 22.692 Krasnodar
Sewerskaja Северская 22.557 Krasnodar
Nowotitarowskaja Новотитаровская 22.341 Krasnodar
Brjuchowezkaja Брюховецкая 22.024 Krasnodar
Troizkaja Троицкая 21.521 Inguschetien
Selentschukskaja Зеленчукская 21.025 Karatschai-Tscherkessien

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