Stadtente

Stadtente
Stockente
Stockenten (Anas platyrhynchos)

Stockenten (Anas platyrhynchos)

Systematik
Ordnung: Gänsevögel (Anseriformes)
Familie: Entenvögel (Anatidae)
Unterfamilie: Anatinae
Tribus: Schwimmenten (Anatini)
Gattung: Eigentliche Enten (Anas)
Art: Stockente
Wissenschaftlicher Name
Anas platyrhynchos
(Linnaeus, 1758)
Unterarten
  • Stockente (A. p. platyrhynchos)
  • Grönland-Stockente (A. p. conboschas)
  • Mexikanische Ente (A. p. diazi)
Charakteristisch geformte Erpellocke
Weibchen der Stockente
Kopf des Erpels
Küken
fliegende Stockente, weiblich
Erpel
Weibchen, deutlich erkennbar die Spiegel
Auffliegender Erpel

Die Stockente (Anas platyrhynchos), in älterer Literatur auch noch als Märzente[1] bezeichnet, ist eine Vogelart aus der Familie der Entenvögel (Anatidae).

Die Stockente ist die größte und am häufigsten vorkommende Schwimmente Europas und die Stammform der Hausente. Sie kommt im größten Teil Eurasiens sowie weiten Teilen Nordamerikas vor. Ihre Häufigkeit ist darauf zurückzuführen, dass sie sowohl bei der Art ihrer Brutplätze als auch ihrer Aufenthaltsorte wenig anspruchsvoll ist. Sie besiedelt sowohl Gewässer aller Art in der Großstadt als auch Kleinstgewässer der Ackerflur. Ähnlich anspruchslos ist sie in ihrer Nahrung. Sie ist eine ausgesprochen omnivore Art, die alles frisst, was sie hinreichend verdauen kann und ohne große Aufwendungen erlangen kann. Neue Nahrungsquellen werden von dieser Art schnell erkannt und unverzüglich genutzt.[2][3]

Inhaltsverzeichnis

Namen

Die Bezeichnung Stockente hat sich erst im 20. Jahrhundert als die übliche deutsche Bezeichnung durchgesetzt. Der Name kann als Hinweis auf ihre Brutplätze verstanden werden, zu denen auf Stock gesetzte Weiden, Weidengebüsch als auch Reisighaufen gehören.[4] Stockenten brüten zwar darauf nicht häufig, das Verhalten ist aber für eine Entenart so auffällig, dass sich daraus eine in der deutschen Sprache häufige Bezeichnung entwickelte. Gebräuchlicher war über lange Zeit der Name „Wildente“, was aus ornithologischer Sicht eine unbefriedigende Bezeichnung ist, da dieser Name artübergreifend auch für alle übrigen wilden Enten gilt. In der Jagdsprache dagegen findet sich diese Bezeichnung noch, und auch in der Gastronomie wird bei einem Wildentengericht in der Regel eine Stockente zubereitet.[5]

Die wissenschaftliche Artbezeichnung platyrhynchos bedeutet Breitschnabel und leitet sich aus dem Altgriechischen ab.

Aussehen

Erscheinungsbild ausgewachsener Stockenten

Die Stockente wiegt 700 bis 1500 Gramm. Ihre Länge beträgt maximal 58 Zentimeter und ihre Flügelspannweite bis zu 95 Zentimeter, und sie kann maximal 110 Kilometer pro Stunde schnell fliegen. Ihre Lebenserwartung beträgt bis zu 15 Jahre.

Das Prachtkleid des Männchens (Erpel) ist grau mit brauner Brust, bräunlichem Rücken und schwarzen Ober- und Unterschwanzdecken. Der Kopf ist metallisch grün mit weißem Halsring darunter, der Schnabel grün-gelb. Am Hinterrand der Flügel befindet sich ein metallisch blaues, weiß gesäumtes Band, der „Spiegel“. Die Schwanzspitzen sind aufgerollt (Erpellocken). Das Männchen trägt im Zeitraum zwischen Juli und August sein Schlichtkleid und sieht dabei dem Weibchen zum Verwechseln ähnlich. Lediglich die Schnabelfärbung liefert den Hinweis auf das Geschlecht: der Schnabel des Männchens ist weiterhin deutlich gelb, wogegen der Schnabel des Weibchens dunkelgrau bis braun ist. Eine Besonderheit bei den Stockenten und einigen anderen Entenvögeln ist, dass sie – eine Analogie zu den Säugetieren – einen Penis besitzen (siehe Penis der Vögel).

Das Weibchen ist nicht so prächtig gefärbt und hat eine braun-grau gesprenkelte Tarnfärbung. Das einzig Auffällige ist der Flügelspiegel, der dem des Männchens entspricht.

Beim Mauserverlauf gibt es erhebliche individual- und populationsspezifische Unterschiede.[6] Bei mitteleuropäischen Stockenten wechseln die Erpel zu Beginn der praenuptialen Mauser im Zeitraum von Juli bis August das Schwingengefieder und sind dann für drei bis fünf Wochen flugunfähig. Anschließend erfolgt der Wechsel des übrigen Gefieders, was sich bis zum Beginn des Dezembers hinzieht. Die Enten tragen ab dann das vollentwickelte Pracht- beziehungsweise Brutkleid. Die postnuptiale Mauser beginnt bei Stockentenerpeln bereits Mitte Mai mit dem Abwurf der mittleren Steuerfedern, während die Weibchen noch brüten. Es folgt dann die Mauser des Kleingefieders. Bei Weibchen findet die Schwingenmauser im September statt und der Kleingefiederwechsel in Brutkleid im Zeitraum zwischen Oktober und November.[7]

Die Enten haben etwa 10.000 Daunen und Deckfedern, die sie vor Nässe und Kälte schützen. Sie fetten ihr Federkleid immer ein, damit kein Wasser durch das Gefieder dringt. Die Bürzeldrüse an der Schwanzwurzel liefert das Fett. Die Ente nimmt das Fett mit dem Schnabel auf und streicht es damit ins Gefieder. Auf dem Wasser wird die Ente von einem Luftpolster getragen. Die Luft hält sich zwischen dem Daunengefieder, und die Deckfedern schließen die Daunen ab. Zusammen mit dem Fettpolster unter der Haut verhindert die eingeschlossene Luftschicht, dass die Ente auskühlt. Luft und Fett sind schlechte Wärmeleiter, dadurch geht kaum Körperwärme verloren.

Erscheinungsbild der Dunenküken und Jungvögel

Die Dunenküken der Stockente sind an der Körperoberseite braun und an der Unterseite gelbbraun. Ein dunkler Farbstrich verläuft von der Schnabelbasis über das Auge bis zum Nacken. Am Hinterkopf in Höhe der Ohren findet sich ein kleiner dunkler Farbfleck, und eine Reihe von Stockentenküken weisen einen weiteren dunklen Farbfleck an der Schnabelbasis auf. Die Kopfseiten sowie der Vorderhals sind gelbbraun. Gelbe Farbpartien finden sich auch auf den Flügeln, den Rückenseiten und an den Flanken.

Zum Zeitpunkt des Schlupfes haben die Dunenküken einen dunkelgrauen Oberschnabel mit einem lichtbraunen Nagel. Die Schnabelränder weisen gelegentlich eine rosabraune Färbung auf. Der Unterschnabel ist braunrosa. Die Beine und Füße sind dunkelgrau, wobei die Seiten der Beine etwas ins gelbliche spielen. Die Schwimmhäute sind dunkel. Zum Zeitpunkt, zu dem junge Stockenten flügge werden, ist der Oberschnabel blass blaugrau, die Beine und Füße sind gelborange mit dunklen Schwimmhäuten.[8]

Stimme und Instrumentallaute

Die Stockente ist eine sehr ruffreudige Ente. Männchen und Weibchen haben dabei unterschiedliche Rufe. Für die Erpel ist ein gedämpftes „räb“ charakteristisch, dass sie gelegentlich auch gereiht als „rääb-räb-räb-räb“ mit abfallender Tonhöhe und Lautstärke hören lässt. Bei den Weibchen gibt es ähnliche Rufreihen, die jedoch eher nach „wak wak wak“ oder auch „wäk wäk wäk“ klingen.

Eine Reihe von Rufen sind mit der Balz verbunden. Dazu zählt der charakteristische Grunzpfiff der Männchen, der lautmalerisch mit „gerijib“ oder „fihb“ umschrieben wird. Er erklingt besonders häufig, wenn die Erpel während der Balz die Schäbel eintauchen und anschließend Kopf und Körper hochreißen. Zum Lautrepertoire der Stockente zählen auch einige Instrumentallaute. Dazu zählt das matte Klingeln „wich wich wich …“, das für den Flug charakteristisch ist und mit den Flügeln erzeugt wird. Während der Balz kommt es außerdem zu einem ritualisierten Scheinputzen der Männchen, bei dem sie mit dem Schnabel von hinten her die Kiele der Handschwingen berühren. Das erzeugt ein ratterndes „rrp“-Geräusch.[9]

Verbreitung

Die Stockente kommt auf der ganzen Nordhalbkugel vor, von Europa über Asien bis nach Nordamerika. In Nordamerika fehlt sie lediglich im äußersten Norden in den Gebieten der Tundra von Kanada bis nach Maine und ostwärts bis nach Nova Scotia. Ihren nordamerikanischen Verbreitungsschwerpunkt hat sie in der sogenannten Prairie Pothole Region von North und South Dakota, Manitoba und Saskatchewan.[10] In Europa fehlt sie nur in höheren Gebirslagen. In Asien meidet die Stockente die kälteste Tundra und kommt bis in den Osten des Himalaysas vor.[11] Als Brutvogel ist sie damit auf die Holarktis begrenzt. Lediglich zur Überwinterung erreicht sie auch die Orientalische Region. So überwintert sie beispielsweise in den Ebenen Nordindiens und im Süden Chinas.

In Neuseeland ist sie eingeführt und verbastardiert mit der einheimischen Augenbrauenente, die sie verdrängt. Die Stockente ist die häufigste und am weitesten verbreitete Entenart und die größte in Deutschland lebende Schwimmente. Ihre Bestände nehmen seit Jahrzehnten stetig zu, wofür in Teilen die künstliche Anreicherung der Gewässer mit organischem Material verantwortlich ist.

In vielen Städten kommen Stockenten vor, die mit Hausenten verbastardiert sind und sich durch eine abweichende Färbung auszeichnen. Diese Stadtenten weisen einige Besonderheiten in der Gefiederzeichnung auf, zum Beispiel weiße Gefiederpartien an Hals, Kopf und Kehle.

Aus der Stockente wurde 1000 v. Chr. in China die Hausente gezüchtet.

Lebensraum und Lebensweise

Die Stockente ist sehr anpassungsfähig und kommt fast überall vor, wo es Gewässer gibt. Stockenten schwimmen auf Seen, in Teichen, Binnengewässern, Bergseen und halten sich auch in kleinen Wald- und Wiesengräben auf. Ähnlich wie bei der Amsel findet ein Prozess der Verstädterung statt, der nach einem Bericht von Johann Friedrich Naumann bereits im 18. Jahrhundert begann.[2]

Die natürlichen Feinde der Stockente sind Füchse, Waschbären und Greifvögel; Wanderratten und Marder haben es vor allem auf die Entengelege abgesehen. Da die Enten während der Brutzeit häufiger den Beutegreifern zum Opfer fallen, finden sich in vielen Beständen mehr Erpel als Enten. In der Wildnis können Enten 10 bis 15 Jahre alt werden. Unter menschlicher Pflege werden sie aber auch 40 Jahre alt.

Stockenten zeigen bezüglich ihres Wanderverhaltens eine starke Variabilität. Die in Ost- und Nordeuropa beheimateten Vertreter sind zumeist Zugvögel und wandern ab Oktober nach Mittel-, West- oder Südwesteuropa. In West- und Südeuropa beheimatete Vertreter zeigen dagegen in der Regel kein Zugverhalten, sondern sind Standvögel. In Mitteleuropa beheimatete Vertreter können am Ort verbleiben, nur kürzere Wanderungen unternehmen oder auch weitere Südwestwanderungen zeigen.

Ernährung

Weibliche Stockente mit dem Kopf ins Wasser

Die Nahrung der Stockente besteht überwiegend aus pflanzlichen Stoffen. Sie liebt Sämereien, Früchte, grüne Wasser-, Ufer- und Landpflanzen. Zum Nahrungsspektrum gehören aber auch Weichtiere, Larven, kleine Krebse, Kaulquappen, Laich, kleine Fische, Frösche, Würmer und sogar Mäuse. Im Herbst frisst sie Eicheln und andere Nüsse. Auch Kartoffeln werden von ihr als Nahrungspflanze angenommen. Die Erweiterung ihres Nahrungsspektrums um diese aus Nordamerika eingeführte Pflanze ist für Großbritannien verhältnismäßig gut dokumentiert. Dort trat diese Ernährungsgewohnheit erstmals in den strengen Wintern zwischen 1837 und 1855 auf. Begünstigt wurde diese Nahrungserweiterung durch die Kartoffelfäule, die dazu führte, dass viele Landwirte ihre Feldfrüchte auf dem Feld verrotten ließen. Nach englischen Berichten aus dem Jahre 1863 zogen Stockenten von dieser Krankheit befallene Kartoffeln sogar Getreide vor.[12]

An Futterstellen frisst die Stockente auch gelegentlich Brot und Küchenabfälle. Obwohl sie in ihrer Ernährung grundsätzlich sehr anpassungsfähig ist, frisst sie keine salzliebenden Pflanzen. In Grönland lebende Stockenten fressen beispielsweise fast ausschließlich Meeresweichtiere.[13]

Bei der Nahrungssuche verlassen die Stockenten die Wasseroberfläche in für die Gruppe der Schwimmenten oder Gründelenten kennzeichnender Weise: sie tauchen den Kopf vor sich unter, schlagen mit den Flügeln auf die Wasseroberfläche und kippen dann vornüber ab. Sie tauchen keine längeren Strecken, sondern gründeln mit senkrecht aus dem Wasser ragendem Bürzel, sie suchen den unter ihnen liegenden Gewässerboden nach Essbarem bis zu einer Tiefe von etwa einem halben Meter ab. Anders als die Tauchenten können sie übergangslos von der Wasseroberfläche anfliegen. Mit ihrem Schnabel beißen sie Pflanzenteile ab und drücken das Wasser, das sie auch aufgenommen haben, durch die Hornleisten des Schnabels nach draußen. Diese Teile des Schnabels wirken wie ein Küchensieb. Die Nahrung (kleine Wassertiere) bleibt daran hängen.

Fortpflanzung

Nest in einem Ferch
Küken
Ruhende Küken

Balz und Nest

Standvögel verpaaren sich in der Regel bereits im Herbst, während die Paarbildung der Zugvögel überwiegend erst im Frühjahr stattfindet. Bei den meisten Populationen besteht außerdem ein Überhang an Männchen. dies führt dazu, dass Stockenten während der Paarungszeit sehr unruhig sind und durch die häufigen Reihflüge auffallen.[13]

Stockenten verpaaren sich erstmals locker im Anschluss an eine Gemeinschaftsbalz mehrerer Erpel, eine sogenannte Turnierbalz, Ende September. Nach der Verlobungszeit, die neben dem "Antrinken" und dem Vertreiben anderer Erpel vor allem am Hintereinander- und Nebeneinanderherschwimmen beobachtet werden kann, findet die jährliche Partnersuche, die Reihzeit, im Januar bis Anfang Februar statt. Reihzeit heißt die Balz, weil sich mehrere Erpel hinter den wenigen Weibchen "einreihen". Sehr häufig sind bei Stockenten auch sogenannte Reihflüge zu beobachten, bei denen mehrere Männchen einem Weibchen folgen. Gemeinsam suchen die Paare einen Nistplatz, der an einer Uferböschung, aber manchmal auch bis zu zwei, drei Kilometern vom Wasser entfernt liegen kann. Stockenten sind bei der Wahl des Neststandortes ausgesprochen vielseitig. Bei dem Versuch, Charakteristika der Wahl zu ermitteln, zeigt sich bislang nur, dass sich die Nistplatzwahl an die Gegebenheiten der jeweiligen Umgebung anpasst. In Niederungsgebieten finden sich die Nester überwiegend im Grünland, an Seen mit ausgeprägten Vegetationsgürteln in der Ufervegetation und an Waldseen im Wald.[14] Im Überschwemmungsgebiet der Warta in Polen bauen Stockenten ihre Nester überwiegend in Bäumen. In Wäldern brüten sie an Baumstubben, sie nimmt aber auch Baumhöheln an und brütet auch in alten Krähen-, Elster- und Greifvogelnestern.[15] Nach dem Nestbau, mit dem Beginn der Brut, verlässt der Erpel die Ente.

Gut dokumentiert sind Vergewaltigungsversuche und homosexuelles Verhalten der männlichen Stockenten. Zwischen 2 und 19 Prozent der Tiere zeigen solches Verhalten,[16] ebenso kommt homosexuelle Nekrophilie vor.[17] Stockenten verfügen zwar über ein umfangreiches Balzrepertoire. Im Wettkampf der Erpel um die Weibchen wird dieses jedoch häufig nicht gezeigt. Häufig werden Weibchen von mehreren Männchen begattet, ohne dass das übliche Balzzeremoniell vorangeht. Es sind zahlreiche Fälle dokumentiert, bei denen das Weibchen von übereifrigen Männchen ertränkt wird.[18]

Gelege und Jungvögel

Weibliche und männliche Stockente

Die Weibchen brüten einmal im Jahr ein Gelege von 7 bis 16 Eiern 25 bis 28 Tage lang aus, wobei sie ab März täglich jeweils ein Ei legen. Bleiben die ersten vier offen zurückgelassenen Eier von Gelegeräubern unbeeinträchtigt, so legt die Ente weiter in dieses Nest und deckt die Eier beim kurzzeitigen Verlassen des Nestes nun ab. Drei Tage vor dem Schlüpfen beginnt das Küken zu piepen. Mit dem Eizahn (spitzer Zahn am Schnabelende) bohrt es ein Loch in die Kalkschale des Eies und strampelt sich aus der Schale, danach bleibt es erschöpft liegen. Enten sind Nestflüchter, das heißt, sie sind beim Schlüpfen bereits sehr weit entwickelt, verlassen nach sechs bis zwölf Stunden das Nest und können von Anfang an schwimmen. In den ersten Stunden ihres Lebens laufen sie demjenigen nach, den sie zuerst erblicken. Das ist meist die Mutter. Diese Form der Interaktion von Lernen und angeborenem Verhalten heißt Prägung und ist bei Arten mit Brutfürsorge ein entscheidender Bestandteil des Fortpflanzungszyklus.

Prägung unterscheidet sich vor allem durch zwei Besonderheiten von anderen Arten des Lernens: Erstens ist sie irreversibel (nicht mehr umkehrbar) und zweitens ist das Erlernen auf eine sensible Phase (auch kritische Periode) beschränkt. Nach acht Wochen können die Jungenten fliegen. Etwa 50 bis 60 Tage lang bleibt die Ente auch noch mit den flüggen Küken in einem Schoof, einer Enten-Gelegefamilie zusammen.

Stadtente

Stockenten sind aufgrund ihrer anspruchslosen Wahl bezüglich ihres Nistplatzes und ihrer omnivoren Lebensweise prädestiniert für eine Verstädterung. Ähnlich wie bei der Amsel hat dieser Prozess über einen längeren Zeitraum stattgefunden und ist kein Phänomen des 20. Jahrhunderts. Ein frühes Zeugnis der Verstädterung bei dieser Entenart findet sich beim Begründer der deutschen Ornithologie, Johann Friedrich Naumann. Er schildert im Jahre 1811, dass sich in Köthen, zu dem Zeitpunkt die Residenzstadt des anhaltinischen Fürsten, seit längerem Stockenten in der Stadt aufhalten. Nach seinen Recherchen setzte dieses Phänomen bereits im 18. Jahrhundert ein. Im Jahre 1811 waren die Stockenten in Köthen bereits so zutraulich, dass sie auf den Straßen der Stadt nach Nahrung suchten und in die Höfe kamen, wenn dort die Hühner gefüttert wurden. Die Enten verhielten sich dabei sehr zutraulich und ließen es zu, dass Menschen sich ihnen bis auf wenige Schritte näherten. Bei zu großen Störungen entfernten sie sich meistens zu Fuß. Fühlten sie sich so gestört, dass sie aufflogen, ließen sie sich meist in benachbarten Straßen wieder nieder.[19]

Verbreitung

Stockenten auf einem städtischen Weiher

Stadtenten besiedeln Gewässer in Bereich von Städten, besonders Teiche und Weiher in Parks, aber auch Flüsse, die die Städte durchfließen und andere natürliche Gewässer, wie etwa Seen, im Bereich von Städten. Selbst größere Brunnen werden von der Stockente besiedelt.

Im städtischen Raum wählen Stockenten Neststandorte, die aus menschlicher Sicht häufig ausgefallen wirken. Dazu zählen Nester auf Balkonen, auf Flachdächern von Hochhäusern sowie in Schuppen oder Ställen.[15]

Aussehen

Farbvariante einer typischen männlichen „Stadtente“
Albino

Stockenten neigen grundsätzlich zu einer Bastardisierung mit anderen Arten und kreuzen sich auch mit den als Hausenten gehaltenen Rassen und Schlägen. Diese stammen überwiegend von ihnen ab. Tatsächlich werden aus Wildpopulationen stammende Stockenten immer wieder zur Blutauffrischung der Hausenten hinzugezogen oder dienen zur Züchtung neuer Schläge.[20] Individuen, die in ihrem Erscheinungsbild von dem „normaler“ Stockenten abweichen, sind gelegentlich auch in der Feldflur zu beobachten. Häufiger tauchen solche fehlgefärbte Individuen aber unter den Stadtpopulationen auf. Dies dürfte darauf zurückzuführen sein, dass Gefangenschaftsflüchtlinge, das heißt sowohl entflogene Hausenten als auch Wasserziergeflügel, sich auf Grund ihrer geringeren Fluchtdistanz zum Menschen sowie des im städtischen Umfeld reichhaltigeren Nahrungsangebots, häufiger in städtischen Gebieten niederlassen.

Häufig sind dunkle, oft fast rein schwarze, braune oder dunkelgrüne Individuen zu beobachten. Oft tritt ein weißer „Latz“ an der Brust auf, was auf eine Bastardisierung mit weißen Hausenten zurückgehen dürfte. Seltener sind Individuen mit weißen oder im Vergleich zu Stockenten helleren Partien. Nicht selten sind bei Männchen lediglich die Deckfedern der Flügel mehr oder minder dunkel und der weiße Halsring verbreitert oder zum Latz vergrößert. In Hamburg sind in der Innenstadt 13 Prozent der Stockenten fehlgefärbt, am Stadtrand jedoch nur 0,7 Prozent.

Stadtente mit Jungtieren

Um eine weitere Bastardisierung der Art mit Hausenten auszuschließen, werden solche fehlgefärbte Individuen bevorzugt abgeschossen.

Verhalten

Stadtenten weisen oft ein weniger gut ausgeprägtes Schutzverhalten in Bezug auf ihre Jungen auf, die sich oft schon nach wenigen Tagen weit von der Mutter entfernen. Ebenfalls typisch ist ein verändertes Paarungsverhalten, bei dem mehrere Erpel einzelne Enten verfolgen und dann gemeinsam versuchen mit dieser zu kopulieren, wobei sich nicht selten mehrere Erpel auf eine einzelne, im Wasser schwimmende Ente stürzen und diese dadurch unter Wasser drücken, bis sie ertrinkt. Dadurch ist das Geschlechterverhältnis meist zu Gunsten der Männchen verschoben. Manchmal gibt es doppelt so viele Männchen wie Weibchen, im Extremfall zehnmal so viele. Außerhalb der Städte werden die Erpel zusätzlich stark durch die Jagd begrenzt. Stadtenten konkurrieren bei der Brut oft mit ebenfalls gehäuft in Städten brütenden Nilgänsen, denen sie aber regelmäßig zur Brutzeit weichen müssen.

Belege

Einzelnachweise

  1. Rutschke, S. 197 - Auch die Schreibweise Merzente war üblich
  2. a b Rutschke, S. 200
  3. Gooders und Boyer, S. 48
  4. Rutschke, S. 197
  5. Viktor Wember: Die Namen der Vögel Europas. Bedeutung der deutschen und wissenschaftlichen Namen. Aula, Wiebelsheim 2007, ISBN 978-3-89104-709-5, S. 83
  6. Rutschke, S. 23
  7. Rutschke, S. 22 und Kolbe S. 211
  8. Collin Harrison und Peter Castell: Field Guide Bird Nests, Eggs and Nestlings, HarperCollins Publisher, überarbeitete Auflage von 2002, ISBN 0-00-713039-2, S. 71
  9. Hans-Heiner Bergmann, Hans-Wolfgang Helb, Sabine Baumann: Die Stimmen der Vögel Europas. 474 Vogelporträts mit 914 Rufen und Gesängen auf 2200 Sonogrammen. Aula, Wiesbaden 2008, ISBN 978-3-89104-710-1, S. 57
  10. Christopher S. Smith: Field Guide to Upland Birds and Waterfowl, Wilderness Adventure Press, Belgrade (Montana) 2000, ISBN 1-885106-20-3, S. 56
  11. Gooders und Boyer, S. 48
  12. Janet Kear: Man and Wildfowl, T & A D Poyser, London 1990, ISBN 0-85661-055-0, S. 199 und 200
  13. a b Gooders und Boyer, S. 50
  14. Rutschke, S. 202
  15. a b Rutschke, S. 201
  16. B. Baghemihl: Biological Exuberance, Animal Homosexuality and Biodiversity. London 1999
  17. C. W. Moeliker: The First Case of Homosexual Necrophilia in the Mallard Anas platyrhynchos (Aves: Anatidae). In: Deinsea. Band 8, 2001, S. 243–247
  18. Gooders und Boyer, S. 51
  19. Der Bericht von Johann Friedrich Naumann ist zitiert in Rutschke, S. 200
  20. Rutschke, S. 205

Literatur

  • Erich Rutschke: Die Wildenten Europas. Biologie, Ökologie, Verhalten. Aula, Wiesbaden 1988, ISBN 3-89104-449-6.
  • Uwe Gille: Ein Beitrag zur quantitativen Anatomie der Vögel unter besonderer Berücksichtigung der Anatidae. Habilitationsschrift Universität Leipzig, 1997.
  • John Gooders, Trevor Boyer: Ducks of Britain and the Northern Hemisphere. Dragon's World, Surrey 1986, ISBN 1-85028-022-3.
  • Gerhard Aubrecht, Günter Holzer: Stockenten. Biologie, Ökologie, Verhalten. Österreichischer Agrarverlag, Leopoldsdorf 2000, ISBN 3-7040-1500-8.
  • Hartmut Kolbe: Die Entenvögel der Welt. 5. Auflage. Ulmer, Stuttgart 1994, ISBN 3-8001-7442-1.

Weblinks


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