Solun

Solun
Gemeinde Thessaloniki
Δήμος Θεσσαλονίκης (Θεσσαλονίκη)
Thessaloniki (Griechenland)
DEC
Basisdaten
Staat: Griechenland
Verwaltungsregion: Zentralmakedonien
Präfektur: Thessaloniki
Geographische Koordinaten: 40° 39′ N, 22° 58′ O40.64722222222222.9638888888897Koordinaten: 40° 39′ N, 22° 58′ O
Höhe ü. d. M.: 0-115 m
Thermaischer Golf–Ano Poli (Eptapyrgio)
Fläche: f417,832 km²
Einwohner: f2363.987 (2001[1])
Bevölkerungsdichte: 20.412 Ew./km²
Gemeindesiegel:
Gemeindesiegel von Gemeinde Thessaloniki}}}
Sitz: Thessaloniki
LAU-1-Code-Nr.: 54010000
Gemeindegliederung: 1 Gemeindegebietf7
Website: www.thessalonikicity.gr
Lage in der Präfektur Thessaloniki
Bild:Dimos Thessalonikis - Thessaloniki Prefecture, Greece - political map - municipality level.svg

f9

Thessaloniki (griechisch Θεσσαλονίκη (f. sg.) [θɛsalɔˈnikʲi], auch kurz Saloniki Σαλονίκη, Ladino Salonika oder Selanik, bulg./maz. Солун Solun, türk. Selanik; im biblischen Zusammenhang verwendeter deutscher Name Thessalonich) ist mit 363.987 Einwohnern die zweitgrößte Stadt Griechenlands, Hauptstadt der Verwaltungsregion Zentralmakedonien und wirtschaftliches und kulturelles Zentrum der gesamten griechischen Region Makedonien. Die Einwohnerzahl des engeren Ballungsraumes Thessaloniki unter Einschluss der unmittelbar angrenzenden Städte und Gemeinden beträgt 800.764 Einwohner; der erweiterte Ballungsraum hat 947.931 Einwohner.

Die Stadt liegt an den nordwestlichen Ausläufern des 1.201 m hohen Chortiatis und grenzt an den Thermaischen Golf. Sie ist eine bedeutende moderne Universitäts-, Messe-, Kultur-, Industrie- und Hafenstadt im Schnittpunkt wichtiger jahrtausendealter nord-südlicher und west-östlicher (Via Egnatia) Verkehrswege. Als Schutzpatron der Stadt gilt der Heilige Dimitrios, dem auch eine große frühchristliche Basilika geweiht ist (s. weiter unten, "Sehenswürdigkeiten"). Das Wahrzeichen Thessalonikis ist der von Sinan gebaute Lefkós Pýrgos (Λευκός Πύργος, zu deutsch „weißer Turm“).

Die frühchristlichen und byzantinischen Kirchen der bereits in der Bibel erwähnten Stadt wurden 1988 in die Liste des Weltkulturerbes der UNESCO aufgenommen. 1997 wurde Thessaloniki Europäische Kulturhauptstadt. Die Stadt richtete einen Teil der Wettbewerbe der Olympischen Sommerspiele 2004 aus.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Makedonische Zeit

Thessaloniki wurde 315 v. Chr. von dem makedonischen König Kassandros als Thessaloníke gegründet durch Zusammenlegung von 26 kleineren Orten an der Stelle von Therme am Thermaischen Golf, einer ursprünglich Thrakischen Siedlung und nach seiner Frau Thessaloníke, einer Halbschwester Alexanders des Großen, benannt. Der Name Thessaloníke erinnert an die Eroberung Thessaliens durch Makedonien (Thessaloníkē = Sieg in Thessalien (griechisch νίκη, nikē = Sieg)). 168 v. Chr. beendeten die Römer das makedonische Königreich und 146 v. Chr. endgültig das eigenständige Makedonien.

Römische Zeit

Triumphbogen des Galerius (Kamara)

Thessaloniki lag an der Via Egnatia, dem Hauptverkehrsweg zwischen Rom und Byzanz, und an der nach Norden führenden Balkanstraße. Sie wurde Hauptstadt der römischen Provinz Macedonia. 58 v. Chr. ging Cicero vorübergehend hierher in die Verbannung. Nach der Flucht aus Italien vor Caesar 49 v. Chr. verlegten die Konsuln ihr Quartier nach Thessaloniki. Etwa 200 Senatoren folgten ihrer Einladung. Sie erklärten den Versammlungsplatz zu römischem Staatsboden, so dass Senatssitzungen abgehalten werden konnten. Etwa 49 oder 50 n.Chr. hielt sich der Apostel Paulus und auf seiner zweiten Missionsreise in Thessaloniki auf und gründete die zweite namentliche genannte Christengemeinde Europas nach Philippi. In der Mitte des 3. Jahrhunderts wurden Angriffe der Goten von der Stadt abgewehrt.

Um 300 wurde Thessaloniki vom Kaiser Galerius zu einer der Kaiserresidenzen des Römischen Reiches und mit bedeutenden Bauwerken ausgestattet, u. a. mit dem Kaiserpalast, der Pferderennbahn (das Hippodrom) parallel zum Palast, dem Galeriusbogen (Triumphbogen des Kaisers Galerius neben der Via Egnatia), dem Galeriusmausoleum (vielleicht ein Pantheon) und dem Forum, die Agora (Pfeiler mit prachtvollen Relieffiguren von einer zweigeschossigen Halle ist heute im Louvre, Paris), mit einem Odeion. 322 ließ Kaiser Konstantin I. (der Große) an der südwestlichen Ecke Thessalonikis ein künstliches Hafenbecken anlegen. 325 wurde Licinius (Mitkaiser von 308 bis 324) in Thessaloníki hingerichtet. Dadurch wurde Konstantin endgültig Alleinherrscher (totius orbis imperator); am 11. Mai 330 wurde schließlich Byzantion christliche Reichshauptstadt (Zweites Rom) und wenig später in Constantinopolis umbenannt. 390 erlebte Thessaloníki einen Aufstand gegen Kaiser Theodosius I., den dieser blutig niederschlagen ließ (zur Strafe ließ der Kaiser im Hippodrom etwa 7.000 Einwohner hinrichten). Nach der Reichsteilung 395 gehörte Thessaloníki zum Oströmischen Reich des Kaisers Arcadius.

Byzantinische Zeit

In den ersten Jahrhunderten der byzantinischen Zeit (550 bis 750) wurde Thessaloniki wiederholt von vordringenden Slawen erfolglos belagert, unter anderem 551, 586, 610?, 615 und 617 (siehe auch Balkanfeldzüge des Maurikios). Anfang des 9. Jahrhunderts entstand der byzantinische Militär- und Verwaltungsbezirk Thessaloníki. Im 9. Jahrhundert begann eine lange Friedenszeit, in der Thessaloniki Ausgangspunkt der orthodoxen Christianisierung der Slawen durch Kyrillos (826/827 in Thessaloníki geboren) und Methodios unter Schaffung eines slawischen, glagolitischen Alphabets aus dem Griechischen wurde. Thessaloníki war im Byzantinischen Reich in seinen Glanzzeiten zweitwichtigste Stadt neben der Hauptstadt Konstantinopel (dem heutigen Istanbul).

904 eroberten und zerstörten Sarazenen die Stadt nach nur dreitägiger Belagerung. 1185 wurde sie durch sizilianische Normannen erobert und verwüstet. Ab 1204 war Thessaloníki Hauptstadt eines kurzlebigen fränkischen Königreichs unter Bonifatius I., Markgraf von Montferrat, im Rahmen des 4. Kreuzzugs. Hagios Demetrios und die Hagia Sofia wurden vorübergehend zu katholischen Kirchen. Von 1224 bis 1242 residierten in Thessaloníki die Despoten von Epiros, 1227 ließ sich hier Fürst Theodoros (ein Vetter des Kaisers Alexios III.) zum Gegenkaiser krönen. 1246 wurde die Stadt wieder dem Byzantinischen Reich eingegliedert.

Für Thessaloniki, der zweiten Stadt im Reich, begann eine glanzvolle Epoche, von der auch heute noch zahlreiche Kirchenbauten zeugen, z. B. die Hagia Apostoloi, die Hagia Ekaterini, das Vlatadon-Kloster oder auch die große Mole, die den Hafen schützte und von der ein Teil bis heute erhalten ist. Venezianer und Genuesen bauten in dieser Zeit ihren Einfluss aus, Venedig erhielt sogar ein eigenes Stadtviertel. Thessaloniki fühlte sich als ein Zentrum der Wissenschaft: Thomas Magister (1270–1325), Demetrios Triklinios (1280–1340), der heilige Gregorios Palamas (1296–1359) oder Demetrios Kydones (1324–1397) wirkten hier. 1308 belagerte die Katalanische Kompanie Thessaloniki erfolglos, 1342-49 errichteten radikale Revolutionäre (die "Zeloten") eine autonome Stadtrepublik. 1387–1391 und ab 1394 beherrschten zwischenzeitlich Türken die Stadt. 1403 wurde Thessaloniki wieder byzantinisch und kam 1423 an Venedig.

Osmanische Zeit

Wahrzeichen: der „Weiße Turm“

1430 wurde Thessaloniki nach fast zweimonatiger Belagerung durch Sultan Murat II. Teil des Osmanischen Reichs. Aus Thessaloniki wurde „Selânik“. 1515 erreichte die Buchdruckerkunst die Stadt. Im 17. Jahrhundert war sie wichtigstes Handelszentrum des Balkans. 1821/1822 schlugen osmanische Truppen den aufflammenden griechischen Befreiungskampf, der im Süden Griechenlands zum Erfolg führte und dort zur Gründung des Königreichs Griechenland führte, nieder.

Ende des 19. Jahrhunderts nahm Thessaloniki einen enormen Aufschwung. Während 1865 die Stadt etwa 50.000 Einwohner hatte, waren es 1880 schon 90.000 und 1895 etwa 120.000. 1869 wurden die südlichen Teile der byzantinischen Stadtmauer niedergerissen, um Platz zu schaffen. Am 6. Mai 1876 töteten verärgerte Muslime bei einem Tumult den deutschen und den französischen Konsul, was die diplomatischen Beziehungen zum Osmanischen Reich erheblich belastete. 1871 wurde die Eisenbahnlinie Thessaloniki-Skopje gebaut und 1888 über Belgrad an das europäische Eisenbahnnetz angeschlossen sowie 1896 nach Osten bis Alexandropolis fortgeführt.

Die Stadt wurde am 4. September 1890 durch ein umfangreiches Feuer schwer beschädigt, welches 20.000 Menschen, meist Juden, obdachlos machte. Unter anderem brannten das europäische Viertel mit dem britischen und dem griechischen Konsulat, das griechische Krankenhaus, die Sophienkirche, die byzantinische Kirche mit dem Regierungsarchiv, die Metropolitenkirche und sieben Synagogen nieder. 1893 wurde die erste Straßenbahn installiert, die von russischen und ungarischen Pferden gezogen wurde und zur weiteren Expansion der Stadt beitrug. In dieser Zeit wurde auch das einzige bulgarische Gymnasium im osmanischen Reich, die zunächst unter dem Namen Bulgarische Männerschule „Gymnasium Kyrill und Method“]] bekannt war, errichtet. Später folgte auch eine Frauenschule.

Mustafa Kemal Atatürk, der Begründer der modernen Türkei, wurde 1881 in Thessaloniki geboren (sein Geburtshaus ist heute Museum und Teil des türkischen Konsulats). Im April 1903 wurde die Stadt und ihre Umgebung Ziel mehrere Terrorattentate, die von der bulgarischen VMRO durchgeführt wurde. Dabei wurde das französisches Schiff „Guadalquivir“ im Hafen versenkt. Auch die Otomanische Bank und weitere öffentlichen Gebäuden wurde durch Bombenattentate schwer beschädigt.

1908 nahm die Jungtürkische Revolution mit Ismail Enver und Mustafa Kemal von Thessaloníki aus ihren Anfang. 1909 verbannten die Jungtürken den abgesetzten Sultan Abdülhamit II. nach Thessaloniki und stellten ihn in der Villa Alatini unter Hausarrest.

Neuzeit

Thessaloniki blieb bis zu den Balkankriegen unter osmanischer Herrschaft. Am 26. Oktober 1912 (dem Namenstag des Stadtheiligen und Schutzpatrons von Thessaloníki, Dimitrios), 20 Tage nach Kriegserklärung (Montenegro, Serbien, Bulgarien, Griechenland) an das Osmanische Reich (1. Balkankrieg), erreichten griechische Truppen wenige Stunden vor Eintreffen der bulgarischen Truppen Thessaloniki und besetzten die Stadt. Am 18. März 1913 fiel der griechische König Georg I. in Thessaloniki einem Attentat zum Opfer. Am 8. Juli erklärten Serbien, Montenegro, die Türkei, Rumänien und Griechenland Bulgarien (nach einem bulgarischen Angriff auf Serbien) den Krieg (2. Balkankrieg), in dessen Verlauf die Bulgaren aus Thessaloniki vertrieben wurden. Im Frieden von Bukarest am 10. August 1913 wurden Teile Makedoniens mit Thessaloníki Griechenland zugesprochen. Unter anderem wurde durch die Balkankriege (das „Pulverfass Europas“) der Erste Weltkrieg ausgelöst, in dessen Verlauf Mitte Oktober 1915 mit Unterstützung des griechischen Ministerpräsidenten Venizelos gegen den Willen des (aus Dänemark stammenden) griechischen Königs alliierte Truppen in Thessaloníki landeten, um die in Serbien stehenden Truppen der Mittelmächte (Österreich-Ungarn, Türkei, Deutschland, Bulgarien) anzugreifen. Am 18. Oktober 1916 rief Venizelos in Thessaloniki eine Gegenregierung aus. Von 1916 bis 1918 befand sich in Thessaloníki das Hauptquartier der französischen Besatzungstruppen (Orientarmee). Am 18. August 1917 zerstörte ein Großbrand nahezu das gesamte südliche Stadtzentrum.

Antisemitisches Plakat in Thessaloniki 1941
„Erfassung von Juden“ im Juli 1942, Aufnahme der Propagandakompanie
Uferpromenade 1943

Der nach dem Ersten Weltkrieg von Griechenland gegen die Türkei geführte Krieg in Kleinasien führte in die Niederlage und in eine Flüchtlingskatastrophe. Nach 1922 fand ein großer Teil der griechischen Flüchtlinge in und um Thessaloniki eine neue Heimat. Damit endete eine Epoche: Thessaloniki war eine jüdisch dominierte Stadt gewesen. Bis zum Zweiten Weltkrieg hatte die Stadt eine bedeutende jüdische Bevölkerung von etwa 56.000 Personen[2], die hauptsächlich von den im 15. Jahrhundert aus Spanien vertriebenen sephardischen Juden abstammte. Sie galt als größte sephardische Gemeinde Europas. Bis ins 20. Jahrhundert war Spanisch bzw. Ladino die dominierende Sprache. 1910 hielt sich David Ben Gurion in der Stadt auf und war fasziniert von diesem jüdischen Gemeinwesen. Von 1941 bis 1944 war Thessaloníki von deutschen Truppen besetzt. 1943 wurden von den deutschen Besatzern unter der Leitung von Alois Brunner nahezu alle Juden nach Auschwitz deportiert und ermordet. Nur ca. 2.000 Juden überlebten.

Nach Ende des griechischen Bürgerkriegs 1949 begann der Wiederaufbau und die wirtschaftliche Erholung der Stadt. Die Stadt wird auch Symprotevousa (etwa „Mithauptstadt“) genannt, da sie von ihren Bewohnern als gleichwertig zu Athen wahrgenommen wird. Sie bildet zu dieser aber auch einen Gegenpol. Entfernt vergleichbar ist diese Bipolarität mit den Städten Amsterdam und Rotterdam in den Niederlanden. 1978, am 20. Juni, wurde Thessaloniki und seine Umgebung von einem schweren Erdbeben mit der Schwere 6,6 auf der Richterskala erschüttert: Das Epizentrum des Bebens lag 30 km nordöstlich der Stadt und forderte 50 Todesopfer und verursachte erhebliche Sachschäden.[3]

1997 war Thessaloníki Kulturhauptstadt Europas. Auf dem Gipfel im Juni 2003 in Porto Carras bei Thessaloniki, während der griechischen Ratspräsidentschaft der Europäischen Union, wurde die Integration der Staaten des früheren Jugoslawien und Albanien als das nächste große Ziel in der EU-Erweiterung festgelegt[4].

Wirtschaft

Verkehr

Straßenkarte Thessaloniki und Vororte.
Bahnhof von Thessaloniki (Neos Sidirodromikos Stathmos).
Flughafen von Thessaloniki.

Thessaloníki besitzt einen Fährhafen von nationaler Bedeutung (Verbindungen in die Ägäis) sowie einen für den gesamten Balkan wichtigen internationalen Handelshafen.

Der Flughafen Makedonia (internationaler Flughafen-Code: SKG (IATA-Code), LGTS (ICAO-Code)) stellt viele Verbindungen zu wichtigen nationalen sowie europäischen und nichteuropäischen Flughäfen her und ist ein wichtiges Verkehrskreuz der internationalen Luftfahrt.

Der Bahnhof von Thessaloniki ist der für Griechenland wichtigste Eisenbahnknotenpunkt, stellt die Verbindung des Landes nach Mittel- und Osteuropa her, und besitzt den einzigen Rangierbahnhof des Landes. Der Bahnhof verfügt über eine Verladestelle[5] für Autoreisezüge.

Aufgrund der Situation im ehemaligen Jugoslawien in den 1990ern nahm die Bedeutung der Transitstrecke jedoch ab. Die Verkehrsströme gehen heute vor allem nach Süden, Waren werden über Igoumenitsa verschifft. Die OSE elektrifizierte die Strecke nach Athen, die Ausbaumaßnahmen sind aber noch nicht vollkommen abgeschlossen. Die InterCity-Verbindung stellt eine Reisealternative zur Flugverbindung Thessaloniki–Athen dar, zumal auch Anschluss an den Peloponnes besteht. An Bedeutung gewinnt die Strecke nach Istanbul, die seit 2005 auch öfter bedient wird.

Außerdem wurde am 7. April 2006 nach 15 Jahren Planung und Verbesserung der Vertrag für den Bau einer in der ersten Phase 9,6 km langen Metrolinie mit 13 Stationen unterschrieben. Es wird erwartet, dass die Eröffnung 2013 stattfinden wird.

Von Thessaloniki aus gibt es zahlreiche Busverbindungen des KTEL-Verbundes in die nähere und weitere Umgebung der Stadt sowie einige Fernbusverbindungen durch Griechenland. Innerhalb Thessalonikis verkehren die Stadtbusse der OASTH.

Ein modernes Schnellstraßensystem (Autobahn und Stadtautobahn) führt in alle vier Himmelsrichtungen. Die Autobahn 2 (A2, E 90) führt von Westen her kommend (Igoumenitsa, Ioannina, Kozani, Veria, Athen) im Norden um Thessaloniki herum (Außenring Thessaloniki) und geht weiter in Richtung Kavala, Xanthi, Alexandroupolis. In Richtung Süden bzw. Südosten (Chalkidiki) besteht eine Verbindung zwischen der A2 und dem Innenring Thessaloniki (Nationalstraße 16 bzw. A16). Der Innenring Thessaloniki umgeht die Stadt auf den Höhen des Stadtwald Seich-Sou in Richtung Kalamaria, Flughafen Thessaloníki und Chalkidiki. Der Innenring Thessaloniki ist durchgängig dreispurig in beide Richtungen ausgebaut und ist kreuzungs- und ampelfrei. Der Außenring Thessaloniki ist durchgängig dreispurig mit einem Standstreifen in jede Richtung. Die Nationalstraße 67 führt autobahnähnlich (2 Richtungsfahrbahnen bis Nea Kallikratia) ausgebaut nach Nea Moudania auf der Chalkidiki und kreuzt östlich des Stadtzentrums von Kalamaria den Innenring von Thessaloniki. Das Teilstück der Nationalstraße 67 von Nea Kallikratia bis nach Nea Moudania ist in Bau: Bei Abschluss der Ausbauarbeiten ist eine Aufstufung als Autobahn möglich. An die Nationalstraße 67 ist der Flughafen Thessaloniki (fast) kreuzungsfrei in Höhe der Ortschaften Tagarades und Thermi angeschlossen.

Die Autobahn 1 (A1, E 75, PATHE) von Evzoni an der Grenze zu Mazedonien nach Athen, Larisa und Lamia führt nicht durch Thessaloniki, sondern läuft westlich der Stadt entlang des Flusses Axios nach Süden.

Industrie

In Thessaloniki und Umgebung arbeitet eine wichtige Lebensmittelindustrie für den griechischen Markt und für den Export (u. a. für Europa und den vorderen Orient), ebenfalls eine Tabakindustrie. Es gibt auch eine gute Möbelindustrie. Eine sehr moderne Erdölraffinerie mit saudi-arabischer Beteiligung hat große überregionale Bedeutung erlangt. Thessaloniki ist Hauptsitz eines Großteils der griechischen Solarindustrie. Die jährlich stattfindende internationale Herbstmesse ist die bedeutendste Industrie- und Handelsmesse Griechenlands.

Tourismus

Obwohl die Stadt viele interessante Sehenswürdigkeiten vorzuweisen hat und urban geprägt ist, wird sie oft nur als Durchreisestation zu den Touristengebieten auf der Halbinsel Chalkidiki (zu der auch die eigenständige Mönchsrepublik Athos gehört) genutzt.

In den Ladadika (ehem. Viertel der Olivenölhändler) findet man ein lebendiges Viertel mit vielen traditionellen und auch preiswerten Tavernen und Ouzerien.

Bildungseinrichtungen

Thessaloniki verfügt über mehrere Hochschulen: die Aristoteles-Universität Thessaloniki, die Universität Makedonien sowie ein Technisches Ausbildungsinstitut Thessaloniki.

Sehenswürdigkeiten

Die byzantinische Panagia Chalkeon Kirche inmitten der Innenstadt
Der Fernsehturm
Thessaloníki von Norden aus
Reiterstandbild Alexanders des Großen

Das Wahrzeichen der Stadt ist der Weiße Turm, der aus der venezianischen oder der frühen osmanischen Zeit stammt und wahrscheinlich von venezianischen Baumeistern errichtet wurde; durch die Jahrhunderte diente er den wechselnden Herren als Waffenlager, Gefängnis für zum Tode Verurteilte und unter deutscher Besatzung im Zweiten Weltkrieg als Nahrungsmittellager (vornehmlich für die Wehrmacht). In Zeiten der griechischen Souveränität zuvor und danach war er zeitweise Stützpunkt der Luftabwehr, universitäre Wetterstation und, bis 1983, Marineschule [6]. Inzwischen wird er als Museum genutzt.

Bauwerke der römischen Zeit

  • Reste des Kaiserpalastes mit einem Oktogon
  • Galeriusbogen (Kamara) mit Reliefdarstellungen von Szenen aus den Kämpfen des Galerius gegen die Perser 296/297
  • Rotunda, erbaut im 4. Jh. als Mausoleum des Galerius, danach orthodoxe Kirche (Hagios Georgios) und später Moschee (Reste eines Minaretts), heute Museum. Kuppelinnendurchmesser 24,15 m[7]: bei Erbauung weltgrößte Ziegelkuppel
  • Forum (145 m × 90 m) mit unterirdischer Stoa unter der Südstoa und mit einem Odeion (Theater)

Frühchristliche und byzantinische Bauten

Zahlreiche bedeutende frühchristliche und byzantinische Kirchen (1988 in die Liste des Weltkulturerbes der UNESCO aufgenommen) mit teilweise hervorragenden Mosaiken und Malereien (z. B. Hosios David, frühchristliches Mosaik mit der Darstellung eines bartlosen Christus aus dem 5. oder Anfang des 6. Jahrhunderts) befinden sich in Thessaloníki.

  • Kirche des Heiligen Demetrios (Agios Dimitrios, Stadtheiliger), fünfschiffige Basilika, Mosaiken aus dem 7. und 9. Jahrhundert
  • Kirche der Heiligen Sofia (Hagia Sofia), fünfschiffige Basilika, Mosaiken aus dem 8. und 9. Jahrhundert
  • Kirche der Panagia Acheiropoietos, dreischiffige Basilika
  • Kirche Hosios David (Latomos-Kloster), Vorläufertypus der Kreuzkuppelkirche, Mosaiken und Malereien vom Ende des 5. bis ins 14. Jahrhundert
  • Kirche der Panagia Chalkeon (Kokkini Ekklisia), kreuzförmige Viersäulenkirche (Vorbild für viele andere Kreuzkuppelkirchen), Darstellungen bis ins 14. Jahrhundert
  • Kirche des Heiligen Panteleimon, Kreuzkuppelkirche, Wandmalereien Ende 13. und Anfang 14. Jahrhundert
  • Kirche der Heiligen Apostel (Hagia Apostoloi), kreuzförmige Viersäulenkirche mit fünf Kuppeln
  • Kirche des Heiligen Nikolaus des Waisen (Hagios Nikolaos Orfanos)
  • Kirche der Heiligen Katherina (Hagia Ekaterini)
  • Erlöserkirche
  • Vlatadon-Kloster (das einzige noch überlebende Kloster von ursprünglich etwa 20 Klöstern der Stadt)
  • Kirche des Propheten Elias
  • Umfangreiche und teilweise gut erhaltene Befestigungsanlagen mit zahlreichen Türmen (ursprünglich über 8 km, heute noch etwa 4 km) mit Akropolis und der byzantinisch-osmanischen Zitadelle Heptapýrgion (griechisch Επταπύργιον, etwa „Siebengetürm“)

Bauwerke osmanischer Zeit

  • Besesteni (ein überdachter Markt mit sechs Kuppeln, er beherbergte hauptsächlich Tuchhändler und Goldschmiede)
  • türkische Bäder (Hamam), Giachounti-Hamam, Bey Hamam
  • die Moscheen Hamsa-Bey-Tsami, Alatsa-Imaret-Tsami und Yeni-Tsami (von 1902)
  • der Weiße Turm, Lefkós Pýrgos (Λευκός Πύργος)

Moderne

Museen allgemein

  • Museum der Stadt im Weißen Turm (Lefkós Pýrgos)
  • Archäologisches Museum
  • Museum der byzantinischen Kultur
  • Wissenschaftszentrum und Technisches Museum Noesis
  • Jüdisches Museum Thessaloniki
  • Kinomuseum
  • Sportmuseum
  • Photographiemuseum
  • Folklore und Ethnologie Museum
  • Museum des Makedonischen Kampfes
  • Kriegsmuseum
  • Museum der Musikinstrumente
  • Atatürk-Museum
  • Design Museum (vorläufig - seit 1997 - ohne Gebäude, als Wanderausstellung in den Kunstmuseen)
  • Wasserwerkemuseum
  • Eisenbahnmuseum

Kunstmuseen

In Thessaloniki gibt es drei bedeutende Museen für moderne Kunst:

  • Das Staatliche Museum zeitgenössischer Kunst oder SMCA im ehemaligen katholischen Lazaristen-Kloster beherbergt die George Costakis Collection, die bedeutendste Sammlung der russischen Avantgarde. Sie wurde 1997 vom griechischen Staat anlässlich der Veranstaltungen zur europäischen Kulturhauptstadt erworben. Weiterhin sind auch Werke international bekannter griechischer Künstler zu sehen, wie z. B. eine Skulptur von Joannis Avramidis. Am Hafen besteht eine Dependance („Warenhaus B2“). 2004–2005 war die Ausstellung „Licht und Farbe der russischen Avantgarde“ im Martin-Gropius-Bau (Berlin) und im Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig (Wien) zu sehen, die aus Werken des SMCA zusammengestellt wurde.
  • Die Städtische Pinakothek ist in einem Jugendstilgebäude untergebracht. Von einer Ikonensammlung abgesehen liegen die Sammlungsschwerpunkte ähnlich wie die des SMCA in der modernen Kunst. Hier finden sich u. a. Werke von Salvador Dalí, Roy Lichtenstein, Lucebert und fast aller national bekannten Künstler.
  • Teloglion-Kunststiftung mit regelmäßigen Ausstellungen.
  • Artforum Culture Foundation im Artforum-VILKA-Zentrum. Ausstellungen griechischer und internationaler Künstler. Jahresausstellungen der Meisterschüler der Aristoteles-Universität.

Klima

Klimadiagramm von Thessaloníki[8]

Thessaloníki liegt im Bereich des mediterranen Klimas. Durch die nahe Landverbindung zum Balkan sind allerdings die Temperaturen ein paar Grad niedriger als im südlichen Griechenland (im Mittel 1,6 Grad kühler als Athen).

Söhne und Töchter der Stadt

Die Gesellschaft Makedonischer Studien - Zentralbühne des Nationaltheaters Nordgriechenlands

Partnerstädte

Einzelnachweise

  1. Angaben des griechischen Innenministeriums ([1])
  2. Rena Molho, "The Jewish community of Salonika and its incorporation into the Greek state 1912–19", Middle Eastern Studies 24:4:391–403 doi:10.1080/00263208808700753; see also N. M. Gelber, "An Attempt to Internationalize Salonika, 1912–1913", Jewish Social Studies 17:105–120, Indiana University Press, 1955 (not seen)
  3. Informationen des USGS über das Erdbeben von Thessaloniki am 20. Juni 1978. Informationen auf Englisch. Letzter Zugriff: 2008-07-30.
  4. EU-Western Balkans Summit - Declaration
  5. Information Autoreisezüge Griechenland
  6. Museum of Byzantine Culture, siebter Absatz, Satz 2 (englisch); hier auf griechisch: [2]
  7. Jürgen Rasch: Die Kuppel in der römischen Architektur. Entwicklung, Formgebung, Konstruktion, in: Architectura, Bd. 15 (1985), S. 117–139
  8. Geoklima 2.1

Siehe auch

Literatur

  • Lewkowicz, Bea: The Jewish Community of Salonika. History, Memory, Identity (englisch) Middlesex: Vallentine-Mitchell, 2006 ISBN ISBN (über die fast vollständige Vernichtung der Juden in der Stadt durch die Deutschen)
  • Mazower, Mark: Salonica, City of Ghosts: Christians, Muslims and Jews, 1430–1950 (englisch) New York: Alfred A. Knopf, 2004 ISBN 0-375-41298-0 (über die Stadts moderne Geschichte)

Weblinks


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