Social Business


Social Business

Social Business ist ein wirtschaftliches Konzept, das oft auf den Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus zurückgeführt wird. In dem Bereich tätige Unternehmen sollen soziale und ökologische gesellschaftliche Probleme lösen.[1] Das Konzept soll den Kapitalismus zukunftsfähig machen.[2]

Inhaltsverzeichnis

Definition

Social Businesses unterscheiden sich von üblichen Unternehmen durch zwei Merkmale:

  1. Ihre Zweckbestimmung ist ausschließlich auf die Lösung wichtiger sozialer Probleme ausgerichtet.
  2. Bei Social Business verzichten die Investoren auf spekulative Gewinne.[3] [4]

Im Unterschied zu sozialen Projekten mit gleicher inhaltlicher Zielsetzung arbeiten Social Businesses wie herkömmliche Unternehmen. Der Gewinn verbleibt jedoch größtenteils im Unternehmen und die Dividende wird Fall begrenzt und dient der Ausweitung der Dienstleistung durch das Wachstum des Unternehmens. Finanzierungsquellen sind Investoren, die eine ‚double bottom line’ Rendite mit ihren Investitionen erzielen wollen.

Grundsätzlich können sich Social Businesses aus zwei Richtungen entwickeln: einerseits aus dem Bereich der Stiftungen und Non-Government Organisationen (NGOs), die zunächst mit Teilprojekten Eigenmittel erwirtschaften und dann zunehmend versuchen, ihre sozialen Aktivitäten auf wirtschaftlich nachhaltige Beine zu stellen. Andererseits beginnen Unternehmen oft mit Corporate Social Responsibility (CSR)-Projekten und verknüpfen solche Tätigkeiten dann mit ihren eigenen Kernkompetenzen und setzen soziale Aspekte irgendwann auch im eigenen Unternehmen um. Beide Entwicklungen können im Social Business münden, wenn soziale und wirtschaftliche Ziele gleicher Maßen verfolgt werden.

Ein verwandtes wirtschaftswissenschaftliches Konzept ist der Base of the Pyramid-Ansatz. Er beschreibt Geschäftsmodelle und Ansätze zur erfolgreichen Einbindung bisher weitgehend vernachlässigter armer Bevölkerungsschichten in unternehmerische Wertschöpfungsketten. Grundgedanke ist, dass sich auf diese Weise die Verfolgung unternehmerischer Chancen zielgerecht mit dem Bemühen langfristiger Armutsbekämpfung verbinden lässt.[5]

Zielsetzung

Bei der Zielsetzung von Social Businesses muss man zwischen direkten und indirekten Zielen unterscheiden:

  • Direkte Ziele: Tätigkeitsbereiche für Social Business in Entwicklungs- und Schwellenländern. Sei es das Beispiel der Mikrofinanzbanken, seien es selbstfinanzierte Bildungs- oder Gesundheitsprogramme. Prinzipiell lässt sich jedes Produkt und jede Dienstleistung, deren Wert zumindest teilweise messbar ist, auch als Social Business gestalten.

In modernen Industrienationen sind soziale Probleme anderer Natur. Insbesondere in Europa sorgt in der Regel der Staat dafür, dass niemand hungern muss. Zielgruppen für Mikrofinanzen sind hier Menschen, denen das Geld für eine spezielle Ausbildung fehlt, um ihren Wunschberuf ergreifen zu können. Bildungsangebote verbessern das ohnehin vorhandene flächendeckende System an seinen Schwachstellen. Gesundheitsförderung besteht zum Beispiel darin, Forschungen für vernachlässigte Krankheiten zu unterstützen. Kritiker wenden ein, dass Gelder für Social Business (wie auch Charity) besser in die existenziellen Probleme der Dritten Welt investiert werden sollten.

  • Indirekte Ziele: Neben der direkten Lösung gesellschaftlicher Probleme, haben Social Businesses oft die Intensivierung des individuellen, gemeinschaftlichen und gesellschaftlichen Fortschritts als Ziel. Damit tragen Social Business der Tatsache Rechnung, dass Menschen nicht eindimensional, sondern vielmehr multidimensional sind, und sie sich zu bestimmten Organisationsformen zusammenschließen, die nicht nur der Profitmaximierung dienen.[6]

Finanzierung

Viele Social Businesses waren ursprünglich klassische Non-Government Organisationen (NGOs), die zunächst einzelne Projekte zur Erzielung eigener Umsätze gründeten und sich nach und nach zu Social Businesses entwickelten. Von Seiten großer Unternehmen und Konzerne finden sich bis dato wenige Entwicklungen von Corporate Social Responsibility (CSR) hin zu Social Business. Mehrheitlich findet derartiges Engagement noch in Kooperation mit NGOs statt.[7]

Am Anfang der Social Business Bewegung stehen Modelle mit zwei Organisationen, wobei eine NGO oder Stiftung ein Tochterunternehmen besitzt, das die Gewinne erwirtschaftet, welche die sozialen Ziele der NGO finanzieren. Das Geschäftsmodell der for-profit Tochter hat nicht zwingend einen positiven ‚Social Impact’. Solche Strukturen werden als ‚Separate Bottom Line Modelle’ bezeichnet.

Wenn ein Projekt oder Unternehmen ganzheitlich ein Social Business sein soll, bezeichnet man dies als ‚integriertes Business’ bzw. ‚Double Bottom Line Model’ (im Falle von zusätzlich ökologischer ‚Rendite’ natürlich von ‚Triple Bottom Line Model’). Hier muss allerdings eine Unterscheidung nach Marktreife unternommen werden:

  • Ein Social Business betritt zunächst einen Markt, dessen Kunden noch keine Notwendigkeit für soziale Belange sehen oder aber keine Zahlungsbereitschaft dafür aufbringen. Daher muss ein Kompromiss zwischen ‚Social Impact’ und finanziellem Erfolg (Gewinn) gefunden werden (‚Trade-off’ bzw. ‚Kompromissmodell’).
  • Wenn der Markt eine ‚soziale Reife’ erlangt hat, sind Kunden auch bereit, ein Premium für den sozialen Mehrwert zu bezahlen, sofern die Qualität der Produkte gleichbleibend ist. Das Geschäftsmodell hat dann nicht nur einen direkten sozialen Impact, sondern dessen Erzeugung korreliert sogar (je nach Marktreife zunehmend) mit der Höhe der Gewinne (‚Win-Win-Modell’).[8]

Dabei ist zu berücksichtigen, dass sozialverträgliches Wirtschaften in den meisten Fällen mit höheren Kosten verbunden ist. Zum einen kann das daran liegen, dass neue Produktionsverfahren noch nicht ausgereift sind – erst im Laufe der Zeit lassen sich Effizienzen erzielen, wie sie die konventionelle Konkurrenz durch jahrelangen Vorsprung längst erreicht hat. Zum anderen sind die konventionell hergestellten Produkte jedoch auch deswegen billiger, weil die Folgekosten ihrer Produktion durch die Gesellschaft getragen werden (also nicht im Preis berücksichtigt, sondern externe Kosten werden). Sozialgerechtes Wirtschaften vermeidet solche Folgekosten – meist indem höhere Kosten bei der Produktion in Kauf genommen werden (Internalisierung).

Siehe auch

Belege

  1. Muhammad Yunus on Social Business, Stand: 19. November 2008
  2. Berliner Erklärung zu „New Deal for Sustainability“ vom 16. November 2008
  3. Yunus, Muhammad (2008), Creating a World Without Poverty: Social Business and the Future of Capitalism und Yunus, Muhammad, Social Business Entrepreneurs Are the Solution, Stand: 19. November 2008 - Archivversion 22. August 2008. (Archivversion vom 22. August 2008).
  4. Yunus, Muhammad (2010), Building Social Business: Capitalism That Can Serve Humanity's Most Pressing Needs, New York, Seite 13
  5. Hahn, R. (2009): Multinationale Unternehmen und die 'Base of the Pyramid' – Neue Perspektiven von Corporate Citizenship und Nachhaltiger Entwicklung. Gabler, Wiesbaden. ISBN 978-3-8349-1643-3
  6. Yunus, Muhammad, Social Business Entrepreneurs Are the Solution, Stand: 19. November 2008
  7. Grameen Danone Foods Limited : A Unique Model of Social Business Enterprise, Stand: 19. November 2008
  8. Understanding Social Enterprise: Theory and Practice, auf www.nextbillion.net, Stand: 19. November 2008

Weblinks

Literatur

  • Muhammad Yunus, Karl Weber: Building Social Business: the new kind of capitalism that serves humanity's most pressing needs, New York : Public Affairs, 2010, ISBN 978-1-586-48824-6
  • Muhammad Yunus: Die Armut besiegen (Originaltitel: Creating a world without poverty). Carl Hanser Verlag, München 2008, ISBN 978-3-446-41236-1
  • Peter Spiegel, Roger Richter: The Power of Dignity – Die Kraft der Würde. Essay und Bildband zur Grameen Family. Mit einem Vorwort von Muhammed Yunus. Herausgegeben von Hans Reitz. Zweisprachig Deutsch und Englisch, 2008, Kamphausen Verlag, 2008, ISBN 978-3-89901-169-2.
  • Maritta Koch-Weser, Tatiana van Lier: Financing Future, Innovative funding models at work, 2nd edition, 2008.
  • Franz Alt, Peter Spiegel: 'Gute Geschäfte - Humane Marktwirtschaft als Ausweg aus der Krise', Aufbau-Verlag,2009, ISBN 978-3-351-02707-0
  • Urs P. Jäger: 'Managing Social Businesses. Mission, Governance, Strategy and Accountability. Palgrave McMillan, 2010.
  • Thomas Leitner: Grundlagen für das Gesellschaftliche Unternehmen. Das Konzept des Social Business nach Muhammad Yunus als Institution im Rahmen der österreichischen Rechtsordnung. Verlag NWV, Wien, Graz 2011, ISBN 978-3-7083-0751-0.

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