Sissinghurst

Sissinghurst
Sissinghurst im April
Die Türme im Garten von Sissinghurst

Sissinghurst Castle ist ein historischer Landsitz in der englischen Grafschaft Kent, ca. 40 km südwestlich von Canterbury. Berühmt geworden ist es durch seinen Garten, der ab 1930 von Vita Sackville-West und ihrem Mann Harold Nicolson angelegt wurde. Heute ist Sissinghurst im Besitz des National Trust. Die für die Öffentlichkeit zugängliche Anlage zählt mit mehr als 160.000 Besuchern jährlich zu einer der beliebtesten Gartenanlagen der Welt. Die Wohnanlage selbst besteht aus fünf einzeln stehenden Gebäuden: Dem Haupthaus, der langen Bibliothek, dem (Doppel-)Turm, dem South Cottage und sowie dem Priest´s House.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Blick vom Garten auf den Doppelturm
Hopfendarrtürme in Sissinghurst

Sissinghurst Castle ist ein historischer Ort. Der Name stammt aus dem Altenglischen und bedeutet Lichtung in den Wäldern. Im Mittelalter wurde an dieser Stelle ein Landgut erbaut, das durch einen Burggraben geschützt wurde. Das ursprüngliche Gebäude wurde 1480 von der Familie Baker erworben und durch eine großes Gutshaus ersetzt. Dies war eines der ersten großen Häuser in Kent, das mit Ziegel anstatt mit Steinen und Balken gebaut wurde. Die Bakers waren durch Heirat mit den Sackvilles in Knole verbunden.

1756 wurde das Haus der Regierung überlassen, die es im Verlauf des Siebenjährigen Krieges als Gefängnis für über 3.000 französische Kriegsgefangene nutzte. Aus dieser Zeit stammt auch der Begriff des Castle of Sissinghurst. Nach dem Krieg war das Anwesen zu über Zweidrittel zerstört. In den folgenden 50 Jahren wurden die verbliebenen Gebäude für die Armen der Gemeinde genutzt.

1855 ging das Anwesen an die Familie Cornwalli, die das Farmhaus baute, da die alten Gebäude kaum bewohnbar waren. 1928 stand es zwei Jahre zum Verkauf, bevor Vita Sackville-West und Harold Nicolson es entdeckten und kauften. Für Vita Sackville-West war Sissinghurst die symbolische Verbindung zu ihrem geliebten Geburtsort Knole. Sie war das einzige Kind und Erbe von Lionel, dem 3. Lord Sackville. Da sie eine Frau war, konnte sie Knole jedoch nicht erben und verlor es an ihren Onkel.

Vita Sackville-West und ihr Ehemann Harold Nicolson wurden auf Sissinghurst aufmerksam, nachdem sich ihr Anwesen Long Barn in der Nähe von Sevenoaks in Kent als zu eng für weitere Entwicklungen herausgestellt hatte. Obgleich Sissinghurst in einem absolut verfallenen Zustand war und sie wussten, dass ihnen enorme Kosten und viel Arbeit bevorstand, kauften sie es im Jahre 1930 und begannen, den Garten so zu entwerfen, wie er heute noch existiert. Der Entwurf von Harold Nicolson und die Bepflanzung durch Vita Sackville-West waren stark durch die Gärten von Gertrude Jekyll und Edwin Lutyens sowie durch den Garten von Hidcote Manor beeinflusst. Beide wurden von Lawrence Johnston entworfen. Noch im selben Jahr wurden die Katen im Oberen Hof abgerissen, der Löwenteich (heute Senkgarten) im Unteren Garten angelegt, und es wurde damit begonnen, die Grabmauern freizulegen und den Nussgarten auszuholzen. Im darauf folgenden Jahr wurde ein Weiher fertiggestellt und der Eingangsbogen des Vorhofes wieder geöffnet. Noch im selben Jahr konnten fast alle Schutthaufen im Garten beseitigt werden.

Im Jahr 1932 zogen Harold und Vita nach Sissinghurst, nachdem sie Long Barn vermietet hatten. Weiter schenkte Lady Sackville Sissinghurst sechs Bagatelle-Vasen. Noch im selben Jahr stellten Harold und Vita den Architekten A.R. Powys ein.

Für die Öffentlichkeit wurde Sissinghurst bereits 1938 zugänglich gemacht. Der National Trust übernahm das Gelände 1967. Seit 1992 wird sowohl die Anzahl der gleichzeitigen Besucher im Garten als auch die Gesamtbesucherzahl pro Jahr geregelt. Letztere wird seitdem auf um 160.000 gehalten, um den Garten zu schonen.

Der Garten

Lageplan

Harold Nicolson und Vita Sackville-West unterteilten das rund fünf Hektar große Gelände in zehn abgeschlossene Gartenräume. Als ‚Wände‘ dienen mehr als mannshohe, akkurat geschnittene Eibenhecken; aber auch erhalten gebliebene Mauern ehemaliger Gebäude wurden mit einbezogen.

Jeder der ‚Gärten im Garten‘ folgt einem bestimmten Thema; so gibt es den Weißen Garten, den Rosengarten und den Kräutergarten. Die Gestaltung des Gartens verbindet eine große Schlichtheit der Gesamtanlage mit opulenter Bepflanzung.

Oberer und Unterer Hof

Der Obere Hof mit seiner großzügigen Rasenfläche bildet das Entrée des Gartens. An zwei Seiten ist er gesäumt von der berühmten violetten Rabatte. Durch den Durchgang im Turm gelangt man in den Unteren Hof, ebenfalls geprägt von einer Rasenfläche. Die umgebenden Mauern sind mit Clematis und Rosen bewachsen.

Der Turm

Der Doppel-Turm ist einer der ältesten Bestandteile von Sissinghurst Castle. Eine Holzwendeltreppe führt auf die oberen Etagen, in die sich Vita Sackville-West zum Lesen und Arbeiten zurückzuziehen pflegte. Von der Aussichtsplattform auf dem Turm gibt es einen einzigartigen Panoramablick auf das gesamte Anwesen, bei gutem Wetter bis nach Canterbury.

Der Rosengarten

Der Rosengarten dokumentiert Vita Sackville-Wests Vorliebe für alte Rosensorten. Sie liebte ihre üppigen Blüten, samtigen Farben und ihren Duft und nahm in Kauf, dass sie im Gegensatz zu modernen Sorten nur einmal im Jahr (im Juni) blühen. Heute wird die Blütezeit des Gartens durch hinzugefügte Stauden und Clematis verlängert.

Der Lindengang

Er war Harold Nicolsons Werk. Mit ihm schuf er einen klassischen italienischen Garten, mit kleinen Statuen an jedem Ende, aufgelockert durch toskanische Terracottatöpfe. Der Lindengang ist ein Frühlingsgarten, der im übrigen Jahr brachliegt. Wegen der vielen Blumenzwiebeln im Boden können keine anderen Pflanzungen vorgenommen werden. Nur die Blumen in den Terracottatöpfen blühen außerhalb dieser Zeit.

Der Bauerngarten

Das South Cottage am Rande des Bauerngartens wurde nach Kauf von Sissinghurst als erstes Gebäude bewohnbar gemacht. Der Bauerngarten wurde dabei als eine Steigerung des klassischen englischen Gartens angelegt. Da sich sowohl Vita Sackville-West als auch Harold Nicolson gleichermaßen intensiv um die Blumen kümmerten, sind die Unterschiede in den Vorlieben hier schön zu sehen. Während Harold Nicolson das Formale liebte, aber Unterschiede zuließ, bevorzugte Vita Sackville-West das Opulente, jedoch möglichst in einer Farbe (abhängig von der Jahreszeit).

Grabengang mit Wisteria

Der Grabengang und der Nussgarten

Vom Bauerngarten zum Wassergraben führt der Grabengang. Auf der einen Seite ist der Gang durch eine Ziegelsteinwand begrenzt, an der die Blüten einer weißen Wisteria herunterhängen. Auf der anderen Seite befindet sich eine Azaleenböschung, an die der Nussgarten anschließt. Die Gartenbank an der Seite des Bauerngartens ist ein Entwurf von Edwin Lutyens. Am anderen Ende des Gangs, am Wassergraben steht eine Statue des griechischen Gottes Dionysos.

Blick in Richtung Kräutergarten

Der Kräutergarten

Am südöstlichen Zipfel des Gartens befindet sich der Kräutergarten, der mit seinen über hundert Kräuterarten angeblich das vollständigste Herbarium Englands ist. Vita Sackville-West hatte so einen guten Geruchssinn, dass sie jedes Kraut mit geschlossenen Augen bestimmen konnte.

Der Wassergraben und der Obstgarten

Vom ursprünglichen Wassergraben rund um das Anwesen ist nur noch der östliche und ein Teil des nördlichen Grabens vorhanden. An deren Ufer stehen wundervolle alte Eichenbäume. Die beiden Arme des Grabens umschließen den Obstgarten. Im Frühling wachsen dort Narzissen, gefolgt von blühenden Obstbäumen und Rosen. Die Wiese darf wachsen, wobei sie von kurzgeschnittenen Graswegen durchzogen ist.

Der weiße Garten

Am bekanntesten ist sicherlich der Weiße Garten. Die hier versammelten Pflanzen blühen in allen Schattierungen von Weiß, viele besitzen graues oder silberfarbiges Laub. Den Mittelpunkt bildet ein Pavillon, überrankt von einer weiß blühenden Kletterrose.

Literatur

  • Tony Lord: Sissinghurst. Einer der schönsten Gärten Englands. Dumont Buchverlag Köln 1996, ISBN 3-7701-3761-2
  • Vita Sackville-West, Harold Nicolson. Zsgest. von Julia Bachstein: Sissinghurst: Portrait eines Gartens. Insel-Verlag, Leipzig 2006, ISBN 3-458-34883-2

Weblinks

51.1158333333330.581666666666687Koordinaten: 51° 6′ 57″ N, 0° 34′ 54″ O


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