Shell-Haus

Shell-Haus
Das Shell-Haus vom anderen Ufer des Landwehrkanals gesehen
Detail der Fassade
Seitenansicht

Das Shell-Haus ist ein fünf- bis zehngeschossiger Bau am Landwehrkanal in Berlin, unweit vom Kulturforum. Das unter Denkmalschutz stehende Bürohaus wurde nach einem Entwurf des Architekten Emil Fahrenkamp von 1930 bis 1932 an der damaligen Königin-Augusta-Straße (ab 1933: Tirpitzufer/seit 1947: Reichpietschufer) für die Hamburger Rhenania-Ossag Mineralölwerke AG (ab 1947: Deutsche Shell AG) errichtet. Fahrenkamp erhielt 1929 im Wettbewerb zum Bau des Hauses, an dem fünf Architekten teilnahmen, den ersten Platz.

Das Gebäude auf einer Fläche von 2700 m² ist einer der ersten Stahlskelettbauten Berlins. Es ist stilistisch der Neuen Sachlichkeit zuzuordnen und gilt als eines der bedeutendsten Bürohäuser der Weimarer Republik. Die markante Gestaltung wird bestimmt durch senkrechte Wellenformen unterschiedlicher Höhe und eine konsequent waagerechte Gliederung durch Fensterbänder, die auch über die außen liegenden Rundungen hinweg geführt werden. Die Fassade wurde mit Gasbetonsteinen ausgemauert und mit Platten aus Römischen Travertin aus Tivoli verkleidet. Eine technische Neuerung sollte die Erschütterungen durch den Straßenverkehr verringern: Luftschlitze unter den Gehwegen rund um das Gebäude hielten die Schwingungen vom Stahlgerüst fern.

Ab 1934 belegte die Marineleitung (ab 1935: Oberkommando der Marine) das Gebäude. Während des Zweiten Weltkrieges war im Tiefkeller des Hauses ein Lazarett eingerichtet und in den letzten Kriegstagen erlitt das Gebäude in den Obergeschossen starke Schäden. 1946 zog die Zentralverwaltung des Energieversorgungsunternehmens Bewag in das Gebäude ein und kaufte es nach Beseitigung der Kriegsschäden im Jahr 1952. 1965 bis 1967 wurden ebenfalls in Stahlskelettbauweise nach Entwürfen von Paul Baumgarten auf dem nördlich zur Sigismundstraße gelegenen Areal zwei Erweiterungsbauten errichtet.

Seit 1958 steht das Shell-Haus unter Denkmalschutz. Die angrenzenden Erweiterungsbauten aus den 1960er Jahren standen allerdings nie unter Denkmalschutz; ein entsprechender Antrag wurde 1995 abgelehnt.

Um die Sanierung des Shell-Haus gab es in den 1980er und 1990er Jahren einen Streit, da der Bewag die denkmalgerechte Sanierung zu teuer war. Die Hoffassade sanierte man bereits Anfang der 1980er Jahre, allerdings nicht denkmalgerecht. 1997 begann die Bewag schließlich mit der Sanierung, für die Kosten von 50 Mio. DM veranschlagt wurden.[1] Im Februar 2000 wurden die Sanierungsarbeiten abgeschlossen; die Kosten hatten sich auf 80 Mio. DM erhöht.[2] Unter anderem wurden alle Travertinplatten der Fassade erneuert. Eigens dafür wurde der bereits stillgelegte Steinbruch in der Nähe Roms wieder geöffnet. Im Anschluss an die Sanierungsarbeiten zog im März 2000 das Energieversorgungsunternehmen GASAG als neuer Mieter in das Shell-Haus ein.

Im Juni 2000 verkaufte die Bewag das 15.700 m² große Gesamtgelände mit Shell-Haus und Erweiterungsbauten an die Viterra Gewerbeimmobilien GmbH. Diese ließ die Erweiterungsbauten abreißen und an deren Stelle für rund 300 Mio. DM ein Business- und Kongresshotel der Maritim-Kette mit 500 Zimmern errichten.[3] Im August 2005 öffnete das Maritim Hotel Berlin.

Für die Sanierung des Shell-Hauses erhielt die Bewag im Jahr 2000 den Berliner Denkmalpflegepreis, die Ferdinand-von-Quast-Medaille.[4]

In einem Interview mit der Berliner Morgenpost bezeichnete der Architekt Meinhard von Gerkan das Shell-Haus als das für ihn schönste Bauwerk Berlins.[5]

Im März 2011 endete der Mietvertrag der GASAG. Sie zog in das neu angemietete Hauptgebäude in der Nähe des Hackeschen Marktes am Henriette-Herz-Platz 4.[6]

Weblinks

 Commons: Shell-Haus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Bewag saniert Shell-Haus. Berliner Zeitung, 11. Juli 1997
  2. Bonjour, Shell-Haus. In: Berliner Zeitung, 5. April 2000
  3. Am Shell-Haus entsteht ein Hotel. Berliner Zeitung, 12. März 2001
  4. Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung: Liste der Preisträger der Ferdinand-von-Quast-Medaille
  5. Interview in der Berliner Morgenpost vom 3. Januar 2007
  6. Große Pläne am Hackeschen Markt. In: Der Tagesspiegel, 30. Januar 2008
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