Schulweg

Schulweg
Thailändische Grundschüler auf dem Schulweg

Der Schulweg ist der Weg zwischen Elternhaus und Schule. In der Regel wird er zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurückgelegt, zum anderen werden Kinder auch häufig von ihren Eltern mit dem PKW zur Schule gebracht.

Eine Möglichkeit, den Schulweg in Gruppen von Kindern unter einer Begleitung zu bewältigen ist Pedibus.

Ein Schulweg ist im juristischen Sinn der kürzeste sichere (Fuß-)Weg zwischen der Wohnung des Schülers und der nächstgelegenen Schule oder dem Unterrichtsort. Der Schulweg beginnt an der Haustür des Wohngebäudes und endet am nächstliegenden Eingang des Schulgrundstücks.

Inhaltsverzeichnis

Zunehmende Entfernungen

Sinkende Schülerzahlen und Änderungen in der bildungspolitischen Zielsetzung führen zu Schulschließungen und zur Eröffnung von Schulzentren. Damit werden auch die durchschnittlichen Schulwege länger.

Eine von Forschern der Universität Dortmund 1998 durchgeführte Untersuchung ergab, dass ein Drittel von 690 befragten Kindern verschiedener Altersgruppen ihren Schulweg nicht mehr kannten, weil sie von ihren Eltern mit dem Auto gebracht und abgeholt werden. [1] Der elterliche Transport von Kindern zur Schule und zurück, sowie zu Aktivitäten neben der Schule, wird auch als Elterntaxi bezeichnet. Vielfach bilden Eltern Geh- oder Fahrgemeinschaften miteinander.

Zu den von Schulen initiierte Aktionen zur sicheren Gestaltung des Schulwegs gehört auch die Einrichtung sogenannter Elternhaltestellen, die beispielsweise einige hundert Meter von der Schule entfernt sind. Die Elternhaltestellen sollen ein sicheres Ein- und Aussteigen der Kinder sowie einen sicheren Fußweg von der Elternhaltestelle zum Schuleingang gewährleisten. Gleichzeitig weisen die Schulen meist auch auf die Vorteile eines vom Kind zu Fuß zurückgelegten Schulwegs hin.

Als Aktionstag gegen den Trend, Schulwege im Auto zurückzulegen, wurde der 22. September als internationaler Tag des Schulwegs zu Fuß (walk to school day) benannt.[2]

Unfallgefahren

Margret Hofheinz-Döring zeigt mit diesem Bild Schulweg (1953) Hoffnungen und Besorgnis einer beobachtenden Mutter

Schüler sind auf dem Schulweg besonderen Gefahren im Straßenverkehr ausgesetzt, seltener auch durch Gewalt. Versicherungsrechtlich ist nicht nur der direkte gefahrlose Weg versichert. Verunglückt ein Schüler auf einem „Abstecher“, zahlt die Versicherung nur bei "alterstypischem Verhalten" (Bundessozialgericht: B 2 U 29/06 R). Die Versicherung wird aus kommunalen und staatlichen Mitteln finanziert.

Viele Kinder lernen heute zu spät, Gefahren im Straßenverkehr richtig einzuschätzen und mit ihnen umzugehen. Verkehrsexperten machen dafür vor allem das Unmündigbleiben der Kinder aufgrund übermäßigen Autotransports, ein zu frühes Radfahren und eine vielfach fehlende systematische Verkehrserziehung verantwortlich.[3]

Überdies haben nach der Statistik die Mitfahrunfälle die Fußgängerunfälle mit Kindern bereits überholt.[4] An der Gefährdung der Kinder wird der künstlichen Verdichtung des Kraftverkehrs im Umkreis der Schulen, der sog. Schul-Rushhour, und dem damit erzeugten Vorschulstress bei Eltern und Kindern ein erheblicher Anteil zugeschrieben.[3]

Als Maßnahmen sind ein regelmäßiges Schulwegtraining und gerade im Winter lichtreflektierende Kleidung wichtig. An manchen Kreuzungen und Fußgängerüberwegen findet eine kommunale oder polizeiliche Schulwegsicherung statt (Warnung und Anhaltung von Fahrzeugen). Des Weiteren sind zur Schulwegsicherung auch Verkehrshelfer wie Schülerlotsen tätig.

Hilfestellungen

Kinder im Vorschulalter genießen die vertraute Umgebung und die Nähe ihrer Eltern. Im Grundschulalter aber lösen sie sich Schritt für Schritt vom Elternhaus, trauen sich immer mehr zu und legen neue, schwierige Wege zurück. Um Eltern, Kindern und zuständigen Behörden hier angemessen Hilfestellungen zu geben, hat die Unfallforschung der Versicherer (UDV) ein Medienpaket entwickelt. In diesem werden Empfehlungen für den Schulweg zu Fuß, mit dem Rad, mit dem Bus oder auch mit dem Auto gegeben.[5]

Nach dem Didaktikmodell 'Verkehrserziehung vom Kinde aus' wurden an der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe ein Standardprogramm und mehrere kindgemäße Projektvorschläge entwickelt, die speziell auf die Vorbereitung und das Training des Vorschulkindes und Schulanfängers als selbstständige Verkehrsteilnehmer ausgerichtet sind:[6] Die Kinder sollen grundsätzlich möglichst wenig in Autos gefahren und sich stattdessen aktiv als Fußgänger am Verkehrsleben beteiligen.[7] Das Karlsruher 12-Schritte-Programm will Vorschüler in kurzer Zeit zu ersten sicheren Alleingängen in der unmittelbaren Wohnumgebung befähigen.[8] Das darauf aufbauende Fußgängerdiplom befasst sich mit der Bewältigung des Schulwegs durch den Schulanfänger.[9] Weitere fächerübergreifende Projekte wie das 'Schulwegspiel' sollen Wissen und Können der Kinder vertiefen und festigen.[10]

Kostenzuschüsse

Kostenlose oder ermäßigte Schülertickets für den Schulweg gibt es nur, wenn der Schüler außerhalb eines bestimmten Umkreises um seine Schule wohnt. Die genauen Bestimmungen sind Ländersache, doch die Kultusminister haben sich auf eine gemeinsame Definition festgelegt. So sind Zuschüsse zu gewähren, wenn der Schulweg in der einfachen Entfernung für den Schüler der Primarstufe mehr als 2 km, der Sekundarstufe I mehr als 3,5 km und der Sekundarstufe II mehr als 5 km beträgt oder auch wenn der Schüler oder die Schülerin aus gesundheitlichen Gründen ein Verkehrsmittel benutzen muss.

In Nordrhein-Westfalen gilt das Schülerticket nur für den Schulweg, nicht jedoch für die Freizeit. Die gemeinsame Lösung der Hausaufgaben ist hier also weder versicherungstechnisch noch finanziell abgedeckt.

Siehe auch

Quellen

  1. informationsdienst ruhr: Thema Schule: Viele Kinder kennen ihren Schulweg nicht, 1998
  2. Macht mit! Ohne Elterntaxi zu Fuß zur Schule. Aktionstag am 22.9., Hamburger Abendblatt (abgerufen am 11. Mai 2008)
  3. a b S.A. Warwitz: Kinder im Problemfeld Schul-Rushhour. In: Sache-Wort-Zahl 86(2007)52-60
  4. Statistisches Bundesamt (Hrsg.)(2008): Verkehrsunfälle. Kinderunfälle im Straßenverkehr 2007.
  5. Unfallforschung der Versicherer: Medien zur Schulwegsicherung
  6. S.A. Warwitz: Verkehrserziehung vom Kinde aus. Wahrnehmen–Spielen–Denken–Handeln. 6. Auflage, Schneider, Baltmannsweiler 2009
  7. R. Pfeiffer: Wir GEHEN zur Schule. Wien 2007
  8. G. Schreiber, (2002): Das Karlsruher 12-Schritte-Programm. Ein Trainingsversuch mit Schulanfängern. Wiss. Staatsexamensarbeit GHS. Karlsruhe
  9. P. Wegener: Die Methode ‚Fußgängerdiplom’ als didaktisches Konzept zur Verkehrsertüchtigung des Schulanfängers. Wiss. Staatsexamensarbeit GHS Karlsruhe 2001
  10. S.A. Warwitz: Wir schaffen uns selbst ein Schulwegspiel. Erstklässler in einem fächerübergreifenden Projekt. In: Sache-Wort-Zahl 30(2002)23-27

Weblinks


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