Sant’Agnese in Agone

Sant’Agnese in Agone
Basisdaten
Patrozinium: Hl. Agnes von Rom
Weihetag: 17. Januar 1672
Kardinaldiakon: Lorenzo Antonetti
Anschrift: Piazza Navona
Via S. Maria dell’Anima, 30/A
00186 Roma
Sant’Agnese in Agone an der Piazza Navona

Die Kirche Sant’Agnese in Agone (lat.: Sanctae Agnetis in Agone) ist eine römische Titeldiakonie und Rektoratskirche und befindet sich an der westlichen Längsseite der Piazza Navona in Rom. Sie diente ehemals als Titelkirche, Pfarrkirche und Klosterkirche des Ordens der Minderen Regularkleriker (Caracciolini). Gelegentlich wird sie auch als Sant’Agnese de Agone, Sant’Agnese al Circo Agonale, Sant’Agnese de Cryptis Agonis oder Sant’Agnese in Piazza Navona bezeichnet.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die frühesten Zeugnisse einer christlichen Kultstelle am Standort der heutigen Kirche Sant’Agnese in Agone finden sich im Itinerar von Einsiedeln und belegen diese für das 8. Jahrhundert. Ob gegebenenfalls hier zuvor ein Oratorium bestand, wird angenommen, lässt sich aber nicht nachweisen. Zunächst wurde das Gebäude wohl von Basilianermönchen betreut. Seit 920 waren dann Benediktiner aus der Abtei Farfa hier ansässig. Dem Abt von Farfa wurde im Jahr 1001 per Dekret Kaiser Ottos III. das Gebiet um die heutige Piazza Navona als Besitz übertragen. Zuvor gehörte das Gebiet des ehemaligen Domitianstadions seit Leo IV. (847 bis 855) zu den Besitzungen des Klosters an der Basilika Sankt Paul vor den Mauern.

Unter Papst Kalixt II. wurde das Oratorium in eine kleine Basilika umgebaut und am 27. Januar 1123 geweiht. Zu dieser Zeit wirkten trotz der Zugehörigkeit zur Abtei Farfa bereits Weltpriester an der Kirche. Die unter Kalixt II. erbaute Basilika bestand bis zum Ende des 16. Jahrhunderts nahezu unverändert. Das Hauptportal der Kirche befand sich demnach in der heutigen Via Santa Maria dell’Anima; zudem gab es eine kleinere Pforte zur Piazza Navona, die wohl schon ursprünglich zum Spielfeld des Stadions führte. Die Kirche selbst befand sich unter den Gewölben der ehemaligen Stadiontribünen.

Die Kirche besaß zahlreiche Grabmäler wie beispielsweise das des Paolo Bussa de' Leoni, der der Vater der Hl. Francesca Romana war. Diese wiederum hatte 1384 hier die Taufe empfangen.

Papst Nikolaus V. (1447 bis 1455) übertrug den Besitz der Kirche auf die Klöster Sant’Andrea in Flumine bei Ponzano und San Silvestro auf dem Monte Soratte. Darüber hinaus ist seit 1419 die Verwendung des Bauwerks als Pfarrkirche belegt. Am 6. Juli 1517 wurde die Kirche zudem durch Leo X. zur Titelkirche erhoben und am 15. Mai 1597 unter Clemens VIII. dem Orden der Minderen Regularkleriker, der das ärmliche Bauwerk allmählich umgestaltete, als Klosterkirche übergeben.

Der barocke Neubau

Unter Innozenz X. (1644 bis 1655) beginnt der Neubau der barocken Kirche, die das mittelalterliche Gotteshaus ersetzt. Die Familie Pamphilj, der er angehörte, hatte seit langem ihren Wohnsitz an der Piazza Navona. Von 1644 an wurde der Palazzo Pamphilj erneuert und beträchtlich erweitert, doch erst um 1650 ist die Absicht erkennbar, S. Agnese zum päpstlichen Mausoleum zu machen und in den Palastkomplex zu integrieren. Am 29. Mai 1652 hob Innozenz X. die Pfarrei auf, die Patres der Caracciolini wurden innerhalb von 5 Tagen aus ihrem Klostergebäude an die Kirche San Lorenzo in Lucina umgesiedelt. Am 14. August desselben Jahres ordnete er die Schenkung des Bauplatzes an seinen Neffen Camillo Pamphilj an. Einen Tag später erfolgte die Grundsteinlegung durch dessen fünfjährigen Sohn Giovanni Battista.

Die Fassade der Basilika Sant’Agnese in Agone (1911)

Im Jahr 1652 wurde der Neubau nach einem Entwurf des Hausarchitekten der Pamphilj, Girolamo Rainaldi (1570–1655), begonnen. Geplant war zunächst ein achteckiger, mausoleumsartiger Bau mit Kreuzarmen, einer mächtigen Vorhalle und einer relativ niedrigen Kuppel. Zudem war eine in die Piazza Navona hineinreichende Freitreppe vorgesehen. Der Römische Travertin für das Bauwerk wurde aus Tivoli herbeigeschafft oder vom Forum Romanum genommen, der Carrara-Marmor kam aus Carrara. Zudem ermöglichte die Fassadenverkleidung die Wiederverwendung der Sitzstufen des Stadions. Weiterhin schenkte Innozenz X. am 21. Januar 1653 der Kirche zwölf Säulen aus der Lateranbasilika, die dort nach dem Umbau nicht mehr benötigt wurden. Mit dem Päpstlichen Breve In supremo militantis ecclesiae vom 7. Februar desselben Jahres sicherte er seinem Neffen Camillo bzw. dessen in Primogenitur geborenen Nachfolgern das Kirchenpatronat über die Kirche.

Im Juli 1653 kam das Baugeschehen an der Kirche zum Stillstand nach einem Streit zwischen dem Papst und Camillo Pamphilj, dessen Architekt Carlo Rainaldi (1611–1691), Sohn des Girolamo, inzwischen die Bauleitung übernommen hatte. Gegenstand des Zerwürfnisses war vor allem die geplante Freitreppe, die Camillo gegen den Willen des Papstes erheblich vergrößern wollte. Schließlich wurde Rainaldi die Ausführung entzogen und auch Camillo Pamphilj vom Baugeschehen verwiesen, nachdem es wohl zwischen diesem und seiner am päpstlichen Hofe sehr einflussreichen Mutter Olimpia Maidalchini zu Differenzen gekommen war. Diese wiederum wollte den Weiterbau ihrem Günstling Giovanni Lorenzo Bernini zuschieben, jedoch entschied Innozenz X. zugunsten von Francesco Borromini, unter dessen Leitung die Baumaßnahmen am 7. August 1653 fortgesetzt wurden.

Borromini änderte den ursprünglichen Entwurf, indem er die Vorhalle durch eine konkav eingeschwungene Fassade ersetzte, die Kuppel mit einem Tambour versah und wesentlich erhöhte und das Innere so umgestaltete, dass die acht vorgesehenen Marmorsäulen besser zur Geltung kamen. An der Vollendung der Kirche wurde sogar Sonn- und Feiertags mit so großer Eile und Druck gearbeitet, dass Arbeiter, die ihre Tätigkeit an Festtagen verweigerten, im Auftrag des Papstes durch Sbirren mit Gewalt auf die Baustelle getrieben wurden. Nicht zuletzt aufgrund dieses Baueifers konnte die Kuppelschale bereits im Sommer 1654 vollendet werden.

Im Zuge der Umwidmung zur Privatkirche der Familie Pamphilj hob Innozenz X. am 5. Oktober den Kardinaltitel, den Kardinal Baccio Aldobrandini innehatte, auf und übertrug ihn auf Sant'Agnese fuori le mura.

Nach dem Tod Innozenz X. war zu befürchten, dass der Bau nun durch die einflussreiche Olimpia Maidalchini an Bernini übergeben würde, so dass Borromini sich allmählich vom Baugeschehen zurückzog und dieses erneut stockte. Die Untätigkeit der Bauhütte veranlasste den neuen Papst Alexander VII. dazu, Olimpia Maidalchini zur schnellen Fertigstellung der Kirche zu drängen, da die Piazza Navona mit Travertinblöcken zugestellt war. Diese gab die Bauaufsicht an ihren Sohn Camillo zurück. Auf Camillos Wunsch erweiterte Borromini den Bau um die beiden flankierenden Glockentürme, die zuvor nicht vorgesehen waren. Meinungsverschiedenheiten zwischen Architekt und Auftraggeber über den Fortgang der Arbeiten führten aber bald dazu, daß Borromini die Arbeiten verzögerte. Am 2. Juli 1657 wurde er der Bauleitung enthoben. Carlo Rainaldi brachte den Bau zwischen 1657 und 1672 durch die Vollendung der Türme und der Kuppellaterne zum Abschluss. 1667 nahm Gian Lorenzo Bernini entscheidende Veränderungen an Borrominis Fassadenentwurf vor.

Die Wände des Inneren sind aufwändig mit weißem und rotgeflecktem Marmor (brocatello) verkleidet. Die Altäre sind mit kostbaren Reliefs aus weißem Marmor geschmückt, die vor allem von Domenico Guidi (Hochaltar), Antonio Raggi und Ercole Ferrata stammen. Die Malereien in der Kuppel stellen die Glorie des Paradieses dar. Sie wurden in den Jahren 1670 bis 1689 von Ciro Ferri und Giovanni Battista Gaulli, genannt Baciccia, geschaffen.

Am 17. Januar 1672 wurde die noch nicht ganz vollendete Kirche geweiht.

Die sterblichen Überreste Innozenz' X., der zunächst im Petersdom beigesetzt worden war, wurden 1677 nach Sant'Agnese in Agone überführt und in der Capella di Santa Francesca Romana bestattet. Erst 1729 schuf Giovanni Battista Maini das marmorne Grabdenkmal über dem Hauptportal.

1949 wurde die Kirche aufwändig restauriert und 1998 von Papst Johannes Paul II. zur Titeldiakonie erhoben.

Name und Patronat

Die Kirche ist der Agnes von Rom geweiht, die der Legende nach an dieser Stelle im Stadion des Domitian von ihren Verfolgern nackt zur Schau gestellt werden sollte, woraufhin ihr Körper auf wunderbare Weise von ihren langen Haaren bedeckt und so dem Blick der Schaulustigen entzogen wurde.

Kardinaldiakone

Bisherige Kardinaldiakone von Sant’Agnese in Agone:

Literatur

  • Walter Buchowiecki: „Handbuch der Kirchen Roms. Der römische Sakralbau in Geschichte und Kunst von der altchristlichen Zeit bis zur Gegenwart.“ 1. Bd., Wien 1967, S. 284-296.
  • Gerhard Eimer: „La fabbrica di S. Agnese in Navona: Römische Architekten, Bauherren und Handwerker im Zeitalter des Nepotismus“, 2 Bde., Stockholm 1970/71.
  • Heinz-Joachim Fischer: „Rom. Zweieinhalb Jahrtausende Geschichte, Kunst und Kultur der Ewigen Stadt“, DuMont Buchverlag, Köln 2001, S. 232. ISBN 3-7701-5607-2
  • Anton Henze: „Kunstführer Rom“, Philipp Reclam GmbH, Stuttgart 1994, S. 142-144. ISBN 3-15-010402-5
  • Martin Raspe: „Borromini und Sant'Agnese in Piazza Navona. Von der päpstlichen Grablege zur Residenzkirche der Pamphili“, in: Römisches Jahrbuch der Bibliotheca Hertziana 31, 1996, S. 313-368.

Weblinks

 Commons: Sant'Agnese_in_Agone – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
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