San Pietro in Vincoli


San Pietro in Vincoli
Basisdaten
Patrozinium: Hl. Petrus
Weihetag:
Kardinalpriester: Donald William Kardinal Wuerl
Anschrift:
Via delle Sette Sale

00184 Roma

Fassade der Kirche

Die Basilika San Pietro in Vincoli (lat.: Sancti Petri ad vincula, dt.: St. Peter in den Ketten) liegt am Esquilin-Hügel in der Nähe des Kolosseums in Rom und ist Titelkirche der römisch-katholischen Kirche.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Gesamtansicht des Innenraums

Die Kirche wurde von Licinia Eudoxia, der Frau Kaiser Valentinians III., gestiftet[1] und steht auf Überresten aus dem 2. Jahrhundert. Der Grundstein wurde im Jahr 431 gelegt, acht Jahre später wurde San Pietro durch Papst Sixtus III. geweiht. Im Laufe ihrer Geschichte erlebte die Kirche mehrere Umbauten, zuletzt durch Francesco Fontana im Stil der Renaissance. Dies geschah unter Kardinal Giuliano della Rovere, der 1503 zum Papst Julius II. gewählt wurde. Sie ist die Ordenskirche der Augustiner-Chorherren vom Lateran. Am 8. Mai 2011 wird der neue Titelinhaber, Donald William Kardinal Wuerl seine Kirche in Besitz nehmen[2].

Name

Ketten des Petrus

Namensgebend für die Kirche sind die Ketten (lat./it. vincoli), die in einem Glasbehälter unter dem Altar aufbewahrt werden. Sie werden von den Pilgern als diejenigen verehrt, mit denen Petrus in Jerusalem bis zu seiner wunderbaren Befreiung gefesselt war (Apg 12,6.7 EU), und zugleich als diejenigen, die er im Mamertinischen Kerker in Rom trug. Die Binden, die Petrus wegen der von den Ketten herrührenden Verletzungen erhalten haben soll, soll er an der Stelle des Vorgängerbaues der heutigen Kirche Santi Nereo e Achilleo verloren haben.

Nach der legendarischen Überlieferung erhielt Kaiserin Aelia Eudokia bei einer Wallfahrt ins Heilige Land die Jerusalemer Ketten von Patriarch Juvenal und schenkte sie ihrer Tochter Eudoxia. Diese zeigte sie Papst Leo I., der sie mit den in Rom aufbewahrten mamertinischen Ketten verglich. Dabei fügten sich die beiden Ketten wundersam zusammen, und Eudoxia ließ für sie die Kirche errichten.

Grabmal für Papst Julius II.

Gesamtansicht des Grabes

Bekannt ist die Kirche jedoch vor allem durch Michelangelos Grabmal für Papst Julius II. mit den Statuen der Rachel, der Lea und des Mose.

Vorgesehen waren etwa 40 überlebensgroße Figuren. Den Sockel des Monuments sollten Allegorien der Künste und Wissenschaften sowie Sklaven als Symbole der unterworfenen Provinzen umgeben. Darüber waren ursprünglich vier Sitzfiguren um den Sarkophag vorgesehen. 1506 ließ Julius II. den Plan fallen, und Michelangelo verließ Rom. 1508 kehrte er zurück und begann mit den Deckenfresken der Sixtinischen Kapelle. Als 1513 Papst Julius II. starb, widmete sich Michelangelo erneut dem Grabmal. Es entstanden der Gefesselte Sklave und der Sterbende Sklave sowie der Mose.

Die Mosesstatue gilt als eines der wichtigsten Werke Michelangelos. Sie zeigt Mose, der mit den Gesetztafeln vom Berg Sinai zurückkommt, in dem Moment, als er die Israeliten beim Tanz um das goldene Kalb findet. Die Hörner auf seinem Kopf gehen auf einen Übersetzungsfehler zurück: Im hebräischen Urtext, der keine Vokale kennt, steht das Wort „krn“. Als man später darangeht, den Text mit Vokalen zu versehen, setzt man zwei „e“ ein. Aus "krn" wird „keren“ und das heißt „gehörnt“. Diese Fassung hält sich durch Jahrhunderte und wird so auch in die Vulgata übernommen, aus der Michelangelo sein Wissen bezieht. Durch Vergleich mit anderen Texten erkennt man viel später, dass richtig zwei „a“ ergänzt werden müssen. Das Wort heißt dann „karan“ und bedeutet „glänzend“, und die etwas rätselhafte Bibelstelle bekommt einen anderen, verständlichen Sinn - vgl. [3].

Michelangelos Biograf Giorgio Vasari fasst das zeitgenössische Urteil über den Mose 1568 in der zweiten Ausgabe seiner Biografie so zusammen:

Als Michelangelo den Moses vollendet hatte, gab es kein Werk zu sehen, ob antik oder modern, das daneben bestehen konnte. [4]

Geplant war Mose als Eckfigur auf der Ebene des Sarkophags. Aus dieser Position erklären sich auch die Körperdrehung und die physiognomische Dramatik, die auf Fernwirkung berechnet ist. Aus der Nähe bekommt der Kopf den Furcht erregenden Ausdruck, der sich in der Charakterisierung Michelangelos als Meister der terribilità verfestigt hat, der „Ehrfurcht gebietenden Kraft“. Diese planwidrige Aufstellung beeinflusste auch Goethes Eindruck, der 1830 schrieb:

Diesen Heroen kann ich mir nicht anders als sitzend denken. Wahrscheinlich hat die überkräftige Statue des Michelangelo am Grabe Julius des Zweiten sich meiner Einbildungskraft dergestalt bemächtigt, dass ich nicht davon loskommen kann. [5]

Haltung und Details der Statue haben zu zahlreichen Deutungsversuchen Anlass gegeben. Auch Sigmund Freud, der Begründer der Psychoanalyse, beschäftigte sich intensiv mit der Statue und veröffentlichte 1914 eine anonyme Abhandlung darüber ("Der Moses des Michelangelo"). Der Aufsatz entstand unmittelbar nach dem Konflikt mit seinem „abtrünnigen“ Schüler C. G. Jung. Insofern kann man in dieser Interpretation der Skulptur „ein Moment der Identifizierung Freuds mir der mythischen Figur des Moses“ sehen. [6] Freud beschreibt in seiner Abhandlung über den Moses mehrere Erklärungsansätzen und kommt zu dem Schluss, dass die Dynamik in dem Bildwerk aus Carrara-Marmor sich aus einem Bewegungsablauf ergibt. Moses erhebt sich beim Tanz um das goldene Kalb um seine Stimme und Hand anzuheben, dabei drohen die Gesetzestafel seiner anderen Hand zu entgleiten. In der Bewegung des Erhebens geht die Bewegung wieder zurück zu einer Sitzbewegung, denn Moses versucht - wie jeder Mensch in solch einer Situation - die Tafeln wieder in Griff zu bekommen. Diese Bewegung ist bei Freud im Skizzenform dargestellt. Die Bewegung ist gewissermaßen im Marmor eingefroren.

Cusanus-Grab

Im linken Seitenschiff liegt der deutsche Theologe, Philosoph und Kardinal Nikolaus von Kues (Cusanus) begraben, der als der bedeutendste Philosoph des 15. Jahrhunderts gilt.

Siehe auch

Literatur

  • Heinz-Joachim Fischer, Rom. Zweieinhalb Jahrtausende Geschichte, Kunst und Kultur der Ewigen Stadt, DuMont Buchverlag, Köln 2001, ISBN 3-7701-5607-2, S. 311-313
  • Sigmund Freud: Der Moses des Michelangelo. (1914).
  • Claudio Rendina: Le Chiese di Roma. Newton & Compton, Rom 2007, ISBN 978-88-541-0931-5.
  • Christoph Wetzel: Reclams Buch der Kunst. Stuttgart: Philipp Reclam jun., 2001. ISBN 3-15-010476-9

Quellennachweise

  1. Claudio Rendina: Le Chiese di Roma, S. 312.
  2. Vatican Information Service, VIS 20110503 (40)
  3. Wegener: 6000 Jahre und ein Buch Seite 167f
  4. Wetzel: Reclams Buch der Kunst
  5. Wetzel: Reclams Buch der Kunst
  6. Wetzel: Reclams Buch der Kunst

Weblinks

 Commons: San Pietro in Vincoli – Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien
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