Sakramentalie


Sakramentalie
Die Fußwaschung (Meister des Hausbuches, linker Flügel des Passionsaltars, um 1475

Sakramentalien (neben dem Singular die Sakramentalie ist auch das Sakramentale gebräuchlich) sind nach katholischem Verständnis heilige Zeichen, die in gewisser Nachahmung der Sakramente geistliche Wirkungen bezeichnen und durch die Fürbitte der Kirche erlangt werden (vgl. can. 1166 CIC). Anders als Sakramente wirken sie nicht aus sich heraus. Ihre Wirkung beruht

  • auf dem Weihegebet der Kirche und
  • dem Glauben und Vertrauen des einzelnen Christen, des Spenders und Empfängers

Die Kirche ermutigt die Gläubigen dazu, die Sakramentalien zu schätzen und zu verwenden, da sie ein Tun im Sinne der königlich-priesterlichen Berufung jedes Christen sind, aus dem Glauben und in Einheit mit der Kirche das tägliche Leben zu gestalten.

Die Sakramentalien werden in verschiedene Typen eingeteilt. Zu ihnen gehören Weihungen und Segnungen, Exorzismen, Prozessionen und gottesdienstliche Feiern, wie die liturgische Feier des Stundengebets. Sie umfassen sowohl die Weihe von Personen (etwa Jungfrauenweihe, Abts- bzw. Äbtissinnenweihe) als auch von Gegenständen (etwa Altarweihe) als auch Segnungen, Prozessionen, Kreuzverehrung, Kreuzzeichen, die Spendung des Aschenkreuzes, die Segnung der Palmzweige am Palmsonntag, die Fußwaschung am Gründonnerstag, die Kreuzerhöhung#Kreuzverehrung am Karfreitag und die kirchliche Begräbnisfeier. Somit sind Sakramentalien Wesensvollzüge der Kirche.

Das Benediktionale legt fest, ob eine Sakramentalie nur von Klerikern – bzw. bestimmten Klerikern (Bischöfen bzw. Priestern und Diakonen) – oder auch von Laien gespendet werden darf. Die Segnung der Kinder und der Mahlzeiten sind klassische Beispiele für Sakramentalien, die in der Familie gespendet werden.

Manche Rituale werden ebenfalls zu den Sakramentalien gezählt: die Prostration, das Niederknien, das Kreuzzeichen, die liturgische Verneigung und das Falten der Hände.

Als Sakramentalien werden auch geweihte und gesegnete Gegenstände bezeichnet, die dem Gläubigen Schutz, Segen und Heil verheißen, etwa Weihwasser und diverse Objekte aus der Volksfrömmigkeit nach deren Segnung. Der Übergang zu den Devotionalien ist fließend.


Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Sakramente — Die sieben Sakramente, Rogier van der Weyden um 1448 Als Sakrament bezeichnet man in der christlichen Theologie einen Ritus, wie zum Beispiel die Taufe, der als sichtbares Zeichen beziehungsweise als sichtbare Handlung eine unsichtbare… …   Deutsch Wikipedia

  • Sieben Sakramente — Die sieben Sakramente, Rogier van der Weyden um 1448 Als Sakrament bezeichnet man in der christlichen Theologie einen Ritus, wie zum Beispiel die Taufe, der als sichtbares Zeichen beziehungsweise als sichtbare Handlung eine unsichtbare… …   Deutsch Wikipedia

  • Aschenkreuz — Der Aschermittwoch (lat.: Dies Cinerum) stellt im Christentum der Westkirche den Beginn des 40 tägigen Fastens dar und soll an die 40 Tage erinnern, die Jesus fastend und betend in der Wüste verbrachte (Mt 4,2 EU). Die Fastenzeit umfasst 46… …   Deutsch Wikipedia

  • Asperges me — ist der Name eines gregorianischen Chorals, der zur Austeilung des Weihwassers gesungen wird. Obwohl er auch heute noch im deutschen Gesangbuch (Gotteslob) der römisch katholischen Kirche Kirche zu finden ist, wird er wenig verwendet. Dies liegt… …   Deutsch Wikipedia

  • Bischofsweihe — Ordination (lat. ordo „(geistlicher) Stand“) ist eine gottesdienstliche Handlung in christlichen Kirchen und im Judentum, durch die Menschen (in römisch katholischen, orthodoxen und in vielen Freikirchen nur Männer) zum geistlichen Amt gesegnet,… …   Deutsch Wikipedia

  • Diakonenweihe — Ordination (lat. ordo „(geistlicher) Stand“) ist eine gottesdienstliche Handlung in christlichen Kirchen und im Judentum, durch die Menschen (in römisch katholischen, orthodoxen und in vielen Freikirchen nur Männer) zum geistlichen Amt gesegnet,… …   Deutsch Wikipedia

  • Hauptaltar — Teilrekonstruktion des Pergamonaltars Ein Altar (griechisch βωμός, lateinisch ara, in christlichem Latein altare = Aufsatz auf dem Opfertisch) ist eine Verehrungsstätte für eine oder mehrere Gottheit(en). Das Wort ara wurde früher zumeist von… …   Deutsch Wikipedia

  • Kanzelaltar — Teilrekonstruktion des Pergamonaltars Ein Altar (griechisch βωμός, lateinisch ara, in christlichem Latein altare = Aufsatz auf dem Opfertisch) ist eine Verehrungsstätte für eine oder mehrere Gottheit(en). Das Wort ara wurde früher zumeist von… …   Deutsch Wikipedia

  • Karfreitagsliturgie — Was ist Wahrheit? Gemälde von Nikolai Nikolajewitsch Ge, 1890: Pontius Pilatus und Jesus nach Joh 18,38 Der Karfreitag (althochdeutsch: kara „Klage, Kummer, Trauer“) ist der Freitag vor Ostern. Er folgt auf den …   Deutsch Wikipedia

  • Opfertisch — Teilrekonstruktion des Pergamonaltars Ein Altar (griechisch βωμός, lateinisch ara, in christlichem Latein altare = Aufsatz auf dem Opfertisch) ist eine Verehrungsstätte für eine oder mehrere Gottheit(en). Das Wort ara wurde früher zumeist von… …   Deutsch Wikipedia


Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”

We are using cookies for the best presentation of our site. Continuing to use this site, you agree with this.