Saint-Savin (Vienne)


Saint-Savin (Vienne)
Saint-Savin
Wappen von Saint-Savin
Saint-Savin (Frankreich)
Saint-Savin
Region Poitou-Charentes
Département Vienne
Arrondissement Montmorillon
Kanton Saint-Savin (Chef-lieu)
Koordinaten 46° 34′ N, 0° 52′ O46.5661111111110.8636111111111185Koordinaten: 46° 34′ N, 0° 52′ O
Höhe 85 m (72–142 m)
Fläche 18,80 km²
Einwohner 906 (1. Jan. 2008)
Bevölkerungsdichte 48 Einw./km²
Postleitzahl 86310
INSEE-Code
Website http://www.saint-savin.notremairie.fr/

Brücke über die Gartempe

Saint-Savin, früher Saint-Savin-sur-Gartempe genannt, ist eine französische Gemeinde im Département Vienne in der Region Poitou-Charentes mit 906 Einwohnern (Stand 1. Januar 2008). Die Gemeinde, gleichzeitig auch Chef-lieu des gleichnamigen Kantons, wurde vor allem durch die Abtei Saint-Savin-sur-Gartempe, welche 1983 als UNESCO-Weltkulturerbe ausgezeichnet wurde, bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Etymologie

Savin ist der Name eines Bischofs, der auch Sabinian genannt wird. Er war der erste Bischof von Sens und hat in der zweiten Hälfte des dritten Jahrhunderts gewirkt. Er hat mehrere Kirchen gegründet, so wahrscheinlich auch diese Abtei. Gartempe heißt der kleine Fluss, der direkt am Chor der Abteikirche vorbeifließt.

Geografie

Saint-Savin liegt im Tal der Gartempe, direkt am Ufer des Flusses auf einer mittleren Höhen von 87 m. Ursprünglich an der Grenze der historischen Provinzen Poitou und Berry gelegen, ist Saint-Savin heute dem Département Vienne zugeordnet. Die Entfernung von Paris beträgt etwa 310 km, von Poitiers ca. 45 km.

Geschichte

Erste Spuren zeugen von einer Besiedelung in der gallo-römischen Epoche.[1] 1820 wurde die ehemalige Kommune Mont-Saint-Savin eingemeindet.[2]

Bevölkerungsentwicklung
Jahr 1793 1856 1901 1962 1968 1975 1982 1990 1999 2007
Einwohner 1018 1566 1605 1283 1349 1323 1058 1089 1009 913

Abteikirche

Die Abteikirche

Die romanische Abteikirche, begonnen in der Mitte des 11. Jahrhunderts, beherbergt viele bemerkenswert gut erhaltene Wandmalereien des 11. und 12. Jahrhunderts. Daher wird sie auch als „Sixtinische Kapelle der Romanik“ bezeichnet. Seit 1983 gehört sie zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Der kreuzförmige Grundriss trägt in der Mitte einen quadratischen Turm. Das Transeptum wurde zuerst gebaut, dann der Chor mit seinem Ambulatorium mit fünf Kapellen in der polygonalen Apsis. In der nächsten Bauphase wurden drei Achsen des Schiffs, der Glockenturm und das Portal angefügt, schließlich die verbleibenden sechs Achsen des Schiffs. Der Glockenturm wurde im 14. Jahrhundert durch eine fein gearbeitete, mehr als 80 m hohe Steinspitze ergänzt. Im Hundertjährigen Krieg wurde die Kirche niedergebrannt, im 17. und 19. Jahrhundert wieder aufgebaut. Unter der Kirche befindet sich die Krypta mit den Gräbern der Heiligen Saint-Savin und Saint-Cyprien, verziert mit Fresken vom Leben der Heiligen.

Über diesen Bau gibt es keine dokumentarischen Nachrichten. Die Datierung musste sich ausschließlich auf stilistische Überlegungen stützen. Danach wurde die Abteikirche um 1060 begonnen mit dem Westbau und dem Querhaus, zwischen 1075 und 1095 folgte der Chor und das Langhaus als Hallenbau. 1115 war die Kirche vollendet. Dass es sich bei St-Savin um eine Abteikirche handelt, sieht man vor allem an den wesentlich später erbauten Konventsgebäuden.

Luftaufnahme der Abteikirche Saint-Savin-sur-Gartempe

Die Kirche besitzt noch ihre originale Gewölbemalerei aus der Zeit um 1100. Diese Malereien in den Kircheninnenräumen sind meistens verloren gegangen, weshalb viele Kirchen heute unnatürlich kahl aussehen. Mittelalterliche Kirchen waren aber ursprünglich stark ausgemalt. Die Denkmalpflege tut sich mit der Farbgebung schwer, weil die Vorbilder verloren gegangen sind. Deshalb ist diese Kirche so wichtig.

In Saint-Savin ist in der Gewölbetonne des Mittelschiffes noch ein Beispiel erhalten, wie mittelalterliche Innenräume tatsächlich ausgesehen haben. In allen Büchern über die Kirchenmalerei der damaligen Zeit werden Beispiele aus dieser Abteikirche gezeigt. Auch die Vorhalle und die Krypta sind noch freskiert. Damit handelt es sich um den umfangreichsten und künstlerisch bedeutendsten Zyklus romanischer Fresken in Frankreich - mit einer Gesamtfläche von 413 m². Da es sich bei dem Bau um eine Halle handelt, wird die Gewölbetonne nicht durch Fenster unterbrochen.

Themen der Langhaus-Malerei sind die Genesis und der Exodus, also die ersten beiden Bücher des Pentateuch, der fünf Bücher Moses´. Diese Deckenmalerei muss thematisch im Zusammenhang gesehen werden mit den ursprünglich vorhandenen anderen Partien. Die Bilder aus dem Alten Testament im Langhaus bereiten auf die des Neuen Testamentes im Chor vor. Die apokalyptischen Szenen und das himmlische Jerusalem sind in der Vorhalle dargestellt, in der Krypta das Leben zweier Heiligen. Die ganze Kirche bot also einen historisch zusammenhängenden Bilderroman an ihren Wänden.

Die Kirche ist eine Pseudobasilika. Es ist der früheste erhaltene Bau der poitevinischen Bauschule der gewölbten Hallenkirchen.

In der romanischen Kunst hatte die Wandmalerei eine deutlich didaktische Funktion, sie sollte die Vermittlung der christlichen Botschaften unterstützen. Um die Themen leicht verständlich darzubieten, wurde auf malerische Raffinesse weitgehend verzichtet zugunsten weniger, sich wiederholender Farbtöne. Unterschiedliche Schattierungen kamen dabei nur selten zur Anwendung. Die Konturen sind klar gezogen und heben sich vom einfachen Hintergrund ab, kein überflüssiges Detail stört die Komposition.

Die romanische Wandmalerei versuchte nicht, die Wirklichkeit zu imitieren. Die Natur wird in den Bildern nur schwach angedeutet. Es gibt keine richtige Perspektive, sondern nur die so genannte Bedeutungsperspektive, d. h. die einzelnen Themen werden gemäß ihrer Wichtigkeit größer oder kleiner abgebildet. Eine Säule, ein Turm oder eine Fassade symbolisieren die Stadt, ein Baum ist das Zeichen für üppige Vegetation - das genügte. Die Anatomie des Körpers wird ebenfalls nur mit wenigen Strichen umrissen. Entscheidend dagegen sind Haltung und Gestik der Personen; diese heben sich klar vom einfarbigen Hintergrund ab. Maßgebend ist also die dramatische Handlung.

Ein Teil des Freskenzyklusses ist nicht mehr erhalten. Die übrigen sind in insgesamt vier Streifen angeordnet, zwei auf jeder Gewölbeseite. Um die Entwicklung der Erzählung verfolgen zu können, muss der Betrachter im Schiff auf- und abgehen.

Um die Fresken zu erhalten wurden diese über mehrere Jahre restauriert. Die Restaurierungsarbeiten sind seit Juli 2008 beendet.

Städtepartnerschaft

Saint-Savin unterhält seit 1960 eine Städtepartnerschaft mit der belgischen Stadt Malle in Flandern und seit 1969 mit der deutschen Stadt Heusenstamm in Hessen.

Einzelnachweise

  1. http://www.quid.fr/communes.html?mode=detail&id=33522&req=Saint-Savin Quid.fr
  2. http://cassini.ehess.fr/cassini/fr/html/fiche.php?select_resultat=34596 Webseite von Cassini

Weblinks

 Commons: Saint-Savin (Vienne) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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