Azetidin-2-carbonsäure

Azetidin-2-carbonsäure
Strukturformel
Struktur von Azetidin-2-carbonsäure
(S)-Azetidin-2-carbonsäure (links) und (R)-Azetidin-2-carbonsäure (rechts)
Allgemeines
Name Azetidin-2-carbonsäure
Andere Namen
  • (S)-Azetidincarbonsäure
  • (S)-Azetidin-2-carbonsäure
  • L-Azetidincarbonsäure
  • L-Azetidin-2-carbonsäure
  • (R)-Azetidincarbonsäure
  • (R)-Azetidin-2-carbonsäure
  • D-Azetidincarbonsäure
  • D-Azetidin-2-carbonsäure
Summenformel C4H7NO2
CAS-Nummer 2133-34-8 [(S)-Azetidin-2-carbonsäure]
Kurzbeschreibung

beigefarbener Feststoff[1]

Eigenschaften
Molare Masse 101,10 g·mol−1
Aggregatzustand

fest

Schmelzpunkt

217 °C [2]

Löslichkeit

5% in Wasser [2]

Sicherheitshinweise
EU-Gefahrstoffkennzeichnung [1]
keine Gefahrensymbole
R- und S-Sätze R: keine R-Sätze
S: keine S-Sätze
Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.

Vorlage:Infobox Chemikalie/Summenformelsuche vorhanden

(S)-Azetidin-2-carbonsäure[3] ist eine nicht-kanonische α-Aminosäure aus der Gruppe der Azetidincarbonsäuren, die sich von ihrem Analogon, der proteinogenen Aminosäure (S)-Prolin nur durch Ringverkleinerung um eine Methylengruppe unterscheidet. Sie ist ein toxischer Bestandteil der Rhizome einheimischer Maiglöckchen und wirkt hemmend auf das Pflanzenwachstum.[4] Die Azetidin-2-carbonsäure besitzt ein stereogenes Zentrum, ist also chiral. Es gibt zwei Enantiomere: (S)-Azetidin-2-carbonsäure und (R)-Azetidin-2-carbonsäure. Letztere besitzt nur geringe Bedeutung.

Inhaltsverzeichnis

Natürliches Vorkommen

Neben der Stammsubstanz (S)-Azetidin-2-carbonsäure [Synonym: L-Azetidin-2-carbonsäure] in Maiglöckchen (Convallaria majalis) und Zuckerrüben kommen in der Natur vor allem deren Derivate vor: Mugineinsäure dient als Phytosiderophor und Nicotianamin ist in Soja-Sauce enthalten.

Giftwirkung auf Fressfeinde

Zum Vergleich die natürliche Aminosäure L-Prolin

Falls Fressfeinde (Herbivore) die Maiglöckchen und damit das Gift verzehren, wird (S)-Azetidin-2-carbonsäure anstelle von (S)-Prolin [Synonym: (L-Prolin] bei der Proteinbiosynthese des Fressfeindes eingebaut. Infolgedessen ändert sich die Tertiärstruktur neusynthetisierter Proteine, so dass diese in ihrer biologischen Aktivität untauglich oder gar toxisch wirken.

Das Maiglöckchen selbst kann aufgrund einer hochspezifischen Prolyl-tRNA-Synthetase den unkontrollierten Einbau von (S)-Azetidin-2-carbonsäure [Synonym: L-Azetidin-2-carbonsäure] in arteigene Proteine umgehen.[5]

Synthese und Anwendung

Es sind mehrere Synthesen[6][7] für (S)-Azetidin-2-carbonsäure sowie des Racemates[8] in der Literatur beschrieben. Generell können Azetidine durch Reduktion von β-Lactamen gewonnen werden. Derivate der Azetidincarbonsäure werden als Medikamente (ABT-594 als Nichtopioid-Analgetikum, Melagatran als Thrombin-Inhibitor), als Pflanzenschutzmittel sowie als Katalysatoren eingesetzt.[4] Die Synthese und Verwendung von (S)-Azetidin-2-carbonsäure-Derivaten als Katalysatoren in der enantioselektiven Boranreduktion prochiraler Ketone ist in der Literatur beschrieben.[9]

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. a b Datenblatt Azetidin-2-carbonsäure bei Sigma-Aldrich, abgerufen am 9. März 2010.
  2. a b MSDS von Fisher Scientific.
  3. Francoise Couty und Gwilherm Evano: Azetidine-2-carboxylic acid. From lily of the valley to key pharmaceuticals. A jubilee review, Organic Preparations and Procedures International 38 (2006) 427.
  4. a b Zin Sig Kim: Asymmetrische Synthese von 1,3-Aminoalkoholen und deren Anwendung zur Synthese von Azetidinen und 1-Azabicyclen, TH Aachen, Dissertation, 2006.
  5. D. S. Seigler: Plant secondary metabolism. Verlag Springer, 1998, ISBN 0-412-01981-7 S. 222.
  6. M. Miyoshi, H. Sugano, T. Fujii, T. Ishihara und N. Yoneda: Novel synthesis of optically-active azetidine 2-carboxylic acid, in: Chem. Lett. 1973, 5–6.
  7. S. Hanessian, N. Bernstein R. Y. Yang, R. Maguire: Asymmetric synthesis of L-azetidine-2-carboxylic acid and 3-substituted congeners - Conformationally constrained analogs of phenylalanine, naphthylalanine, and leucine, in: Bioorganic and Medicinal Chemistry Letters 1999, 9, 1437–1442.
  8. Y. Yamada, T. Emori, S. Kinoshit, H. Okada: Synthesis of (±)-Azetidine 2-carboxylic acid and 2.pyrrolidinone derivatives, in: Agricultural and Biological Chemistry 1973, 37, 649–652.
  9. W. Behnen, C. Dauelsberg, S. Wallbaum, J. Martens: Enantioselective Catalytic Borane Reductions of Achiral Ketones: Synthesis and Application of new Catalysts prepared from (S)-tert-Leucine and (S)-Azetidinecarboxylic Acid, in: Synthetic Communication 1992, 22, 2143–2153.

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