Roger Etchegaray

Roger Etchegaray

Roger Marie Élie Kardinal Etchegaray (* 25. September 1922 in Espelette, Frankreich) war Erzbischof von Marseille und ist ein emeritierter Kurienkardinal der römisch-katholischen Kirche. Seit 2005 ist er Subdekan des Kardinalskollegiums.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Roger Etchegaray, gebürtiger Baske, schloss sein Studium der Fächer Philosophie und Katholische Theologie mit der Lizentiatsprüfung in Theologie und einer Promotion in Kanonischem Recht ab. 1947 empfing er das Sakrament der Priesterweihe und wurde als Gemeindeseelsorger in seinem Heimatbistum Bayonne eingesetzt.

Ab 1961 wirkte er in verantwortlicher Position im Sekretariat der Französischen Bischofskonferenz und war an der Einrichtung des Sekretariats für Seelsorgefragen maßgeblich beteiligt. Am 4. August 1962 verlieh ihm Papst Johannes XXIII. den Ehrentitel Hausprälat Seiner Heiligkeit.[1] In den Jahren 1966 bis 1970 übernahm er bei der Französischen Bischofskonferenz die Aufgabe des Generalsekretärs.

1969 ernannte ihn Papst Paul VI. zum Titularbischof von Gemellae in Numidia sowie zum Weihbischof in Paris. Am 27. Mai 1969 empfing er durch François Kardinal Marty die Bischofsweihe; Mitkonsekratoren waren der Erzbischof von Rennes, Paul Kardinal Gouyon, und Kurienbischof Władysław Rubin. Ein Jahr darauf wurde Etchegaray Erzbischof von Marseille. 1975 wurde er als Nachfolger von Kardinal Marty Vorsitzender der Französischen Bischofskonferenz und versah dieses Amt bis 1981.

1979 nahm ihn Papst Johannes Paul II. als Kardinalpriester mit der Titelkirche San Leone I. in das Kardinalskollegium auf, 1984 ernannte er ihn zum Präsidenten des Päpstlichen Rates „Cor Unum“ und des Päpstlichen Rates „Iustitia et Pax“. Die Leitung für „Cor Unum“ hatte Roger Etchegaray bis 1995, für „Iustitia et Pax“ bis 1998 inne. 1994 bestimmte ihn der Papst zum Präsidenten des Zentralkomitees für die Vorbereitung des Heiligen Jahres 2000. 1998 erhob ihn Johannes Paul II. zum Kardinalbischof von Porto-Santa Rufina.

Besondere Verdienste hat sich Kardinal Etchegaray durch seine Vermittlungsversuche in verschiedenen Krisenherden der Welt erworben. Johannes Paul II. machte ihn zum Sondergesandten in Friedensmissionen, z. B. ins belagerte Sarajevo, in das Bürgerkriegsland Mosambik, 2001 ins belagerte Betlehem, um das Tauziehen zwischen Israelis und Palästinensern an der Geburtskirche zu beenden, 2003 in den Irak, um den irakischen Machthaber Saddam Hussein so weit zu bringen, dass er sich dem Willen der Weltgemeinschaft beugt, und so einen Krieg zwischen den Vereinigten Staaten und dem Irak zu verhindern.

Am 30. April 2005 bestätigte ihn Papst Benedikt XVI. als neuen Subdekan des Kardinalskollegiums. Der bisherige Subdekan Angelo Kardinal Sodano war zuvor als Nachfolger des neuen Papstes zum Dekan des Kollegiums gewählt worden.

Als Benedikt XVI. am 24. Dezember 2009 während der Christmette von einer Frau überraschend angesprungen wurde und dabei zu Boden fiel, stürzte auch Etchegaray. Er erlitt einen Oberschenkelhalsbruch und musste operiert werden, wohingegen Benedikt XVI. unverletzt blieb. Nach 3 Wochen in der Gemelli-Klinik konnte er schließlich entlassen werden.

Auszeichnungen

Weblinks

  • Eintrag zu Roger Etchegaray auf catholic-hierarchy.org (englisch)

Einzelnachweise

  1. Annuario Pontificio per l’anno 1964, Città del Vaticano 1964, S. 1151.


Vorgänger Amt Nachfolger
Angelo Kardinal Sodano Kardinalsubdekan
seit 2005
Agostino Kardinal Casaroli Kardinalbischof von Porto-Santa Rufina
seit 1998
Maurice Jacquot Erzbischof von Marseille
1970–1984
Robert Kardinal Coffy
Bernardin Kardinal Gantin Präsident des Päpstlichen Rates „Cor Unum“
1984–1995
Paul Josef Kardinal Cordes
Präsident des Päpstlicher Rat für Gerechtigkeit und Frieden
1984–1998
François-Xavier Kardinal Nguyên Van Thuán



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