Retrospiel


Retrospiel
Retrospiele auf einer Messe (Haus der Computerspiele - Gamescom 2010)

Als Retrospiel werden im Allgemeinen ältere Computer- und Videospiele bezeichnet. Oft wird als die Grenze zu Retrospielen die Zeit des Umbruchs zu der überwiegenden Veröffentlichung von 3D-Spielen zur Mitte der neunziger Jahre gesehen, die durch leistungsfähigere CPUs in PCs und neue Konsolen, insbesondere der PlayStation, eingeläutet wurde. Dem Prinzip Retro folgend verschiebt sich jedoch diese Grenze, häufig werden bereits Spiele bis zum Ende der Neunziger als Retrospiele angesehen.

Ferner hat sich der Begriff Retrospiel auch als Genrebezeichnung etabliert und bezeichnet als solche Computerspiele bis zum Ende der 8-Bit-Ära (ca. 1970 bis ca. 1985), wie etwa Pong oder Frogger, die sich nicht eindeutig in eines der heute üblichen Genres einordnen lassen und daher eben nur als „Retro“ eingestuft werden.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Dieser Trend entstand zum Ende der 1990er Jahre und erfreut sich seit dem immer größerer Beliebtheit, welcher sich auf alte Spiele und Spielekonsolen konzentriert. Es handelt sich hierbei durchaus um eine aktuelle Entwicklung in der Computerspielszene, z.B. existieren inzwischen spezialisierte Publikationen wie das monatlich erscheinende RetroGamer Magazine[1] oder die deutschsprachige Retro[2] und das Return-Magazin.[3]

Reaktionen der Spieleindustrie

Seit den 2000er Jahren hat auch die Spieleindustrie die Zielgruppe der Retrogamer als auch den vorhanden Pool der Retrogames für sich entdeckt. So kommen bemerkenswerterweise immer mehr klassische Spiele auf aktuellen Konsolen in Form von Samplern heraus. Ein Beispiel hierfür ist die Konami Arcade Classics Kompilation für das Nintendo DS oder die SEGA Mega Drive Ultimate Collection für die Xbox 360 bzw. die Playstation 3. Bei diesen Kompilationen werden meistens mehr als 10 oder 20 alter Spiele in einem Paket an den Kunden gebracht. Ein weiterer Absatzmarkt für Retrospiele ist außerdem der Marktplatz der Xbox-Live, auf dem HD-Versionen von Klassikern wie Street Fighter zu erwerben sind, sowie der Wii-Shop-Kanal von Nintendo.

Motivation

Im Allgemeinen kann man zwei Hauptgründe für diesen Trend ausmachen.

Zum Einen sind viele der heute erwachsenen Computerspieler mit den Anfängen der Computerspielentwicklung Ende der 80er und Anfang der 90er aufgewachsen, für die die damaligen Spiele sehr prägend waren. Viele Spielegenres sind heutzutage fast ausgestorben, darunter unter anderem Adventures, Jump'n'Runs, Puzzlespiele und Side-Scroller, weil die Spieleindustrie kein Marktpotential für diese Gattungen sieht. Aus Mangel an aktuellen Alternativen und aus Nostalgie konzentriert man sich wieder auf die alten Klassiker.

Der zweite Grund ist, dass viele Spieler der heutigen Spieleindustrie vorwerfen, rein kommerziell zu handeln und somit jegliche kreative Spielidee zu unterdrücken. Stattdessen veröffentlichen sie nur noch Fortsetzungen, deren einzige Weiterentwicklung in der Grafikqualität aber nicht in kreativen Spielkonzepten liegt.

Ziele

Motive für Retrospiele sind vor allem alte Spieleklassiker zu erhalten und sie einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Darunter ist vor allem das Interesse, dass alte Spiele als Freeware oder als Open Source Software[4][5] veröffentlicht werden, um sie aus der rechtlichen Grauzone Abandonware zu holen und um notwendige technische Anpassungen vornehmen zu können. Ein weiteres Ziel ist es, alte Spiele wieder auf modernen Betriebssystemen und Hardwareplattformen lauffähig zu machen, z.B. durch sogenannte Community-Patches welche diese Mängel zu beheben versuchen. Eine Lauffähigkeit auf aktuellen Plattformen kann auch durch die Entwicklung von alternativen Interpretern (z.B. ScummVM) und Emulatoren (z.B. DOSBox) erzielt werden. Außerdem werden zahlreiche Spiele, die nie für den deutschen Markt lokalisiert wurden, aus dem Japanischen oder Englischen ins Deutsche übersetzt (sogenannte Fan-Übersetzungen) und damit verfügbar gemacht.[6]

Eine weitere Form des Retrogamings ist die Verfügbarmachung als Remakes oder Portierungen (mit dem Quellcode) von alten Spielen für neue Hardware- und Softwareplattformen z.B. portable Geräte oder Handys. Hintergrund hier ist, dass Spiele der 8- oder 16-Bit Ära auf Hardware mit vergleichbarer Rechenleistung und technischen Eckdaten (RAM, Bildschirmauflösung) wie heute Handys entwickelt wurden. Hierdurch ist eine Portierung leicht möglich und das Profil der Spiele entspricht dem für die Zielplattform (z.B. Lesbarkeit trotz geringer Bildschirmauflösung).

Projekte

Interpreter

Emulatoren

Siehe auch

Literatur

  • Sebastian Felzmann: Playing Yesterday - Mediennostalgie und Videospiele. In: Karlsruher Studien zu Technik und Kultur, Band 2: Techniknostalgie und Retrotechnologie, hg. von Andreas Böhn und Kurt Möser, ISBN 978-3-86644-474-4
  • Sebastian Felzmann: Playing Yesterday - Retrogaming and Media Nostalgia (FROG Talk) Vortrag, im Rahmen der 4. Future und Reality of Gaming (FROG) in Wien 2010 gehalten. [5]
  • Konrad Lischka: Spielplatz Computer. Kultur, Geschichte und Ästhetik des Computerspiels, ISBN 3-88229-193-1
  • Mathias Mertens, Tobias O. Meissner: Wir waren Space Invaders. ISBN 3-8218-3920-1

Weblinks

Einzelnachweise

  1. MAGAZINE PROFILE (englisch). Imagine Publishing Ltd. (2011). Abgerufen am 29. Juli 2011. „Retro Gamer is the only gaming magazine in the UK that’s totally dedicated to all aspects of retro gaming. If you’re a fan of Jet Set Willy, or still feel that the Spectrum is the best games machine of all time then this is the magazine for you.
  2. Retro
  3. Return: Magazin für die Generation C64. Software & Support Verlag GmbH (22. September 2009). Abgerufen am 4. September 2011. „Liebhabern gepflegter 8-Bit-Kultur steht ab Oktober ein neues Magazin zur Seite: Return. Das Magazin erscheint vierteljährlich und beschäftigt sich mit allen 8-Bit-Computern und Spielkonsolen, ihrer Vergangenheit und Gegenwart.
  4. Andy Largent (8. Oktober 2003): Homeworld Source Code Released. www.insidemacgames.com. Abgerufen am 10. Januar 2011.
  5. Going Open Source! (englisch). soaos.sourceforge.net (23 June 2003-06-23). Abgerufen am 2. August 2011. „In order to give the Siege game an extended practical life, allow ongoing player support, give the game a chance to be made available on other platforms, and to share our technical learning experience with the game development community, the Board of Directors at Digital Tome LP have agreed to release the Delphi source to the Siege game to the Open Source community under an LGPL license!
  6. John Szczepaniak: Japanese ROM Translation. In: Retro Gamer. 25, 2006-06-01, S. 102-105. [1][2][3][4]

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