Republik Kiribati


Republik Kiribati
Kiribati (kiribat.)

Republic of Kiribati (engl.)
Republik von Kiribati

Flagge Kiribatis
Wappen Kiribatis
Flagge Wappen
Wahlspruch: „te mauri, te raoi ao te tabomoa“, „Gesundheit, Frieden und Prosperität“
Amtssprache Gilbertesisch, Englisch
Hauptstadt South Tarawa
Staatsform Präsidialrepublik
Staatsoberhaupt und Regierungschef Präsident Anote Tong
Fläche 811 km²
Einwohnerzahl 112.850 (2009)
Bevölkerungsdichte 136,1 Einwohner pro km²
BIP nominal (2007)[1] 67 Mio. US$ (181.)
BIP/Einwohner 686 US$ (148.)
Währung Australischer Dollar, Kiribati-Dollar
Unabhängigkeit 12. Juli 1979
Nationalhymne Teirake Kaini Kiribati
Zeitzone UTC +12 +13 +14
Kfz-Kennzeichen KI
Internet-TLD .ki
Telefonvorwahl +686

Kiribati [kiri:ba:s] ist ein Inselstaat im Pazifik. Das Staatsterritorium erstreckt sich über eine Vielzahl von Inseln Mikronesiens und Polynesiens, die über ein weites Gebiet nördlich und südlich des Äquators verstreut liegen.

Nationalfeiertag ist der 12. Juli (Jahrestag der Unabhängigkeit 1979).

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Ausdehnung

Das Territorium hat eine West-Ost-Ausdehnung von ca. 4.835 km (Luftlinie von der westlichsten Insel Banaba bis zur östlichsten Insel im Caroline-Atoll) und eine Nord-Süd-Ausdehnung von ca. 1.973 km (Luftlinie von der nördlichsten Insel Teraina (Washington Island) bis zur südlichsten Insel Flint Island) in einem Meeresgebiet von rund 5,2 Mio. km².

Lage

Das Staatsgebiet liegt - grob gesagt - auf der Hälfte des Weges zwischen Hawaii und Australien in der Mikronesischen Region des Südpazifiks. Zwischen den Gilbert- und Phoenixinseln verläuft der 180. Längengrad und damit, bis Ende des Jahres 1994, die internationale Datumsgrenze. Um innerhalb des gesamten Staatsgebietes ein Datum verwenden zu können, wurde zum 1. Januar 1995 die Datumsgrenze so geändert, dass ganz Kiribati westlich davon liegt. Die östlichste der Line Islands, Caroline Island, heißt seit dem 1. Januar 2001 "Millennium Island", weil auf dieser Insel der erste Sonnenaufgang des Jahres 2001 beobachtet werden konnte.

Inselgruppen

Der Inselstaat besteht aus 32 Atollen, welche in drei Inselgruppen zusammengefasst werden:

ehemalige Gilbertinseln 16 Atolle
282 km²
Phoenixinseln 8 Atolle
27,7 km²
Line Islands 8 von insgesamt 11 Atollen
495 km²

Der Großteil des Landes befindet sich weniger als zwei Meter über dem Meeresspiegel. Eine Ausnahme bildet die Vulkaninsel Banaba, die mit 81 m über NN die höchste Erhebung des Inselstaates ist. Laut einem Bericht der Vereinten Nationen aus dem Jahre 1989 wird Kiribati eines der ersten Länder sein, welche im 21. Jahrhundert in Folge des Klimawandels zum Großteil überflutet würden. Mitte 1999 wurde bekannt gegeben, dass zwei unbewohnte Korallenriffe überflutet wurden.

Übersicht der wichtigsten Inseln und Atolle
Kiritimati
(Christmas Island
Weihnachtsinsel)
375 km² 5.200 Einwohner Kiritimati hat von allen Koralleninseln der Welt die größte Landfläche.
Tabuaeran
(Fanning Island)
33,7 km² ca. 2.500 Einwohner Das Atoll wurde ursprünglich nach seinem US-amerikanischen Entdecker Edmund Fanning benannt.
Teraina
(Washington Island)
14,2 km² 1.150 Einwohner Das Atoll wurde ebenfalls von Fanning entdeckt, der es nach dem US-Präsidenten George Washington benannte.
Banaba
(Ocean Island)
6 km² 301 Einwohner Im Jahr 1900 entdeckte man, dass das gesamte Felsgestein aus versteinertem Vogelkot (Guano) bestand. Banaba war damit neben Nauru die zweite Insel im Westpazifik, auf welcher große Phosphatlager nachgewiesen wurden.
Tarawa 32 km² ca. 50.000 Einwohner Das Atoll war Hauptatoll der ehemaligen britischen Kolonie der Gilbertinseln und ist heute das Hauptatoll der Republik Kiribati mit der Hauptstadt South Tarawa.
Abariringa
(Canton Island)
9 km² 41 Einwohner Der englische Name des Atolls ist darauf zurückzuführen, dass 1854 der Walfänger Canton vor der Insel auf Grund lief.

Bevölkerung

Die Bevölkerung Kiribatis ist ethnisch sehr homogen. Annähernd 99 % sind Mikronesier. Außerdem leben 0,8 % Polynesier und 0,2 % Europäer in Kiribati.

Die Einwohner nennen sich im Singular wie im Plural I-Kiribati. Ebenso wird auch das Adjektiv der Nationalität und der Landessprache bezeichnet.

Ein Großteil der Bevölkerung gehört dem christlichen Glauben an ca. 55,3 % Katholizismus, 35,7 % Protestantismus, 3,1 % Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, 2,2 % Bahai sowie andere.

Geschichte

Besiedelt wurden die Inseln, die später Kiribati bilden sollten, schon vor 2.000–3.000 Jahren von einer einzigen ethnischen Gruppe aus Mikronesiern. Folgende Einfälle von Samoanern, Fidschis und Tonganern fügte polynesische Elemente in die errichtete mikronesische Kultur ein, aber viele Mischehen führten zu einer Bevölkerung, die recht homogen ist in Erscheinung, Sprache und Tradition.

Bereits 1606 entdeckte der spanische Seefahrer Pedro Fernández de Quirós als erster Europäer die Gilbertinseln. Erst ab 1765 wurden die Inseln nach und nach von englischen Seefahrern angesteuert, so 1777 von James Cook und 1788 von Kapitän Thomas Gilbert, nach dem die Inselgruppe um 1820 vom deutsch-baltischen, in russischen Diensten stehenden Admiral Adam von Krusenstern und dem französischen Kapitän Louis Duperrey benannt wurde.

Im 19. Jahrhundert kamen Walfänger, Sklavenhändler und Händler in großer Zahl nach Kiribati. Der resultierende Umbruch schürte lokale Stammeskonflikte und die Europäer schleppten auch für die Einheimischen gefährliche europäische Krankheiten ein.

1837 kamen die ersten ständigen europäischen Siedler und 1857 begann die christliche Missionierung. Dabei wurden die nördlichen Atolle der Gilbert-Gruppe vorwiegend von katholischen Missionaren aus Frankreich, die südlichen von samoanischen Missionaren der stark puritanisch geprägten 'London Missionary Society' missioniert. Noch heute ist ein deutlicher Unterschied in der Lebensauffassung erkennbar: Die Menschen im Norden gelten als lebenslustig und frohsinnig, während im Süden eine strenge Einstellung vorherrscht.

Flagge der Gilbert- und Ellice-Inseln von 1937-1979

Im Bemühen um die Wiederherstellung von Ordnung wurden die Gilbertinseln 1892 zusammen mit den nahen Ellice Islands zum britischen Protektorat Gilbert- und Ellice-Inseln erklärt. Banaba (Ocean Island) wurde 1901 nach der Entdeckung phosphatreicher Guanoablagerungen annektiert. Zusammen mit Fanning und Washington Island, welche bereits 1888 annektiert wurden, wurde sie 1916 zur britischen Kronkolonie. Die meisten der Linie-Inseln, inklusive Kiritimati (Christmas Island), der Phönix-Inseln und selbst Tokelau wurden über die nächsten 20 Jahre sukzessive einverleibt.

1942–43 hielt die japanische Armee einen Teil der Inseln besetzt um mit ihnen einen Teil ihrer Inselverteidigung zu formen. Vom 20. bis 23. November 1943 war das Atoll Tarawa Schauplatz eines der heftigsten Kämpfe zwischen Japanern und US-Amerikanern im Pazifikkrieg. Diese Schlacht war für die Alliierten ein Wendepunkt in diesem Krieg.

In den 1960ern begann Großbritannien dann die Selbstverwaltung der Inseln auszuweiten. 1974 trennten sich die Ellice Islands nach einem Volksentscheid von der Kolonie um 1978 den unabhängigen Staat Tuvalu zu gründen. Die Gilbert-Inseln erlangten 1977 innere Autonomie und wurden, nachdem im Februar 1978 landesweite Wahlen abgehalten wurden, am 12. Juli 1979 eine unabhängige Nation innerhalb des Commonwealth unter dem Namen Kiribati. Der ursprüngliche Name für das Land war allerdings "Tungaru". Er kommt gelegentlich noch in Namen wie "Air Tungaru" (die nationale Fluggesellschaft) oder "Tungaru Central Hospital" vor.

Mit der Unabhängigkeit gaben auch die Vereinigten Staaten 1979 alle Ansprüche auf die dünnbesiedelten Phönix-Inseln auf. Acht der elf Linien-Inseln wurden ebenfalls ein Teil des Kiribati-Territoriums.

1985 schloss sich der Inselstaat der atomwaffenfreien Zone des Südpazifiks an. Nachdem 1995 die französischen Atomtests wiederaufgenommen wurden, suspendierte Kiribati seine diplomatischen Beziehungen zu Frankreich. Im September 1999 wurde der Inselstaat in die UNO aufgenommen.

Politik

Das Parlament Kiribatis (Maneaba ni Maungatabu) wird alle vier Jahre gewählt und besteht aus 46 Mitgliedern (44 gewählte Abgeordnete, ein bestelltes Mitglied von Banaba sowie einem Justizminister von Amts wegen). Die Wahlen in den 23 Ein- und Mehrpersonenwahlkreisen werden nach Mehrheitswahlrecht in zwei Runden durchgeführt: Erzielt in der ersten Runde kein Kandidat eine absolute Mehrheit, treten die drei (bzw. bei zwei/drei zu vergebenden Sitzen vier/fünf) Kandidaten mit den meisten Stimmen in einer Stichwahl gegeneinander an.

Der Staatspräsident ist gleichzeitig Regierungschef sowie Außenminister und wird Beretitenti (die Gilbertesische Umschrift für Präsident) genannt. Er wird ebenso wie die bis zu zehn Minister aus den Reihen der Maneaba ni Maungatabu gewählt. Seit 2003 wird das Land von Anote Tong regiert.

Der Inselstaat ist geprägt von einem System großer lokaler Selbstverwaltung aufgrund der großen Differenzen zwischen den einzelnen Inselgruppen. Einen besonderen Status genießt die Insel Banaba, deren Einwohner unter Minderheitenschutz stehen.

Die politischen Parteien in Kiribati sind auch heute noch stark von einem traditionellen Häuptlingssystem beeinflusst.

Sitzverteilung im Parlament von Kiribati nach den Wahlen 22./30. August 2007
Partei Stimmen % Sitze
Maneaban Te Mauri . 7
Boutokaan Te Koaua . 18
Unabhängige . 19
Bestelltes Mitglied der Insel Banaba 1
Justizminister 1
Gesamt   46
Quelle: IPU

Siehe auch: Liste der Präsidenten von Kiribati

Militär und Polizei

Kiribati verfügt über keine eigene Armee, sondern genießt militärischen Schutz durch Australien und Neuseeland.

Es existiert eine Polizei, die auf jeder der Inseln zumindest einen kleinen Posten unterhält und polizeiliche und paramilitärische Aufgaben wahrnimmt.

Wirtschaft

Kiribati verfügt über nur wenige natürliche Ressourcen. Die kommerziell interessanten Phosphatdepots waren zur Zeit der Erlangung der Unabhängigkeit erschöpft. Zumindest erhält der Staat noch Zinsen aus einem Fonds, den die Engländer bei ihrem Abzug 1979 als Kompensation für den völligen Abbau aller Phosphatvorkommen auf Banaba Island hinterlassen haben. Momentan stellt die Kopraproduktion und der Fischfang sowie der Anbau von Kokosnüssen die wichtigste Einnahmequelle dar.

Die Wirtschaft schwankte in den letzten Jahren stark, und ihre Entwicklung wird beschränkt durch das Fehlen qualifizierter Arbeiter, eine schwache Infrastruktur und die Entfernung von den internationalen Märkten.

Seit 1967 besteht auf Betio, einer Insel im Hauptatoll Tarawa, eine Seemannsschule (Marine Training Center) Diese Schule befindet sich in Staatsbesitz, wird jedoch von einem deutschen Schulleiter geleitet. Die ca. 100 Absolventen werden auf deutschen Handelsschiffen beschäftigt. Circa 910 Kiribatis fahren so zur See und schicken jährlich etwa 8,9 Mio. Australische Dollar an ihre Familien in Kiribati.

Der Tourismus stellt mehr als ein Fünftel des Bruttoinlandsprodukts. Haupthandelspartner sind Australien, Japan, Neuseeland und die USA. Die ausländische Finanzhilfe, größtenteils aus Großbritannien und Japan, stellt eine entscheidende Ergänzung des BIP dar; es entsprach in den vergangenen Jahren etwa 25 % bis 50 % des BIP.

Kultur

Bildungswesen

Ab dem 6. Lebensjahr besteht eine neunjährige Schulpflicht. Die University of the South Pacific unterhält in Bairiki seit 1976 eine Außenstelle für etwa 500 Studenten.

Infrastruktur

Kiribatis Straßennetz hat eine Länge von 670 km. Die Haupthäfen sind Betio auf der Insel Betio sowie Bikenibeu auf der Insel Bonriki (beide sind Inseln des Tarawa-Atolls). Der internationale Flughafen Bonriki befindet sich im Norden der Insel Bonriki.

Das Bairiki National Stadium ist das einzige Sportstadion des Staates und liegt auf der gleichnamigen Insel.

Zukunft

Auf Grund des Klimawandels und des Anstiegs der Meeresspiegel wird Kiribati schätzungsweise 2060 bis 2070 im Meer versunken sein. Präsident Anote Tong sagte, sich auf den Tag vorzubereiten, an dem man kein eigenes Land mehr habe, sei schmerzhaft, aber genau das müsse man tun. Tong bat Neuseeland, mehr Übersiedler aus Kiribati aufzunehmen.

Literatur

  • Macdonald, Barrie: Cinderellas of the Empire: Towards a history of Kiribati and Tuvalu. Suva: Institute of Pacific Studies (University of the South Pacific), 2001. ISBN 982020335X.
  • McQuarrie, Peter: Conflict in Kiribati: A History of the Second World War. Christchurch: Macmillan Brown Centre for Pacific Studies (University of Canterbury), 2000. ISBN 1877175218.
  • Van Trease, Howard (Hrsg.): Atoll Politics: The Republic of Kiribati. Christchurch: Macmillan Brown Centre for Pacific Studies (University of Canterbury) ; Suva: Institute of Pacific Studies (University of the South Pacific), 1993. ISBN 9820200814.

Quellen

  1. International Monetary Fund, World Economic Outlook Database, April 2008.

Weblinks

-3.3666666666667-168.733333333337Koordinaten: 3° S, 169° W


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