Regime


Regime

Das Regime [ʀeˈʒiːm], (Plural: die Regime [ʀeˈʒiːmə] oder die Regimes [ʀeˈʒiːms], von französisch régime [m.] ‚die Herrschaft‘) bezeichnet in der Alltagssprache eine diktatorische Herrschaftsform oder Einzelregierung. Der Begriff wird in diesem Fall abwertend verwendet.
Unterschieden werden muss die Verwendung des Begriffs in der Politikwissenschaft. Hier ist einerseits jegliche Herrschaftsform gemeint, darüber hinaus aber auch jede soziale Institution, die aus Regeln, Prinzipien, Normen und Entscheidungsprozeduren (Verfahren) besteht.

Inhaltsverzeichnis

Regimebegriff in der Alltagssprache

Als Regime bezeichnet man in der Alltagssprache eine diktatorische bzw. oft nicht legitimierte Regierung. Gegenüber seiner ursprünglichen Bedeutung (jegliches Regieren/Herrschen oder Walten) hat der Begriff in der Umgangssprache einen Bedeutungswandel durchlaufen und ist mittlerweile überwiegend negativ konnotiert.

Generell jedoch ist der Begriff "Regime" die Bezeichnung für die Gesamtheit eines politischen Herrschaftssystems. Hierbei gelten Demokratien sowie verschiedene Arten von Nicht-Demokratien als Regimes.

In der Alltagssprache der Wirtschaft bezeichnet Regime – im Gegensatz zur politischen Bedeutung wertneutral – ein wirtschaftliches System, mit dem ein Unternehmen seine untergeordneten Strukturen oder bestimmte Geschäftssysteme organisiert.

Mit Regimekritiker bzw. Regimegegner verleiht man dagegen Aufständischen gegen eine bestimmte (z. B. repressive und undemokratische) Regierung explizit eine Legitimation und hebt sie damit ausdrücklich von Randalierern, Störern, oder gar Terroristen ab.

Regimebegriff in der Politikwissenschaft

Regime als Herrschaftsform

In der Politikwissenschaft wird Regime als eine bestimmte Ausprägung politischer Herrschaft verstanden. Der Regimetyp/das Regime gibt Auskunft über den grundlegenden Charakter der Herrschaftsform, bezeichnet somit „allgemein eine Lebensweise, Ordnungs- und Regierungsform, also ein institutionalisiertes Set von Prinzipien, Normen und Regeln, das die Umgangsweise der Akteure in einem gegebenen Handlungszusammenhang grundlegend regelt“[1]. Der Begriff enthält dabei keine Abwertung, sondern wird wertneutral für alle Herrschaftsformen, auch demokratische, verwendet.

Im Gegensatz zur Alltagssprache sind nicht Regierungssysteme oder gar einzelne Regierungen gemeint:

  • Ein Regierungssystem ist in der Politikwissenschaft nur ein spezieller Unterbestandteil des gesamten Regimes. Zum Beispiel kann das Regierungssystem „parlamentarisch“ oder „präsidentiell“ organisiert sein, beide gehören aber zum Regimetyp „Demokratie“.
  • Der Begriff erfasst zudem nur politische Strukturen, keine bestimmten Regierungsmitglieder oder Staatschefs, wie es alltagssprachliche Wendungen wie „das Hussein-Regime“ implizieren.

Oft werden drei grundlegende Reintypen von Regime unterschieden:

Diese Reintypen können wiederum in Subtypen untergliedert werden. Totalitarismus und Autoritarismus werden zum Teil in die gemeinsame Überkategorie Autokratie geordnet.

Robert O. Keohane entwickelte Ende der 1970er Jahre als Weiterentwicklung der Interdependenztheorie eine sogenannte Regimetheorie.

Regime als spezifische kooperative internationale Institutionen

Regime verstanden als politikfeldspezifische Institutionen, aufbauend auf Normen, Prinzipien, Regeln und Entscheidungsprozeduren – Regime können verstanden werden als ein Regelwerk. Regime sind in diesem Fall keine eigenständigen Akteure, wie z. B. Internationale Organisationen.

Dabei bilden Normen und Prinzipien einen ganz klar umrissenen Problemkern, um den die Regeln angelegt werden. Die Regeln können somit, ohne den Kern anzugreifen, verändert werden.

Regime können zum Beispiel sein:

  • Menschenrechtsregime; Umweltregime; Rüstungskontrollregime
  • internationale Abkommen und Verträge, siehe internationales Regime

Hinweis: Standard-Definition nach Stephen D. Krasner, 1983

Historische Regime

Der Begriff Regime hat sich auch für bestimmte historische Fälle eingebürgert, zum Beispiel:

Einzelnachweise

  1. Zürn, Michael (2002): Regime/Regimeanalyse, in: Nohlen/Schultze (Hrsg.), Lexikon der Politikwissenschaft, Band 2, München/C.H.Beck.

Weblinks

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Synonyme:

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