Raymond Poincare


Raymond Poincare
Raymond Poincaré

Raymond Poincaré (* 20. August 1860 in Bar-le-Duc; † 15. Oktober 1934 in Paris) war ein französischer Politiker. Er war mehrmals Ministerpräsident Frankreichs. Von 18. Februar 1913 bis 17. Februar 1920 war er der Präsident Frankreichs.

Poincaré studierte an der Sorbonne und arbeitete anschließend als Anwalt. Im Jahr 1887 wurde er zum Parlamentsabgeordneten gewählt, in den Jahren von 1890 bis 1892 profilierte er sich vor allem als Wirtschaftsexperte bei den Etatberatungen. Dabei tat er sich besonders durch seine Bemühungen um das Vermitteln zwischen den politischen Lagern hervor.

1893 wurde Poincaré Sprecher des Haushaltsausschusses. Von April bis November des gleichen Jahres war er im Kabinett Charles Dupuy Minister für Bildung, Kunst und Religion. Von Mai 1894 bis Januar 1895 war er Finanzminister und anschließend wieder Unterrichtsminister. In dieser Funktion vertrat er den Staat beim Streit mit der katholischen Kirche um das französische Schulsystem und den Laizismus allgemein. 1895 schied er vorübergehend aus der Politik aus, um nur noch als Anwalt zu arbeiten.

In der Dreyfus-Affäre verhielt Poincaré sich zunächst neutral, um sich nach längerem Zögern schließlich auf die Seite der Dreyfus-Unterstützer zu schlagen, ohne sich der Linken anzunähern.

1911 wurde Poincaré wieder politisch aktiv und setzte auf eine betont nationale Haltung. Vom 14. Januar 1912 bis zum 18. Januar 1913 war er Ministerpräsident, stärkte die Triple Entente und betrieb allgemein eine Aufrüstungspolitik. Im Januar 1913 wurde er, gestützt auf ein Mitte-Rechts-Bündnis, Staatspräsident. In dieser Funktion reiste er gemeinsam mit Ministerpräsident René Viviani während der Julikrise 1914 nach Sankt Petersburg und gab seinen russischen Gastgebern eine „feierliche Bestätigung der Verpflichtungen, die aus dem Bündnis für beide Länder hervorgingen“. Dies stärkte Russland den Rücken, das seitdem keinen Grund mehr sah, von seiner Unterstützung für das von Österreich-Ungarn bedrohte Serbien abzurücken. Eine Woche nach Poincarés Abreise erklärte Zar Nikolaus II. die russische Generalmobilmachung, die die deutsche Kriegserklärung nach sich zog.

Nach dem Kriegsausbruch sprach er sich entschieden für eine Fortführung bis zum Sieg aus und forderte die Union sacrée, das Gegenstück zum deutschen Burgfrieden. Sein schärfster politischer Gegner war Georges Clemenceau, den Poincaré dennoch 1917 zum Ministerpräsidenten berief, um die politische Einheit und damit die Kriegsfähigkeit Frankreichs zu sichern. Bis zum Kriegsende hatte Clemenceau Poincaré als wichtigsten Entscheidungsträger der französischen Politik verdrängt.

Raymond Poincaré war in folgenden Zeitperioden Ministerpräsident des Landes:

Nach dem Ende seiner Amtszeit als Staatspräsident leitete Poincaré die französische Reparationskommission. Dabei verfolgte er eine strikte antideutsche Politik. Poincaré gilt als die treibende Kraft hinter der französischen Besetzung des Ruhrgebiets 1923 bis 1924. Die mit der Besatzung verbundenen Belastungen der Staatskasse führten für ihn zur Niederlage bei den Wahlen 1924. Zudem stellte sich Frankreich mit seiner unnachgiebigen Deutschlandpolitik in Widerspruch zu den übrigen Siegermächten. Die Rückkehr im Jahr 1926 verdankte er einer kurz nach dem Machtverlust erfolgten Finanzkrise. Nach ihm wurde der 1928 eingeführte Franc Poincaré benannt. Im Jahr 1929 trat er aus Krankheitsgründen zurück.

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