Prudentius


Prudentius

Aurelius Prudentius Clemens (* 348; † nach 405) war ein christlich-spätantiker Dichter.

Inhaltsverzeichnis

Leben und Werk

Prudentius wurde in der römischen Provinz Tarraconensis (nördliches Spanien) geboren und starb vermutlich auch dort, sein genaues Todesdatum ist aber unbekannt. Ebenso ist sein Geburtsort ungewiss; es könnte Caesaraugusta (Saragossa), Tarraco (Tarragona) oder Calagurris (Calahorra) gewesen sein.

Prudentius studierte Rhetorik und war ein recht erfolgreicher Anwalt und zweimal Provinzstatthalter, vielleicht in seinem Geburtsland, bis Kaiser Theodosius I. ihn an seinen Hof berief. Dort machte er Karriere als hoher kaiserlicher Beamter in der Kanzlei. Später (vielleicht um 392) zog sich Prudentius vom öffentlichen Leben zurück und wurde ein Asket. Er fastete täglich bis zum Abend und nahm keinerlei tierische Nahrung zu sich. Er besorgte sich selbst eine Ausgabe seiner gesammelten Werke und fügte ein Vorwort hinzu, das er auf 405 datierte. Die Sammlung ist gut überliefert; stellenweise trägt sie Spuren späterer dogmatischer Überarbeitung.

Prudentius ist der bedeutendste christliche Dichter der Antike, seine Werke lassen sich jedoch nur sehr ungenau datieren. Seine Dichtung ist beeinflusst von frühchristlichen Schriftstellern wie Tertullian und Ambrosius von Mailand sowie durch die Bibel und die Märtyrerakten. Er nutzte aber auch seine umfassende Kenntnisse heidnischer Texte und lehnt sich durchaus an heidnische Vorbilder an. Sein Weihnachtshymnus Divinum Mysterium („Corde natus ex parentis“) und der Hymnus für Epiphanias O sola magnarum urbium, beide aus dem Kathemerinon, sind heute noch in Gebrauch. In seinem Werk Contra Symmachum ist der Bezug auf die ambrosianische Romidee greifbar, die den Gedanken von der Größe Roms mit der Erneuerung durch das Christentum aufgreift.

Sein einflussreichstes Werk ist aber die Psychomachia, das erste allegorische Gedicht der lateinischen Literatur; sie war Anregung und Quelle für die mittelalterlichen Allegorien.

Prudentius war im Mittelalter sehr populär und wurde auch im Schulunterricht gelesen. Es sind über 300 Handschriften überliefert, die älteste stammt aus dem 6. Jahrhundert.

Werke

  • Liber Cathemerinon (deutsch: Tageszeitenbuch)
    umfasst 12 in lyrischen Strophen verfasste Gedichte zu verschiedenen Tageszeiten und zu Kirchenfesten
  • Liber Peristephanon (deutsch: Märtyrerpreis)
    enthält 14 in lyrischen Strophen verfasste Gedichte auf spanische und römische Märtyrer
  • Die Apotheosis (deutsch: Vergöttlichung)
    ein hexametrisches Lehrgedicht; attackiert Leugner der Dreifaltigkeit und der Gottheit Jesu
  • Hamartigenia (deutsch: Ursprung der Sünde)
    ein weiteres hexametrisches Lehrgedicht; die Einleitung greift den gnostischen Dualismus Markions und seiner Anhänger an
  • Psychomachia (deutsch: Kampf der Seele)
    beschreibt in knapp 1000 Hexametern den Kampf des personifizierten Glaubens, vereint mit den sieben Kardinaltugenden, gegen die sieben Laster um die menschliche Seele
  • Libri contra Symmachum (deutsch: Bücher gegen Symmachus)
    wenden sich gegen die Bittschrift des heidnischen Senators Quintus Aurelius Symmachus, der Altar der Victoria solle im Senatshaus wieder aufgestellt werden
  • Dittochaeon (deutsch: Die doppelte Speisung)
    umfasst 49 vierzeilige Epigramme zu Bildern aus dem Alten und Neuen Testament

Literatur

  • Willy Evenepoel: Prudentius. In: Theologische Realenzyklopädie. Bd. 27. Berlin-New York 1997, S. 604–607.
  • Klara Pollmann: Prudentius. In: Der Neue Pauly (DNP). Band 10, Metzler, Stuttgart 2001, ISBN 3-476-01480-0, Sp. 488–489.
  • Michael J. Roberts: Poetry and the Cult of the Martyrs. The „Liber Peristephanon“ of Prudentius. University of Michigan Press, Ann Arbor 1993, ISBN 0-472-10449-7.

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