Principality of Sealand

Principality of Sealand
Sealand aus der Luft
Flagge Sealands
Wappen Sealands

Sealand bzw. die Principality of Sealand (deutsch: Fürstentum Sealand) ist eine Mikronation auf der ehemaligen britischen Maunsell-Seefestung HM Fort Roughs, knapp 10 km vor der Küste von Suffolk, England, sowie eine Zwölfmeilenzone im Umkreis, die sie als ihre Hoheitsgewässer beansprucht.

Zur Proklamation als eigenständige Nation kam es am 2. September 1967, unmittelbar nach Besetzung der verlassenen Plattform durch Paddy Roy Bates[1], einen Ex-Major der British Army, der gerade wegen Betriebs eines Piratensenders in Konflikt mit den Behörden geraten war. Seither verteidigt er ununterbrochen mit Hilfe von Angehörigen und Freunden der Familie die Station sowohl juristisch als auch mit Waffengewalt und fordert die Staatengemeinschaft auf, Sealand völkerrechtlich als legitimen und souveränen Staat anzuerkennen.

Trotz einer hohen Bekanntheit, vor allem als häufig gewähltes Fallbeispiel in völkerrechtlichen Diskussionen, wird die Anerkennung international verweigert. Aus Deutschland und den Vereinigten Staaten liegen Gerichtsentscheidungen vor, denen zufolge Sealand nicht die Voraussetzungen für einen Staat erfüllt und daher als Völkerrechtssubjekt nicht existiert. Kritiker verweisen außerdem darauf, dass die Plattform inmitten britischer Hoheitsgewässer liegt, seit diese 1987 auf eine Zwölfmeilenzone ausgedehnt worden sind.

Inhaltsverzeichnis

Lage und Größe

Lage in Europa
Karte von Sealand

Sealand liegt in der Nordsee, knapp 10 km vor der Küste von Suffolk, England.

Im Inneren der beiden hohlen Betonsäulen, auf denen die Stahlplattform ruht, befinden sich je sieben Stockwerke. Aufgeteilt in je acht Räume pro Säule, von unten her zunächst ein ehemaliges Munitionsdepot, darüber eine Kapelle, Lager- und Unterkunftsräume. Im jeweils obersten Stockwerk sind die Generatorräume. Auf der Plattform befinden sich Badezimmer, Küche, weitere Wohnräume und ganz oben ein Hubschrauberlandeplatz.

Bevölkerung/Familie Bates

Die Bevölkerung bestand zunächst aus der Familie Bates und einigen Freunden, insgesamt aber wohl zu keiner Zeit mehr als zehn Personen. Heute befinden sich nur noch ein Wachmann als deren Repräsentant und nach Bedarf ein oder zwei Techniker von HavenCo bzw. Church and East längerfristig auf der Plattform.

Die Familie ist schon vor Jahren, vor allem aus gesundheitlichen Gründen, auf das englische Festland zurückgekehrt. Nach Übertragung der Regierungsverantwortung an seinen Sohn Michael übersiedelte 1999 zuletzt auch Paddy Roy Bates in das Haus der Familie nach Leigh-on-Sea, ein Fischerdorf im District Southend-on-Sea, Essex. Das kleine Reihenhaus wird inzwischen von Michael Bates, seiner Ehefrau und ihren drei Kindern bewohnt.[2] Paddy Roy Bates lebt heute in Spanien.[3]

Geschichte

Vorgeschichte

Die Station Roughs Tower zählt zu den Maunsell-Seefestungen, die das britische Militär im Zweiten Weltkrieg zur Abwehr von See- und Luftangriffen in der Mündung der Themse errichtete. Sie wurde im Spätjahr 1941 im Trockendock auf einem schwimmfähigen Ponton erbaut, ins Meer hinausgeschleppt und ihr Sockel plangemäß am 11. Februar 1942 auf die Sandbank Rough Sands versenkt. Als HM Fort Roughs stand sie anschließend im Dienst der Royal Navy. Nach Kriegsende verlor diese Art von Festungen jedoch ihre Bedeutung, so dass sie in den 1950er Jahren eine nach der anderen aufgegeben wurden. 1956 zog die Besatzung von Roughs Tower vollständig ab und überließ die Station sich selbst.

In den 1960er Jahren betrachteten die Betreiber englischer Piratensender die verwaisten Festungen als ideale Plattform für ihre Stationen. In der Annahme, dort fernab der Strafverfolgungsbehörden das geltende Rundfunk-Monopol der staatlichen BBC umgehen zu können, waren die Forts teilweise sogar hart umkämpft. Paddy Roy Bates konnte 1965 seinen Piratensender Radio Essex auf der Festung Knock John Tower erst einrichten, nachdem er die Betreiber des Konkurrenzsenders Radio City von dort vertrieben hatte. Bald erwies sich Knock John Tower jedoch als nicht abgelegen genug. Kurz vor Weihnachten 1966 wurde der Sender, der sich kurz zuvor in Britain’s Better Music Station (BBMS) umbenannt hatte, abgeschaltet und Bates wegen Verstoßes gegen das britische Rundfunkgesetz angeklagt.

Gründung

Am 2. September 1967 besetzte er mit Hilfe einiger Gefolgsleute die Plattform Roughs Tower. Diese liegt wesentlich weiter vor der Küste als Knock John Tower und befand sich außerhalb der damaligen britischen Hoheitsgewässer – drei nautische Meilen vor der Küste – in internationalen Gewässern. Bates proklamierte sie zum unabhängigen Fürstentum Sealand und ernannte sich selbst und seine Frau, eine ehemalige Miss England, zu uneingeschränkten Herrschern: Fürst Roy und Fürstin Joan von Sealand.

Zuvor hielten Jack Moore und seine Tochter die Station für den irischen Musikmanager Ronan O’Rahilly besetzt, der Roughs Tower für seinen Piratensender Radio Caroline haben wollte. Als er von Bates Übernahme erfuhr, sandte O’Rahilly sogleich ein paar Männer aus, die die Station zurückerobern sollten. Deren Boot wurde aber von Bates und seinen Leuten mit Benzinbomben und angeblich auch mehreren Gewehrschüssen vertrieben.

In Großbritannien war jedoch bereits am 14. August 1967 der Marine Broadcasting Offences Act in Kraft getreten. Damit stand die Ausstrahlung unlizenzierter Rundfunkübertragungen von Schiffen, Flugzeugen oder Marinebasen auch von außerhalb der Hoheitsgewässer unter Strafe. Die meisten Piratensender stellten daraufhin ihren Sendebetrieb ein. Nahezu gleichzeitig startete die staatliche BBC mit BBC Radio 1 einen eigenen Popkanal und erweiterte in den frühen 70er Jahren durch Gründung zahlreicher Lokalstationen ganz erheblich ihr Programm. Damit verlor Roy Bates das Interesse und verzichtete auf die Errichtung des geplanten Senders.

Von 1967 bis 1968 unternahm die Royal Navy mehrere Versuche, die Besetzer von Roughs Tower wieder loszuwerden. Auch hierbei soll der selbsternannte Fürst mehrere Schüsse in Richtung der Landungsboote abgefeuert haben. Daraufhin brach das Militär die Operation ab. Offenbar wollte man nicht das Risiko eingehen, dass dabei Soldaten ums Leben kämen, vor allem auch im Hinblick auf das Bild in der Öffentlichkeit. Stattdessen erhob man wegen der Schüsse Anklage gegen Paddy Roy Bates vor einem englischen Gericht. Das örtliche Gericht in Chelmsford, Essex, erklärte sich jedoch am 25. November 1968 für nicht zuständig, da sich der Vorfall in internationalen Gewässern, also außerhalb des britischen Territoriums, ereignet habe.[4]

In den folgenden 15 Jahren forderten die britischen Behörden die Besetzer von Sealand immer wieder dazu auf, Abgaben, Sozialversicherungsbeiträge, Rundfunkgebühren, etc. zu zahlen. Roy Bates verweigerte dies jedoch regelmäßig und berief sich dabei auf die richterliche Entscheidung, dass Sealand kein Teil des Vereinigten Königreichs sei.

Putsch

1975 nahm der Deutsche Alexander Gottfried Achenbach Kontakt zu Sealand auf. Er hatte den Plan, zusammen mit mehreren niederländischen Freunden die Seefestung in ein Luxushotel mit Spielkasino zu verwandeln. Bald gewann er das Vertrauen von Roy Bates und wurde nicht nur sealändischer Staatsbürger, sondern auch zum Premierminister und Regierungschef auf Lebenszeit ernannt. Im September erließ Fürst Roy dann eine Verfassung für das Fürstentum, in der Sealand unter anderem auch ausdrücklich auf Beschränkungen des Glücksspiels verzichtet.

Als sich Roy und Joan Bates im August 1978 für einige Tage in Salzburg aufhielten, um sich mit geschäftlichen Interessenten zu treffen, übernahm Achenbach mit Hilfe seiner niederländischen Freunde das Kommando auf der Station und hielt kurzzeitig sogar Fürst Roys Sohn Michael in seiner Gewalt. Er erklärte den Fürsten für abgesetzt, weil dieser in Salzburg angeblich Verhandlungen über den Verkauf des Staatsgebietes an ein Wirtschaftskonsortium geführt und damit gegen die Verfassung verstoßen habe.

Bates engagierte daraufhin kurzerhand mehrere gut bewaffnete Männer, eroberte die Festung mit einem Hubschrauber zurück und setzte die Putschisten als Kriegsgefangene auf Roughs Tower fest. Infolgedessen intervenierten Deutschland und die Niederlande bei der britischen Regierung. Sie sollte die sofortige Freilassung der Gefangenen bewirken. Diese verweigerte ihre Unterstützung jedoch mit dem Hinweis, sie sei in internationalen Gewässern nicht zuständig und verwies auf die Gerichtsentscheidung von 1968.

Die niederländischen Kriegsgefangenen ließ der Fürst unter Hinweis auf die Genfer Konventionen schnell wieder frei. Der Anführer Alexander Achenbach sowie der deutsche Anwalt Gernot Pütz besaßen jedoch beide einen Sealand-Pass. Daher wurden sie als sealandische Staatsbürger des Landesverrats für schuldig befunden. Achenbach sollte auf Roughs Tower eine lebenslange Freiheitsstrafe absitzen. Der deutsche Anwalt wurde zur Zahlung von 75.000 DM verurteilt. Die Bundesrepublik Deutschland wusste sich keinen anderen Rat, als einen Konsularbeamten der deutschen Botschaft in London zu Verhandlungen nach Sealand zu schicken. Roy Bates betrachtete die Aufnahme diplomatischen Kontakts als De-facto-Anerkennung Sealands durch die Bundesrepublik und beschloss, Gnade walten zu lassen. Im Hinblick auf den unblutigen Verlauf der Revolte und die mittlerweile auch schon einige Wochen andauernde Gefangenschaft gestattete er den beiden Gefangenen schließlich, nach Deutschland zurückzukehren.

Reaktionen

Alexander Achenbach wirft dem Fürsten auch weiterhin Verfassungsbruch vor und betrachtet ihn seit 1978 als gewaltsamen Besatzer von Sealand. In der Bundesrepublik errichtete er deshalb eine Exilregierung und ernannte den Niederländer A. Oomen als Syndikus zum neuen Staatsoberhaupt.

Kurz nach der Gründung Sealands wurde Sunk Head, ein weiteres Maunsell-Sea-Fort in damals internationalen Gewässern, vom britischen Militär abgerissen. Die noch verbliebenen Forts lagen alle innerhalb der damaligen Drei-Meilen-Zone.

Bei der dritten internationalen Konferenz zum Seerecht (1973–1982) wurden legale Staatsgründungen nach dem Beispiel Sealands für die Zukunft ausgeschlossen. Der nächste benachbarte Staat muss die Verantwortung für künstliche Konstruktionen im Meer übernehmen. Nach der neu verabschiedeten Konvention sind darüber hinaus künftig alle nicht mehr benötigten Konstruktionen unmittelbar nach Außergebrauchstellung zu entfernen.

Im Oktober 1987 dehnte Großbritannien seine Hoheitsgewässer auf eine Zwölfmeilenzone aus. Seitdem befindet sich die Station Roughs Tower doch innerhalb britischer Hoheitsgewässer. Allerdings hat auch Sealand einen Anspruch auf eine Zwölfmeilenzone erhoben und diesen angeblich im Jahre 1990 durch Warnschüsse gegen das britische Hilfsschiff RMAS Golden Eye verteidigt, als sich dieses der Plattform zu weit genähert hatte.

Brand und Renovierung

Sealand, etwa 2 Monate nach dem Brand

Gegen Mittag des 23. Juni 2006 brach ein Feuer auf Sealand aus. Ursache war ein elektrischer Defekt im Generatorraum. Von einem Fischer alarmierte britische Feuerwehreinheiten brachten den Brand jedoch bis kurz nach 15 Uhr unter Kontrolle. Es befand sich lediglich ein Wachmann auf der Station, der durch einen Hubschrauber der Royal Air Force direkt von der Plattform nach Ipswich in ein Krankenhaus überführt werden konnte. Abgesehen von der nur leichten Rauchvergiftung des Wachmannes richtete das Feuer vor allem erheblichen Sachschaden an. Neben den ausgebrannten Bereichen, insbesondere dem Generatorraum, wurde nahezu die gesamte Einrichtung der Aufbauten und der Nordturm durch Rauch oder das eingedrungene Löschwasser beschädigt.

Gleich am darauffolgenden Tag kündigte die Familie Bates den baldigen Beginn von Reparaturarbeiten an und startete eine Spendenaktion auf der Sealand-Homepage. Die Kosten sollten sich nach ersten Schätzungen auf etwa eine Million Dollar belaufen. Nach Aufräumarbeiten durch die Bewohner der Plattform erteilte die Regierung von Sealand dem englischen Bauunternehmen Church and East, Ltd. den Auftrag zum Wiederaufbau ihres Landes. Begleitet von einer Filmcrew der BBC, begannen die Reparaturen bereits am 29. Juni und konnten im November 2006 abgeschlossen werden.

Church and East richtete sich jedoch dauerhaft auf der Station ein. Nach Beseitigung der Brandschäden nahm man eine umfangreiche Renovierung und Modernisierung der Station in Angriff. So wurde ein System aus 3-kW-Windgeneratoren installiert, um Sealand so weit wie möglich durch Windenergie mit Strom zu versorgen.[5] Die erzielten Fortschritte sind durch regelmäßige Berichte und Fotos auf einer eigens dafür eingerichteten Webseite der Baufirma im Internet festgehalten.[6] Im April 2008 traf sich Michael Bates mit der Baufirma auf Sealand, um den Fortschritt offiziell zu inspizieren und einen neuen Vertrag zur langfristigen Zusammenarbeit mit Church and East zu schließen.[7] Bis November 2008 sollte die Station zum Veranstaltungsort für Events und als Touristenattraktion ausgebaut werden.[8], das ist aber bislang nicht geschehen.

Politik

Verfassung

Mit der ersten Verfassung vom September 1975 übertrug Roy Bates die Ausübung der Staatsgewalt sowie das Eigentum am gesamten Land inklusive der (damals noch) Dreimeilenzone an die Sealand-State-Corporation und beauftragte sie mit der Entwicklung des Landes. Die neu geschaffene Körperschaft aus gewählten Senatoren sollte künftig die volle Autorität über Legislative, Exekutive und vor allem alle wirtschaftlichen Aktivitäten Sealands innehaben. Weiterhin wurde Sealand zur Freihandelszone erklärt und ausdrücklich der Verzicht auf Zölle und Beschränkungen des Glücksspiels festgeschrieben. [9]

Im Jahr 1995 führte Fürst Roy eine zweite Verfassung mit Präambel und sieben Artikeln ein, welche die ursprüngliche Verfassung von 1975 ersetzt. Diese soll noch einmal die Unabhängigkeit des Staates bestätigen. Sie schreibt als Staatsform die konstitutionelle Monarchie fest, regelt die Thronfolge durch Erbschaft und verbietet, mit Ausnahmen für den Fürsten und die Sealand-Wachen, Waffen.

Darüber hinaus führte sie legislative und judikative Strukturen ein: Danach besteht die Regierung neben dem Souverän und Staatsoberhaupt aus dem Senat, dem Generalstaatsanwalt, der Sealand-Wache und dem Büro des Staatsoberhauptes. Dieses besteht aus den drei Abteilungen Innere Angelegenheiten, Externe Angelegenheiten sowie Post, Telekommunikation und Technologie. Der Generalstaatsanwalt als Judikative kann angesichts entsprechender Umstände ein Tribunal einberufen. Die letzte Entscheidung verbleibt aber beim Staatsoberhaupt.

Im Übrigen soll auf Sealand das britische Common Law gelten.

Regierung

Zunächst war Paddy Roy Bates (Prince Roy I of Sealand) Staatsoberhaupt und oberste Exekutive. Aus gesundheitlichen Gründen überließ der Fürst jedoch im Jahre 1999 seinem Sohn Michael (Prince Regent Michael of Sealand) per Dekret die Ausübung der Regierungsgewalt auf Sealand pro tempore.

Exilregierung

Auf den Webseiten der selbsternannten Exilregierung werden zurzeit als Regierung von Sealand außer dem Syndikus A. Oomen noch Johannes W. F. Seiger – als Premierminister (Ministerpräsident) und Staatsratsvorsitzender – sowie Josef Baier als Außenminister genannt.

Die „Exilregierung“ und die „Kommissarische Reichsregierung“ von Wolfgang Ebel erkennen sich gegenseitig als Staaten an. Die Bundesrepublik Deutschland wird hingegen mit der Begründung, dass sie völkerrechtswidrig und im Zuge der Wiedervereinigung untergegangen sei, nicht anerkannt.

Wirtschaft

Sealand State Corporation

Durch die ursprüngliche Verfassung von 1975 war sämtliche wirtschaftliche Tätigkeit Sealands zunächst auf die Aktivitäten der Sealand State Corporation beschränkt. Deren Geschäftstätigkeit ist aber ebenso ungeklärt, wie auch ihr Fortbestand nach Einführung der zweiten Verfassung von 1995.

Sealand Trade Corporation

Als Sealand Trade Corporation operiert die Exilregierung unter Johannes W. F. Seiger. Zunächst von Trebbin aus, schloss sie 1991 einen Vertrag mit der Roten Armee über die Verschrottung und Verwertung aller beim Abzug nicht mit zurück geführten Güter und spekulierte mit Grundstücken, deren Besitzverhältnisse noch nicht geklärt waren.[10] 2001 musste die Firma jedoch Insolvenz anmelden und prozessiert seither nur noch um Steuerschulden und nicht gezahlte Sozialversicherungsabgaben für die ehemaligen Angestellten. Seiger bestreitet eine Zahlungspflicht mit Hinweis auf den rechtlichen Status der Sealand Trade Corporation als staatseigene Firma von Sealand. Mitte 2004 übernahm die Exilregierung eine schweizerische Aktiengesellschaft mit Sitz in Zürich und firmierte sie zur Sealand Trade Corporation Schweiz AG um.[11]

HavenCo

Im Jahr 1999 gründete Michael Bates mit dem Unternehmer und Experten für Computersicherheit Ryan Lackey die Firma HavenCo Ltd. Daraufhin wurden Internet-Server auf der Plattform installiert und seit 2000 bietet die Firma Sealand als elektronischen Datenhafen für sicheres Datenhosting an. Aufgrund von Unstimmigkeiten im Unternehmen ist Ryan Lackey aber bereits 2002 wieder aus der Firma ausgetreten und hat Presseberichten zufolge bekannt gegeben, die Firma würde aufgrund technischer Probleme und zu wenig Kunden nicht mehr lange überleben.

Church and East Ltd.

Nach dem Brand im Juni 2006 erteilte die Regierung von Sealand dem englischen Bauunternehmen Church and East Ltd. den Auftrag zum Wiederaufbau ihres Landes. Das Unternehmen betreibt jedoch inzwischen auch eine eigene Geschäftstätigkeit auf Sealand. Ab Mai 2007 sollen Tagestouren und Übernachtungen auf Sealand für Touristen angeboten werden.[12]

Verkaufsangebot

Seit Anfang Januar 2007 wird die Mikronation auf den Internetseiten der spanischen Immobilienfirma Inmobiliaria Naranja angeboten. Als Verhandlungsbasis geben die Immobilienmakler eine Summe von 750 Millionen Euro an.[13] Wie die britische Tageszeitung The Times berichtet, sei das Fürstentum für ein mindestens achtstelliges Gebot abzugeben.[14] Die Zeitung zitiert Prinz Michael von Sealand mit den Worten: „Wir besitzen diese Insel seit nunmehr 40 Jahren und mein Vater ist 85 Jahre alt. Vielleicht ist es Zeit für eine Verjüngung“.[15] Laut Presseerklärung der offiziellen Homepage soll durch Verkauf oder langfristiges Leasing ein ausländischer Investor gefunden werden.[16] Die Baufirma Church and East Ltd. reagierte nach Rücksprache mit dem Ministerium für Inneres umgehend mit einer eigenen Presseerklärung, die klarstellt, dass keine Veränderung der gegenwärtigen rechtlichen Situation geplant sei. Die von HavenCo Ltd. und mittlerweile auch durch Church and East Ltd. auf Sealand ausgeübte Geschäftstätigkeit sei nicht betroffen. Es gehe lediglich darum, die bei Renovierung von Sealand neu geschaffenen Möglichkeiten für noch weitere Unternehmensansiedlungen zu nutzen.[17]

Recht

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Paddy Roy Bates erklärte die in internationalen Gewässern gelegene Seefestung Roughs Tower durch Proklamation der Principality of Sealand vom 2. September 1967 zum souveränen und unabhängigen Staat.

Er behauptet, Großbritannien hätte lange vorher alle Ansprüche aufgegeben. Die Plattform wäre res derelicta und folglich terra nullius, also Niemandsland geworden. Für die Inbesitznahme des von keinem anderen Staat beanspruchten Gebiets, die Gründung einer neuen Nation und für die Legitimation seines Herrschaftsanspruch beruft er sich auf das allgemeine Völkerrecht ius gentium.[18] Mit der Proklamation hält er alle Voraussetzungen einer Anerkennung de jure für erfüllt.

Im Urteil von Chelmsfort und durch den diplomatischen Kontakt über die Freilassung von Alexander Achenbach, hält er Sealand auch de facto durch Großbritannien und die Bundesrepublik Deutschland für anerkannt. Weitere Staaten hätten Sealand dadurch anerkannt, indem sie mehrfach Sealand-Pässe als Reisepapiere akzeptiert, bestempelt oder sogar mit Visa versehen haben.

Völkerrecht

Als Fallbeispiel wurde Sealand vielfach analysiert und wird immer wieder in Staats- und Völkerrechtsvorlesungen diskutiert. Einigkeit besteht darin, dass vor der Frage der Rechtmäßigkeit und Anerkennung der Gründung zunächst geklärt werden muss, ob eine künstliche Plattform mit nur einer Handvoll Bewohnern überhaupt die notwendigen Voraussetzungen und Eigenschaften für einen Staat aufweist. Nach den 1933 im Rahmen der Konvention von Montevideo aufgestellten Kriterien bedarf es dazu eines zumindest in Grundzügen definierten Staatsgebiets, einer dauerhaften Bevölkerung (Staatsvolk), einer eigenen Regierung (Staatsgewalt) und der Möglichkeit, in Beziehungen mit anderen Staaten einzutreten. Vom letzten Punkt abgesehen entspricht die Konvention der in Deutschland seit Georg Jellinek vertretenen Drei-Elemente-Lehre.

Diese Kriterien werden für Sealand unter Staats- und Völkerrechtlern ganz überwiegend verneint. Es existieren aber auch einzelne Gutachten, in denen Sealand als Staat betrachtet und ein Staatsgebiet und Staatsvolk anerkannt wird.[19]

Ob die Anerkennung eines Staates durch andere Staaten konstitutiv oder nur deklaratorisch ist, darüber besteht unter Juristen ebensowenig Einigkeit wie zur Frage, ob die Anerkennung der Existenz genügt oder ein diplomatisch-förmlicher Akt notwendig ist.

Bei der dritten internationalen Konferenz zum Seerecht (1973–1982) wurden legale Staatsgründungen nach dem Beispiel Sealands für die Zukunft ausgeschlossen. Der nächste benachbarte Staat muss die Verantwortung für künstliche Konstruktionen im Meer übernehmen und alle nicht mehr benötigten Konstruktionen unmittelbar nach Außergebrauchstellung entfernen.

Deutschland

1976 wollte Alexander Achenbach feststellen lassen, dass er durch Annahme der Staatsangehörigkeit Sealands die deutsche Staatsangehörigkeit verloren habe. Die zuständige Behörde teilte ihm jedoch mit, dass er weiterhin deutscher Staatsangehöriger sei. Seine Klage vor dem Verwaltungsgericht Köln war erfolglos. Das Gericht stellte in seinem Urteil fest, dass Sealand kein Staat sei, da es weder ein Staatsgebiet noch ein Staatsvolk habe.[20] Das Gericht war der Auffassung, bei der künstlichen Plattform handele es sich nicht um „Landgebiet“. Dazu sei ein Stück „Erdboden“ erforderlich. Da die Plattform nur über Betonpfeiler mit dem Boden verbunden ist, sei sie nicht einmal Teil der Erdoberfläche. Die Mitglieder eines Staatsvolks müssten eine „Schicksalsgemeinschaft“ bilden, mit dem Ziel, alle Bereiche des Lebens gemeinsam zu bewältigen. Die sogenannten Staatsangehörigen von Sealand würden sich jedoch überwiegend außerhalb aufhalten und jeweils eigenen Interessen nachgehen.

Vereinigte Staaten

1990 urteilte ein US Administrative Court, es habe weder zu diesem Zeitpunkt noch vorher jemals eine souveräne Nation mit dem Namen Sealand existiert. Bei der Berufung 1991 hielt ein US Federal Court daran fest.

Großbritannien

Ungeachtet der Gerichtsentscheidung von Chelmsford aus dem Jahr 1968 betrachtet Großbritannien Roughs Tower weiterhin als Eigentum des Verteidigungsministeriums. Die Station wird lediglich zur Zeit nicht genutzt.

Am 1. Oktober 1987 dehnte Großbritannien durch den Territorial Sea Act seine Hoheitsgewässer, in Übereinstimmung mit Artikel 3 des Seerechtübereinkommens der Vereinten Nationen, auf eine Zwölfmeilenzone rund um die Küste aus. Sealand hat jedoch ebenfalls Anspruch auf eine Zwölfmeilenzone erhoben.

Pässe, Post und Währung

Sealand-Pass

Kein anerkannter Staat gesteht Sealand eine Personalhoheit zu. Dennoch haben zeitweilig sowohl die Regierung von Fürst Roy als auch die Exilregierung in Deutschland Sealand-Pässe in großem Stil verkauft, wobei sie sich gegenseitig Passfälschung vorwerfen. Besondere Nachfrage soll es vor allem durch Hongkong-Chinesen vor der Wiedereingliederung in die Volksrepublik China am 1. Juli 1997 gegeben haben. Mehrfach waren Sealand-Pässe auch schon in Kriminalfälle verwickelt, wie etwa beim Mord an dem Modeschöpfer Gianni Versace.[21] Von wenigen Ausnahmen abgesehen – vermutlich ein Versehen einzelner Grenzbeamter – werden diese Papiere jedoch lediglich als Spaßausweise betrachtet. Entsprechendes gilt für alle sonstigen amtlichen Dokumente. Wer versucht, sich mithilfe eines Sealandpasses einen Titel zuzulegen, riskiert, sich in Deutschland nach § 132a StGB (Missbrauch von Titeln, Berufsbezeichnungen und Abzeichen) strafbar zu machen.

Sealand-Dollar

von links: Half Dollar, Silver One Dollar, Quarter Dollar

Die ab 1972 als Sealand Dollar geprägten Münzen sollen im Wert angeblich Parität zum US-Dollar aufweisen. Ohne ein funktionierendes und allgemein zugängliches Wirtschaftssystem auf Sealand handelt es sich allerdings um keine echte Währung. Da sie jedoch einen hohen Anteil an wertvollen Metallen aufweisen, haben sie unter Münzsammlern durchaus einen Wert. In den frühen 1990er Jahren produzierte auch die Exilregierung eine Münze mit dem Konterfei des Premierministers Seiger.

Post

Sealand-Briefmarke

Sealand gibt seit 1969 Briefmarken heraus, die für die Korrespondenz des Regierungsbüros genutzt und auf Sealand gestempelt werden. Von der königlich britischen Post werden die damit frankierten Umschläge offiziell nur als unfrei auf Kosten des Empfängers zugestellt. Es existieren jedoch einige Briefe, deren Sealand-Briefmarke von der britischen Royal Mail noch einmal entwertet und die anschließend normal zugestellt wurden. Auch die belgische Post soll in der Zeit, als Bates einen regelmäßigen Hubschrauber-Service zwischen Sealand und Brüssel unterhielt, einige Briefe anstandslos weiterbefördert haben.

Sport

Der erste offizielle Sportler Sealands war der Kanadier Darren Blackburn, der dem Büro für Innere Angelegenheiten im Januar 2003 spontan anbot, bei Marathonläufen künftig für Sealand zu starten. Daraufhin ernannte man ihn zum Athleta Principalitas. Auch wenn sie eigentlich keine Sealänder sind, treten mittlerweile auch eine kleine dänische Fußballmannschaft, ein Slot-Car-Team, zwei Minigolfer und ein American Football-Spieler bei ihren Wettkämpfen für das Fürstentum an.

Sealand in der Literatur

Sealand kommt in einem Handlungsstrang des Romans Polyplay von Marcus Hammerschmitt in seiner Eigenschaft als Hosting-Plattform für streng geheime und/oder rechtlich bedenkliche Internet-Inhalte vor.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. www.sealandgov.org, History Of Sealand [1]
  2. Meldung bei heute.de 24. Jan. 2007: Ein Prinz verkauft sein Reich [2]
  3. Meldung bei Reuters 9. Jan. 2007 For sale: World’s smallest country with sea view Newsmeldung vom 9. Jan. 2007 [3]
  4. Regina v. Paddy Roy Bates and Michael Roy Bates, The Shire Hall, Chelmsford, 25th October 1968 [4]
  5. Meldung auf der Sealand-Seite von Church and East Ltd.: Green Power Update [5]
  6. Homepage von Church and East Sealand Renovation Updates
  7. Homepage von Church and East A Royal Inspection
  8. Homepage von Church and East Sealand Redevelopement
  9. Facts-Seite der ersten Homepage von Sealand [6]
  10. brand eins 5/2001 Der Herr Premierminister, fern der Heimat [7]
  11. Handelsregister-Eintrag Sealand Trade Corporation Schweiz AG über easymonitoring.ch [8]
  12. Church and East Press Release. Visit Sealand [9]
  13. Anzeige in inmobiliarianaranja.es [10]
  14. „The Times“, Artikel vom 8. Januar 2007: World’s tiniest country seeks new owners to fly the flag (engl.) [11]
  15. Newsmeldung auf gmx.de [12]
  16. Principality Notice PN 033/07 (engl.) [13]
  17. Church and East’s Press Release – 08/01/2007 [14]
  18. offizielle Webseite des Fürstentums, History of Sealand
  19. z. B. Rechtsgutachten v. 1975, Dr. Dr. Dr. Walter Leisner, Professor der Universität Erlangen-Nürnberg, Vorstand des Instituts für Staats- und Verwaltungsrecht in Erlangen
  20. (Urteil vom 3. Mai 1978, Az. 9 K 2565/77; abgedruckt in DVBl. 1978, S. 510 ff.)
  21. Artikel aus der LA Times: [15] (siehe Abschnitt „Puzzling Passports“)

51.8944444444441.48257Koordinaten: 51° 53′ 40″ N, 1° 28′ 57″ O


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