Porete


Porete

Margareta Porete (eigentlich Marguerite Porète oder Porrette oder Poirette: * um 1250/1260 in Hennegau (Hainaut) bei Valenciennes, Nordfrankreich; † 1. Juni 1310 in Paris). Sie war Begine, berühmt hauptsächlich als Autorin der über Jahrhunderte hinweg weitverbreiteten mystischen Schrift Le miroir des simples âmes anéanties, Spiegel der einfachen Seelen.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Über das Leben Margaretas ist wenig bekannt. Aus ihrem Bildungsstand lässt sich erschließen, dass sie der Oberschicht entstammte. Sie hatte sich zu einem unbekannten Zeitpunkt der Beginenbewegung angeschlossen, einer emanzipatorische religiösen Lebensform, die in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts beinahe gleichzeitig an verschiedenen Orten Europas entstanden war. Frauen aus allen gesellschaftlichen Schichten fanden sich in religiösen Gemeinschaften zusammen – frei von Gelübden und kirchenrechtlicher Verbindlichkeit und materiell ungesichert. Die Freiheit der Lebensform brachte es mit sich, dass die Beginen im Lauf der Zeit vom orthodoxen katholischen Klerus beargwöhnt wurden.

Margaretas berühmtes Werk Spiegel der einfachen Seele entstand vor 1296. 1300 wurde es in Valenciennes konfisziert und zur Abschreckung vom Bischof von Cambrai öffentlich verbrannt. 1306 wurde es erneut als häretisch verurteilt. Das Buch fand aber dennoch weitere Verbreitung.

1307 wurde Margareta erneut angeklagt durch den Provinzialinquisitor von Hochlothringen, Philipp von Marigny, dann auch durch den berüchtigten Dominikaner Wilhelm von Paris, der päpstlicher Generalinquisitor und Beichtvater des Königs von Frankreich, Philipps des Schönen, war. Im selben Jahr wurde Margareta, die nicht widerrief, in Paris eingekerkert.

Am 11. April 1310 wurde sie in der Kirche Saint-Mathurin zu Paris von 21 Theologen als Häretikerin verurteilt. Insgesamt fünfzehn Sätze ihrer Schrift, die aus dem Zusammenhang gerissen, häretisch klangen, hatten die Grundlage gebildet für die Verurteilung Margaretas, die sich selbst weigerte, Kommentare abzugeben oder zu widerrufen.

Am 1. Juni 1310, dem Pfingstmontag, fand sie, nachdem sie als rückfällige Ketzerin (relapsa) am 30. Mai den weltlichen Behörden übergeben worden war, auf dem Place de Grève in Paris den Tod auf dem Scheiterhaufen.

Werk

Der Spiegel der einfachen Seelen, die nur im Wunsch und in der Sehnsucht nach Liebe verharren (Mirouer des simples Ames aneanties et qui seulement demourent en Desir et Vouloir d'Amour) wurde in Altfranzösisch verfasst. Es fand nach dem Tod Margaretas weite Verbreitung, wurde ins Lateinische und später in vier weitere Sprachen übersetzt. Lange Zeit war die Autorschaft nicht mehr bekannt, erst 1946 wurde Margareta wieder als Autorin identifiziert.

Die Schrift ist ein Lehrbuch der Liebesmystik, aufgebaut in der Form eines Dialogs, das den Weg der Seele über sieben Stufen zur Vollkommenheit beschreibt. Unter Leitung der göttlichen Liebe gelangt die Seele als Schülerin der Gottheit vom Tal der Demut über die Ebene der Wahrheit auf den Berg der Minne zur vollkommenen Vereinigung mit Gott in der Liebe, die vollkommene Freiheit bedeutet. Insbesondere diese Vorstellung von Freiheit wurde von den Vertretern der Kirche als unmoralisch gedeutet und verurteilt.

Die Rückkehr zu Gott sei das höchste Anliegen der Seele, das durch die Erkenntnis, die Seele sei "Nichts", gestillt werden könne. Die Seele bekomme durch diese Erkenntnis den Zugang zum "Alles", also zu Gott. Die dadurch vernichtete einsame Seele werde zur befreiten Seele und benötige keine Gebote, Sakramente oder Tugenden mehr, denn sie habe "Alles" und handele aus dieser Gewissheit heraus.

Literatur

  • Margareta Porete: Der Spiegel der einfachen Seelen. Wege der Frauenmystik. Aus dem Altfranzösischen übertragen und mit einem Nachwort und Anmerkungen versehen von Louise Gnädinger, Zürich [u.a.] 1987.
  • Gabriele Witt: Beginenhöfe. Die Stiftungen der Johanna und Margareta von Konstantinopel, Gräfinnen von Flandern und Henngau (Regentschaft 1206-1280). Dissertation, Universität der Künste Berlin, Berlin 2005. S. 72

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