Philoktetes


Philoktetes
Bild des Philoktetes von Germain-Jean Drouais, um 1786

Philoktetes (griechisch Φιλοκτήτης, deutsch auch Philoktet) ist in der griechischen Mythologie der Sohn König Poias' von Meliboia in Thessalien und der Demonassa (oder der Methone). Er begleitete als einer der Argonauten Iason auf der Suche nach dem Goldenen Vlies und nahm auf Seiten der Griechen am Trojanischen Krieg teil.

Inhaltsverzeichnis

Mythos

Der Sage nach fiel Philoktet und seinen Waffen eine entscheidende Rolle bei der Eroberung Trojas zu. Bei Homer nur mehrfach kurz erwähnt, entwickelten spätere Dichtungen (Kykliker, Tragiker) die Sage weiter. [1]

In seiner Jugend war er mit dem griechischen Helden Herakles befreundet und sein Waffenträger. Als sich für die Selbstverbrennung des Herakles niemand fand, der den von ihm zu diesem Zweck aufgeschichteten Scheiterhaufen auf dem Berg Oita entzünden wollte, übernahm Philoktetes die Aufgabe. Dafür hinterließ ihm Herakles seinen Bogen und die Giftpfeile, die in die Galle der Hydra getaucht worden waren.

Herkules mit Philoktet am Scheiterhaufen

Als der trojanische Prinz Paris Helena von Sparta geraubt hatte, fuhr Philoktetes als einer der Anführer der griechischen Streitkräfte mit sieben Schiffen gegen Troja. Auf dem Weg wurde er jedoch auf der Insel Chryse bei einer Rast von einer Schlange, wahrscheinlich einer Natter, gebissen[2]. Da die Griechen seine Schmerzensschreie und den Gestank seiner Wunde nicht ertragen konnten, übernahm es Odysseus, ihn mit einer List auf der Insel Lemnos auszusetzen, was ihm den langanhaltenden Groll des Philoktetes zuzog.

Im zehnten Kriegsjahr beschlossen die Griechen, ihn zurückzuholen, da der troische Seher und Sohn des Priamos Helenos prophezeit hatte, dass der Krieg nur mit Hilfe der Pfeile des Herakles zu gewinnen sei. Gleichzeitig erschien dem siechen Philoktetes der tote Herakles und stellte ihm Heilung vor Troja in Aussicht. Odysseus und Achilleus' Sohn Neoptolemos, von den Griechen nach Lemnos entsandt, trafen den schwer kranken Philoktetes auf der Insel an. Dieser hatte sich geschworen, nachdem er ausgesetzt worden war, nie wieder für die Griechen zu kämpfen. Odysseus schickte daher Neoptolemos auf die Insel vor, um Philoktetes zu überreden, ihm den Bogen zu geben. Einer Version zufolge stürzte dieser am Strand, und der Bogen fiel ihm aus den Händen. Neoptolemos hätte Bogen und Pfeile leicht an sich bringen können, half dem Gestürzten aber stattdessen auf und bewog ihn dann doch mit Odysseus' Hilfe, mit nach Troja zu kommen. Als er dort eintraf, wurde er von Machaon (oder Asklepios) geheilt. Zur Versöhnung beschenkten die Griechen Philoktetes reich: mit sieben trojanischen Jungfrauen, zwölf Dreifüßen und zwanzig Rossen. Philoktetes erschoss alsbald Paris mit einem der Pfeile des Herakles.

Er galt als der beste Bogenschütze der Griechen; Homer lässt in der Odyssee den Odysseus von sich selbst sagen, dass er nach Philoktetes wohl der beste Bogenschütze sei.

Philoktet soll nach dem Fall Trojas in seine Heimat zurückgekehrt [3]und nach einem Aufstand gegen ihn nach Italien verschlagen worden sein, wo er mehrere Städte (Petilia in Calabria) gegründet und die Pfeile des Herkules dem Apoll geweiht haben soll. Dann sei er im Krieg gefallen. [4]

Bearbeitungen

Antike

Neuzeit

  • François Fénelon: Les Aventures de Télemaque (1699). – Philoktet widerruft darin seinen Hass gegen Odysseus.
  • André Gide: Philoctète ou Le Traité des trois morales (1899)
  • Bernt von Heiseler: Philoktet. Nach dem Drama des Sophokles. München : Ehrenwirth 1948
  • Heiner Müller: Philoktet; Uraufführung 1968

Literatur

  • Manfred Landfester: Sophokles. In: Manfred Landfester (Hg.): Geschichte der antiken Texte. Autoren- und Werklexikon. Der Neue Pauly. Enzyklopädie des Altertums. Supplemente Bd. 2. Stuttgart. Weimer : Metzler 2007. S.552-556. – Enthält eine Liste sämtlicher Handschriften, Werkausgaben und Übersetzungen.
  • Homer: Ilias. Griechisch und deutsch. Übertragen von Hans Rupé. Mit Urtext, Anhang und Registern. 12., verbesserte Auflage. Düsseldorf. Zürich : Artemis & Winkler 2004.
  • K. Schubert: Philoktet. In: Lexikon der Alten Welt. (LdAW)Düsseldorf. Zürich : Artemis & Winkler 1990. Spalte 2300-2301. (Neuauflage in drei Bänden Düsseldorf. Zürich : Patmos 2001)
  • Jan Stenger: Philoktetes. In: Der Neue Pauly. Enzyklopädie des Altertums. Bd.9. Stuttgart. Weimer : Metzler 2000. Sp.832 f.
  • T. Visser: Untersuchungen zum sophokleischen Philoktet. 1998.
  • A. Schnebele: Die epischen Quellen des sophokleischen Philoktet. 1988.
  • Fiehn: Philoktetes. In: Paulys Realenzyklopädie der Classischen Altermtumswissenschaft. Neue Bearbeitung von Georg Wissowa [RE]. Bd.38. München : Druckenmüller 1938. Sp.2500-2508.
  • Gustav Schwab: Sagen des klassischen Altertums. Vollständige Ausgabe. Leipzig : Insel ohne Jahresangabe (ca. 1935). Teil 2, Buch 5: "Philoktet auf Lemnos" und "Der Tod des Paris"
  • Wilhelm Vollmer: Wörterbuch der Mythologie aller Völker. Neu bearb. von W. Binder. Mit einer Einleitung in die mythologische Wissenschaft von Johannes Minckwitz. 3. Aufl. Stuttgart : Hoffmann 1874. Reprint Holzminden : Reprint-Verlag-Leipzig ohne Jahresangabe (ca.1995). S.378 f.

Weblinks

 Commons: Philoktetes – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen

  1. Die Überlieferung - wie bei den meisten antiken Sagen - uneinheitlich und in zahlreichen, teilweise einander widersprechenden Versionen überliefert; am ausführlichsten informiert immer noch Fiehn in RE 38 (1938), Sp.2500-2509.
  2. Nach einer anderen Version war es der Verrat von Herkules' Grab, das der Halbgott durch eine Fußvergiftung rächte; Vollmer S.378
  3. Homerische Oden 3, 190; Stenger Sp.833
  4. Vollmer S.379; ebenso Stenger Sp.833
  5. Hamartia im Philoktet? (mit Bibliographie)

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