Pfarrkirche Bellwald

Pfarrkirche Bellwald

Die Pfarrkirche von Bellwald besitzt als Patrozinium die Sieben Freuden Mariens und wurde ab 1698 erbaut. Die Kirche bildet zusammen mit dem zwischen 1733 und 1734 erbauten Beinhaus und dem Friedhof ein markante Baugruppe. Die Kirche selber ist als Denkmal der mittleren Schutzstufe (B-Objekt) eingestuft und somit denkmalgeschützt.[1]

Pfarrkirche Bellwald

Inhaltsverzeichnis

Baugeschichte

In den Visitationsakten von 1687 wird eine Kapelle in Bellwald zu Ehren Jesus, Maria und Joseph aufgeführt. Im Jahr 1697 wurde vom Bischof die Stiftungsurkunde zum Bau eines neuen Gotteshauses unterschrieben. Zu diesem Zeitpunkt war der Standort noch nicht bestimmt; neben dem heutigen Standort war auch der "im Lärch" zwischen Ried und Bodmen im Gespräch. Der Baubeginn war 1698, wie es in den Michel-Chronik von Ernen vermerkt ist; auch das Datum in der Portalstirn ist dasselbe. Die Kirche wurde vom Bischof Franz Joseph Supersaxon am 10. September 1704 geweiht. Die Holzdecke wurde erst 1717 bemalt, und zwischen 1717 und 1735 wurde eine Orgelempore eingebaut. 1801 wurde der Glockenturm umgebaut, worauf die Jahreszahl auf dem nördlichen Zifferblatt hinweist. Zwischen 1830 und 1833 wurde eine Gipstonne im Schiff eingezogen, die 1976 wieder entfernt wurde, und das Schindeldach durch Joseph Steffen ersetzt. Der Turm wurde anlässlich eines Unglücks (Erdbeben?) 1855 so stark beschädigt, dass er bis 1858 repariert werden musste. Darauf weisen die Blechziffern an der Nordflanke des Turmhelmes hin. Zwischen 1881 und 1890 folgten umfangreiche Renovationsarbeiten, unter anderem wurde der Steinplattenfussboden durch einen Betonboden ersetzt. Auch wurden Malereien ausgeführt und die Stühle ersetzt. Das Turmkreuz wurde 1869/70, 1931 und 1976 ersetzt. Die gusseiserne Kommunionsbank wurde 1872/73 angeschafft. Durch Anton Imhof aus Lax wurde die Kirche im Frühling 1920 historisch ausgemalt. 1930 mussten in der Sakristei Reparaturen ausgeführt werden. Im Jahr 1936 ersetzte man die Portaltüre von 1879/80. Im Jahr 1938 wurden das Brusttäferung und das Kirchengestühl ersetzt. Zwischen 1975 und 1977 wurde eine Gesamtrestaurierung durchgeführt. Der ausführende Architekt war Amédée Cachin, wobei ihm Prof. Dr. A. Schmied als Experte der Eidgenössische Kommission für Denkmalpflege zur Seite stand.

Bauwerk

Kirche, Beinhaus und Friedhof mit dem Grossen Wannenhorn

Das Bauwerk steht am südlichen Rand des alten Dorfkerns von Bellwald und bildet zusammen mit dem Beinhaus und dem Friedhof eine markante Baugruppe.

Äusseres

Die Hauptachse des Bauwerkes zeigt vom Portaleingang zum Schiff in Nordöstliche Richtung. An das rechteckige Schiff schliesst der seitlich ein wenig eingezogene, rechteckige Chor an. Über die gesamte Kirche wölbt sich durchgängig ein Satteldach, das über dem Chor mit einem Knüppelwalm abschliesst. Das Dach der Sakristei, die sich in der östlichen (rechten) Achsel von Schiff und Chor, ist mit einem Zeltdach gedeckt, das sich nahtlos an das Hauptdach anschliesst. In der nordlichen (linken) Achsel von Schiff und Chor, befindet sich der quadratische Turm. Dieser besitzt ein auskragendes Glockengeschoss mit einem profilierten Sims. Der Turm ist mit einem konkav geschweiften Helm gedeckt. Dieser Helm ist in der Basis viereckig, führt über ein Oktagon in die Kegelrohrspitze.

Das Portal ist aus Giltstein und einfach gehalten und besitzt profilierte Kämpfer. Über dem Scheitel befindet sich eine leere Rundbogennische. In der südwestlichen (rechten) Schiffswand befinden drei rundbogige Hochfenster. Zwischen dem südlichsten Fenster und der Portalwand befindet sich eine ausserordentliche astronomische Sonnenuhr, die 1977 restauriert wurde. In der nordöstlichen (linken) Schiffswand befinden sich zwei rundbogige Hochfenster. Zwischen diesen in der Mitte befand sich eine stichbogige Seitentüre, die vermauert wurde. Der Chor besitzt auf beiden Längsseiten ein rundbogiges Hochfenster. Mitten in der Stirnseite des Chores befindet sich ein Okolus, neben dem sich auf jeder Seite eine Lünnette befindet.

Inneres

Die beiden weiten Räume werden nur wenig durch den Triumphbogen getrennt. Das frieslose Profilgebälk umzieht sowohl den Chor wie das Schiff und ist mit einem Zahnschnitt versehen. An der Kirchenrückwand wurde das Profil anlässlich des Baus der Orgelempore entfernt. Seit der Renovierung 1977 wird das Schiff wieder von einer fünfachsigen Polygonaldecke aus Holz überdeckt. Der Chor wird von einem Stichkappenpaar überdeckt, das in ein siebenteiliges Fächergewölbe übergeht. Diese Stützbögen werden durch trompetenartige unterteilte Stützkappen auf die Wände des Rechteckchores abgeleitet, wobei sie wie Arkaden auf dem Gesims stehen. Im Chorscheitel befindet sich ein plastisches, geschupptes Medaillon.

Hochaltar

Der Hochaltar ist den Sieben Freuden Mariens geweiht und wird dem Sigristen-Bodmer-Kreis zugeschrieben. Allerdings passen die Seitenstatuen nicht so recht in diese Bauform . Der einachsige Altar mit Haupt- und Obergeschoss ist mit viel Rankenwerk ausgeschmückt. Anlässlich der Kirchweihe 1704 wurden auch ein Hauptaltar und zwei Seitenaltäre geweiht. Die gefundenen Jahreszahlen und Dokumente lassen darauf schliessen, dass der Altar in Etappen entstanden ist. So fand man 1976 am Altarfuss die gemalte Jahreszahl 1717 mit der Bemerkung; Fassung durch Johann Franz Abegg [2].

Rechter Seitenaltar

Der rechte Seitenaltar wurde 1704 dem Josef geweiht. Er wurde mehrfach umgebaut und deshalb 1977/78 durch den Altar aus der Kapelle von Richene ersetzt.

Linker Seitenaltar

Der linke Altar war anfänglich der Liebfrau geweiht, wurde aber in der zweiten Hälfte 19. Jahrhunderts dem Herz Jesu geweiht. Der Altar war 1977 in einem so schlechten Zustand, dass er durch das Retabel aus der Anna-Kapelle ersetzt werden musste.

Kanzel

Die barocke Kanzel wurde im letzten Viertel des 18. Jahrhundert von Joseph Anton Langer aus Rekingen erbaut.

Literatur

  • Walter Ruppen: Kunstdenkmäler der Schweiz Band 67 "Die Kunstdenkmäler des Kanton Wallis Band 2 Untergoms". Birkhäuser Verlag, Basel 1979, ISBN 3-7643-1080-4, S. 293-301

Weblinks

 Commons: Pfarrkirche Bellwald – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. PDF KGS-Inventar
  2. Wortwörtlich; Johann Frantz Abegg gebürdig von Schweytz hat den Chor Altar sambt dem gewelb umb 42 dublen gemahlet Ao 1717
46.4235833333338.1600555555555

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