Pars pro toto


Pars pro toto

Pars pro toto (lateinisch) bedeutet übersetzt: Ein Teil [steht] für das Ganze. Das Prinzip des Pars pro toto kann als sprachliches Phänomen eine rhetorische Figur bezeichnen, aber auch praktisch als gesellschaftliche oder psychologische Handlungsweise und insbesondere als Form des Fetischismus verstanden werden.

Inhaltsverzeichnis

Rhetorische Wortfigur

Als Wortfigur gehört das Pars pro toto der Gruppe der Tropen an und bezeichnet sowohl eine spezielle Form der Metonymie (Namensvertauschung, Umbenennung) als auch der Synekdoche (Bedeutungsverschiebung). Das Gegenstück des Pars pro toto ist der Fall des Totum pro parte („das Ganze beschreibt einen Teil“).

Beispiele aus der Umgangssprache:

In der Philosophie spricht man auch von einem „Pars-pro-toto-Fehlschluss“ (siehe Ergon-Argument).

Psychologische Eigenschaft der visuellen Wahrnehmung

Da in der visuellen Wahrnehmung das Gesichtsfeld nicht zeilenweise abgetastet wird, sondern heuristisch punktuell, lernt der geübte Betrachter, welche Teile einer Wahrnehmung er besonders fixieren muss, um das Ganze zu erkennen. Ein guter Leser muss beispielsweise nicht sämtliche Buchstaben eines Wortes anschauen, um es lesen zu können.

Pars pro toto bedeutet hier, dass die Wahrnehmung der entscheidenden Teile eines Objekts zu seiner Identifikation genügt.[1]

Dies erklärt auch, weshalb mit zunehmender Vertrautheit mit einer Gruppe von Objekten die Wahrnehmung schneller wird.

Soziales Phänomen

Bei einem Pars-pro-toto-Opfer, für dessen Einführung nach dem Alten Testament Abraham steht, wird ein Teil des Körpers (zum Beispiel bei der rituellen Beschneidung) in symbolischer Vertretung für den ganzen Menschen geopfert. In Magie und Okkultismus werden ebenfalls gerne Pars-pro-toto-Relationen verwendet, um Menschen zu beeinflussen.

Bei Karl Marx bildet das Pars pro toto ein Prinzip des Warenfetischismus: Der Prozess menschlicher Arbeit wird im Warenfetischismus durch sein isoliertes Resultat, die auf dem Markt in Erscheinung tretende Ware, ersetzt und dadurch verschleiert. Die sozialen Prozesse und Verhältnisse, die mit ihrer Herstellung verknüpft waren, sieht man der fertigen Ware nicht mehr an.

Das Prinzip des Pars pro toto lässt sich auch auf den sexuellen Fetischismus übertragen, wie er in der Psychoanalyse verstanden wird. So ersetzt beim sexuellen Fetischismus ein Fetischobjekt, etwa ein Frauenstrumpf, als isolierter Teil eines Sexualobjekts die Präsenz eines ganzen Menschen und wird an dessen Stelle begehrt.

Archäologie

In der Archäologie versteht man unter der „Pars-pro-toto-Sitte“ eine Beigabensitte bei Bestattungen, bei der Teile eines größeren Gegenstandes statt des gesamten Gegenstandes symbolisch in die Gräber gelegt wurden. Ein kleiner – meist materiell wenig aufwendiger – Teil des Ganzen steht so für die Beigabe des ganzen – wertvollen – Gegenstandes, etwa ein Achsnagel für einen ganzen Wagen, ein Schwertgürtel für das gesamte Schwert, eine Trense für ein Pferd usw. Durch diese symbolische Beigabe „pars pro toto“ konnte verhindert werden, dass materiell wertvoller Besitz dem weiteren Gebrauch durch die Nachkommen entzogen und so deren Wirtschaftskraft geschwächt wurde.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Hans-Werner Hunziker, (2006) Im Auge des Lesers: foveale und periphere Wahrnehmung - vom Buchstabieren zur Lesefreude, Transmedia Stäubli Verlag Zürich 2006 ISBN 978-3-7266-0068-6

Weblinks

Wiktionary Wiktionary: Pars pro Toto – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

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  • Pars pro toto — is Latin for (taking) a part for the whole where a portion of an object or concept represents the entire object or context. See also synecdoche.When used in a context of language it means that something is named after a part of it, or after a… …   Wikipedia

  • Pars pro Toto — Pars pro To|to das; <aus lat. pars pro toto »ein Teil für das Ganze«> Redefigur, die einen Teilbegriff an die Stelle eines Gesamtbegriffs setzt (z. B. unter einem Dach = in einem Haus; Sprachw.) …   Das große Fremdwörterbuch

  • pars pro toto — лат. (парс про тото) часть вместо целого, или «достаточно капли, чтобы можно было судить о свойствах океана» Толковый словарь иностранных слов Л. П. Крысина. М: Русский язык, 1998 …   Словарь иностранных слов русского языка

  • Pars pro toto — (lat., »der Teil für das Ganze«), rhetorische Figur, bei der ein Bestandteil einer Sache zur Bezeichnung des ganzen Gegenstandes gebraucht wird, z. B. Dach für Haus (s. Synekdoche) …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Pars pro toto — (lat.), der Teil für das Ganze, rhetorische Figur, z.B. Köpfe für Menschen …   Kleines Konversations-Lexikon

  • Pars pro Toto — Pạrs pro To|to 〈n.; , Pạr|tes ; Rhet.〉 Stilfigur, die anstelle des Gesamtbegriffs einen Teilbegriff setzt, z. B. „Brot“ statt „Nahrung“, „Herd“ statt „Heim, Haus“ [lat., „der Teil für das Ganze“] * * * Pạrs pro To|to, das; [lat. = ein Teil für …   Universal-Lexikon

  • Pars pro Toto — Pạrs pro To|to 〈n.; Gen.: , Pl.: ; Rhet.〉 Form der Synekdoche, bei der ein Ganzes durch ein Teil bezeichnet wird, z. B. »ein kluger Kopf« statt »ein kluger Mensch« [Etym.: lat., »ein Teil für das Ganze«] …   Lexikalische Deutsches Wörterbuch

  • Pars pro Toto — Pạrs pro To|to, das; <lateinisch> (Sprachwissenschaft Redefigur, die einen Teil für das Ganze setzt) …   Die deutsche Rechtschreibung

  • pars pro toto — foreign term Etymology: Latin part (taken) for the whole …   New Collegiate Dictionary

  • Pars pro toto — (лат. часть вместо целого) прием речи, когда называется часть предмета вместо целого предмета: напр. парус или флаг вместо корабль (у Лермонтова: Белеет парус одинокий ) …   Энциклопедический словарь Ф.А. Брокгауза и И.А. Ефрона


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