Parkfriedhof Neukölln


Parkfriedhof Neukölln

Der Landeseigene Parkfriedhof Neukölln ist mit 202.180 m² der bei weitem größte Friedhof im Berliner Bezirk Neukölln.

Er wurde 1949 angelegt und zählt zu den jüngeren Berliner Parkfriedhöfen. Bemerkenswert sind die weitläufige parkähnliche Gesamtanlage, die Skulptur der Persephone von Max Kruse, ein Zierbrunnen und fünf bildhauerisch aufeinander abgestimmte Schöpfstellen mit Skulpturen.

Schöpfstelle „Wasserträgerin“ von Katharina Szelinski-Singer, 1956/57

Inhaltsverzeichnis

Lage und Parkcharakter

Der Friedhof liegt im Ortsteil Britz zwischen der Kleingartenkolonie „Zur Windmühle“ und dem Britzer Garten, dem Schauplatz der Bundesgartenschau 1985. Das Gelände ragt teilweise in das Areal der BUGA hinein, wobei der Block 7 – unter anderem mit der Grabstelle des regional bekannten Rundfunkkommentators Hans Hertz – als umzäunte „Exklave“ im Britzer Garten liegt und in der Regel nur von Angehörigen zur Grabpflege betreten werden darf. Der Haupteingang befindet sich etwas zurückgesetzt hinter einem Sportplatz am Buckower Damm 148 zwischen der Britzer Mühle und dem Eingang zum Britzer Garten mit der Brunnenanlage Fette Henne. Mit dem PKW kann man über die Hüfnerstraße zu einem Parkplatz gelangen, der ca. 200 vom Eingang entfernt ist (Parkzeit 3h mit Parkscheibe). Der Friedhof hat auch eine Einfahrt mit Sonderparkmöglichkeit. Der südöstliche Bereich des Britzer Gartens gehörte früher zum Friedhof und schneidet heute den Urnenhain vom Hauptgelände ab. Der Hain hat nach seiner Separierung eine eigene Feierhalle bekommen, sein Eingang liegt westlich der BUGA am Hochspannungsweg.

Parkcharakter mit weiten lichten Rasenflächen

In der parkähnlichen Anlage wechselt dichter Baumbestand mit weiten lichten Rasenflächen. Die Grabstellen sind großräumig verteilt, sodass einige grabfreie Areale wie Wiesen in einem gewöhnlichen Park erscheinen. Fast vollständig vom Britzer Garten und von Kleingärten umschlossen bildet der Parkfriedhof Neukölln eine ruhige innerstädtische Grünoase.

Brunnen und Schöpfstellen

Vor dem Haupteingang steht zwischen einer modernen Metallkonstruktion mit Fahrradständern die Freiplastik Ewiger Frieden, eine Stahlarbeit der 1982 gegründeten Berliner Künstlergruppe Odious aus dem Jahr 1983. Die Künstlergruppe schuf ferner 1984 im benachbarten Britzer Garten das Werk Zeit-Wege-Zeit für die BUGA-Eröffnung und 1997/98 den Steg und seine Skulpturen im Schöneberger Natur-Park Südgelände.[1]

Auf dem Friedhofsgelände selbst befindet sich ein bildhauerisch bedeutsames Brunnen-Schöpfstellen-Ensemble.

Zierbrunnen

Der Zierbrunnen liegt hinter dem Haupteingang. Das Wasserspiel aus dem Jahr 1984 besteht aus einem großen und zwei kleineren vorgelagerten halbkreisförmigen Becken aus Naturstein. Auf dem hinteren Rand des oberen Beckens erhebt sich eine Platte mit einem offenen Bogen, die mit den Halbkreisen der Becken harmoniert. Aus der Platte fällt Wasser in einem dünnen Strahl in das große Becken. Über eine Kaskade fließt es weiter in eines der darunterliegenden Bassins. Das kleinste Becken füllt sich über einen wasserspeienden bronzenen Fischkopf gleichfalls aus dem Hauptbecken.

Zierbrunnen von 1984
Schöpfstelle „Eule“ von 1956/57
Schöpfstelle „Wasserträgerin“ von Katharina Szelinski-Singer, 1956/57

Die Gesamthöhe der Brunnenanlage beträgt zwei, die Gesamtlänge vier und die Gesamtbreite zweieinhalb Meter. Der Entwurf stammt von Klaus-Michael Jopke.[2]

Schöpfstellen

Rund 30 Jahre älter als der Zierbrunnen sind fünf Schöpfstellen, die über das gesamte Areal verteilt und bildhauerisch weitgehend aufeinander abgestimmt sind. Motive bilden eine Frauengestalt und vier Tierfiguren.

Schöpfstelle Eule

Die 3,00 Meter lange, 2,50 Meter breite und 1,80 Meter hohe Anlage besteht aus zwei gegeneinandergesetzten ovalen Becken mit einer schmalen spitzen Erhebung an ihrer Nahtstelle. Auf der Erhebung thront eine Eulenfigur, die wie die gesamte Anlage aus Kunststein gearbeitet ist. Das Werk, dessen Künstler unbekannt ist, stammt wahrscheinlich aus dem Jahr 1956/57.

Schöpfstelle Wasserträgerin

Schöpfstelle „Wasserträgerin“ von Katharina Szelinski-Singer, 1956/57

Aus dem gleichen Jahr 1956/57 stammt die Anlage Wasserträgerin der Bildhauerin Katharina Szelinski-Singer. Eine schwungvoll ausschreitende Frauenfigur trägt auf dem Kopf einen Wassereimer, den sie mit beiden Händen hält. Die Figur krönt zwei Becken mit Travertinabdeckungen, die in der Höhe leicht abgestuft ineinandergesetzt sind. Die Länge des Gesamtwerks beträgt 2,50 Meter, die Breite gleichfalls 2,50 Meter und die Höhe 1,80 Meter. Von Katharina Szelinski-Singer stammt auch die Trümmerfrau im Volkspark Hasenheide. Dass bei diesem Werk abweichend von den übrigen Tiermotiven eine Frauengestalt gewählt wurde, ist sehr wahrscheinlich der Tatsache geschuldet, dass Katharina Szelinski-Singer in ihrem künstlerischen Leben fast ausschließlich Frauenfiguren und Frauenköpfe modelliert hat.

Schöpfstelle „Reiher“, wahrscheinlich von 1956/57
Schöpfstelle „Fisch“, wahrscheinlich von 1956/57

Schöpfstelle Reiher

Auch die Schöpfstelle Reiher zeigt zwei halbkreisförmige Becken, die an ihren flachen Seiten gegeneinander gesetzt sind. In der Mitte erhebt sich die Figur eines Reihers. Der Künstler und das Erstellungsjahr sind unbekannt, wahrscheinlich stammt auch dieses Werk aus der Zeit um 1956/57.

Schöpfstelle Fisch

Dieses Werk unterscheidet sich in seiner Gestaltung wesentlich von den übrigen Schöpfstellen. Es zeigt statt der halbrunden Formung zwei sichelförmige Becken und weist – abgesehen von der Andeutung einer Flosse – keine aufgesetzte Figur auf. Der Brunnen wirkt als einziger ohne figürliche Darstellung durch seine abstrakte Form. Die Form der Schöpfstelle erinnert an das Fischsymbol der Urchristen, ein heute noch genutztes religiöses Symbol, das auf einem Friedhof und in den Nachkriegsjahren vielleicht für die Rückbesinnung auf die ursprünglichen christlichen Werte stehen sollte. Als reine Tierdarstellung betrachtet reiht sich der Fisch aber auch gut in die anderen Themen des Brunnen-Zyklus ein.

Der Brunnen entzieht sich einer eindeutigen und einfachen Interpretation. Die Rückseite des größeren Bassins setzt sich über den Beckenrand nach oben fort und bildet ein gewölbtes Dreieck mit einem Loch aus. Das zweite Becken hat der Künstler hier im Gegensatz zu den anderen Schöpfstellen nur angedeutet und als spitz zulaufende Sichel angehängt. Das Dreieck kann als Rückenflosse oder als Kopf des Fisches mit dem Loch als Auge gelesen werden. Das mit Kalkstein abgedeckte und geschlossene Becken wäre dann als Schwanzflosse des christlichen Fischsymbols zu deuten.

Die Länge der Kunststeinarbeit beträgt 3,00 Meter, die Breite 1,50 Meter und die Höhe 1,30 Meter. Bildhauer war wahrscheinlich der spätere Bremer Akademie-Professor Gerhart Schreiter (1909-1974, 1953 Cornelius-Preis in Düsseldorf), das Erstellungsjahr vermutlich 1956/57.

Schöpfstelle „Auerhahn“, wahrscheinlich von 1956/57
Persephone von Max Kruse in weitem Raum

Schöpfstelle Auerhahn

Diese Arbeit folgt dem Gestaltungsprinzip der übrigen Schöpfstellen nur bedingt. Die Arbeit besteht lediglich aus einem und im Vergleich flachen und fast rechteckigen Becken aus Kunststein mit Muschelkalkabdeckung. Auf die kürzere Seite des Beckenrandes ist eine schmale hohe Stele gesetzt, die oben schräg abgeflacht ist und auf der Spitze die Figur eines Auerhahns trägt. Auch dieses Werk, das im separaten Urnenhain liegt, stammt wahrscheinlich aus den Jahren 1956/57. Die Bildhauerin war vermutlich Annemarie Haage. Die Maße liegen bei 3,00 Meter in der Länge, 1,50 Meter in der Breite und 2,70 Meter in der Höhe.

Persephone von Max Kruse

Persephone von Max Kruse, wahrscheinlich von 1890

Westlich der Feierhalle befindet sich eine monumentale Sitzfigur des Bildhauers Max Kruse. Die vier Meter hohe Sandsteinfigur stellt die griechische Toten-, Unterwelt- und Fruchtbarkeitsgöttin Persephone dar und kam 1958 in den Parkfriedhof.

Über das Entstehungsdatum liegen unterschiedliche Angaben vor. Während „Bildhauerei in Berlin“ das Werk auf 1890 datiert und als ursprünglichen Standort die Königstraße in Zehlendorf angibt[3], nennt der Thieme-Becker von 1928 das Jahr 1916.[4] Danach gehörte die Skulptur zu den letzten plastischen Arbeiten Kruses und befand sich in der Villa Arnhold am Wannsee. Der Kohlenkönig und Kunstmäzen Eduard Arnhold hatte seinen direkt neben der Liebermann-Villa gelegenen Garten mit Skulpturen aus seiner umfangreichen Kunstsammlung geschmückt, darunter wahrscheinlich der Persephone.

Ehrengräber, Persönlichkeiten

Im Gegensatz zu vielen Berliner und auch Neuköllner historischen Friedhöfen verfügt der Parkfriedhof über keine nennenswerten Grabdenkmäler. Die Zahl der Ehrengräber und/oder Grabstätten bedeutender Persönlichkeiten ist leicht überschaubar:

Ehrengräber

Weitere Grabstelle

  • Hans Hertz, Rundfunkkommentator (Block 7 im Britzer Garten)

Siehe auch

Fußnoten

  1. Künstlergruppe Odious bei bildhauerei-in-berlin.de; Webseite der Gruppe selbst
  2. Die Brunnen bei Berlin.de
  3. bildhauerei-in-berlin.de
  4. Max Kruse. In: Ulrich Thieme, Felix Becker u. a.: Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Band 22, E. A. Seemann, Leipzig 1928, S. 18–19

Literatur

  • Hans-Jürgen Mende: Lexikon Berliner Grabstätten. Haude & Spener, Berlin 2005. ISBN 3-7759-0476-X
  • Architekten- und Ingenieur-Verein zu Berlin (Hrsg.): Berlin und seine Bauten, Teil X, Band A Anlagen und Bauten für die Versorgung, (3) Bestattungswesen. Wilhelm Ernst & Sohn, Berlin 1981. ISBN 3-433-00890-6

Weblinks

 Commons: Parkfriedhof Neukölln – Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien
52.4301313.426728

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