Otto Nuschke


Otto Nuschke
Otto Nuschke auf dem Deutschen Evangelischen Kirchentag 1956
Otto Nuschke (vorne rechts) auf dem 1. Deutschen Volkskongress im Dezember 1947
Otto-Nuschke-Denkmal in dessen Geburtsstadt Frohburg
Grab von Otto Nuschke auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin.
Otto-Nuschke-Ehrenzeichen in Bronze

Otto Gustav Nuschke (* 23. Februar 1883 in Frohburg, Sachsen; † 27. Dezember 1957 in Nieder Neuendorf bei Berlin), war ein deutscher Politiker und CDU-Vorsitzender in der Sowjetischen Besatzungszone und in der DDR sowie stellvertretender Ministerpräsident der DDR.

Inhaltsverzeichnis

Leben und Beruf

Nach dem Besuch der Bürgerschule in Frohburg erhielt Nuschke, der evangelischen Glaubens war, noch einige Zeit Privatunterricht und besuchte dann die Akademie für graphische Künste in Leipzig. Er erlernte bei seinem Vater das Buchdruckerhandwerk. 1902 wurde er Redakteur der Hessischen Landeszeitung in Marburg, die von Hellmut von Gerlach herausgegeben wurde, und belegte als Gasthörer Vorlesungen an der dortigen Universität. Bereits ein Jahr später wurde er Chefredakteur der Landeszeitung. 1910 wechselte er als Redakteur zum Berliner Tageblatt, ab 1916 war er Chefredakteur der Berliner Volkszeitung. Am Ersten Weltkrieg nahm er als Gefreiter des Garde-Landsturmbataillons Zossen teil.

Nuschke engagierte sich im Verband für Internationale Verständigung, im Bund Deutscher Bodenreformer und der Deutschen Friedensgesellschaft. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten bewirtschaftete er zunächst einen kleinen Hof in der Nähe von Berlin, den er aber auf politischen Druck hin aufgeben musste. Von den Attentätern des 20. Juli 1944 war er als Leiter des Rundfunks vorgesehen. Nach dem Scheitern des Umsturzversuchs musste er untertauchen und überlebte bis Kriegsende in der Illegalität.

Im April 1949 war Otto Nuschke Sprecher der deutschen Delegation, die am Gründungskongress der Weltfriedensbewegung in Paris teilnahm.

Am 17. Juni 1953, dem Tag des Volksaufstandes in der DDR, wurde er von Demonstranten erkannt, über die nahegelegene Zonengrenze nach West-Berlin gebracht und dort der Polizei übergeben.[1][2] Nach Verhören wurde er nach 36 Stunden freigelassen, ohne Schaden erlitten zu haben[3]

Otto Nuschke erhielt 1955 von der Karl-Marx-Universität Leipzig die Ehrendoktorwürde verliehen (Dr.rer.pol.h.c.).

Nuschke wurde auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin beigesetzt. Von 1958 bis 1991 trug die heutige Jägerstraße in Berlin-Mitte wie auch das Otto-Nuschke-Haus, die Zentrale der Ost-CDU in Berlin-Mitte, seinen Namen.

Die CDU der DDR stiftete nach seinem Tod ein "Otto-Nuschke-Ehrenzeichen" in den Rängen Gold, Silber und Bronze, das als höchste Auszeichnung von der Partei an verdienstvolle Mitglieder vergeben wurde.

Partei

Briefmarkenausgabe zum
100. Geburtstag Otto Nuschkes
(DDR 1983)

Nuschke trat schon früh der linksliberalen Freisinnigen Vereinigung bei, deren Generalsekretär für Kassel er 1906 wurde. Als sich die Vereinigung 1910 mit anderen linksliberalen Parteien zur Fortschrittlichen Volkspartei zusammenschloss, wurde er auch Generalsekretär der neuen Partei für Kassel. In der Kadidatur für die Reichstagswahl 1912 scheiterte er knapp am Kandidaten der Antisemiten Vietmeyer. Die Wahl wurde 1913 für ungültig erklärt.

1918 beteiligte er sich an der Gründung der DDP. In den 1920er Jahren war er zeitweise auch stellvertretender Reichsvorsitzender der DDP. Nuschke gehörte zu den Mitbegründern des republiktreuen Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold und wurde 1931 zum Generalsekretär der Deutschen Staatspartei, wie die DDP nun hieß, ernannt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg beteiligte sich Otto Nuschke im Gegensatz zum Großteil der früheren DDP-Mitglieder nicht an der Gründung von LDPD bzw. FDP, sondern wurde, wie auch Ferdinand Friedensburg, Ernst Lemmer und Walther Schreiber, 1945 Mitbegründer der CDU in der Sowjetischen Besatzungszone. Nach der Entlassung des letzten frei gewählten CDU-Vorsitzenden Jakob Kaiser durch die SMAD im Dezember 1947 – der CDU-Vorstand unter Kaiser hatte die Teilnahme der CDU am Volkskongress abgelehnt – wurde Nuschke auf dem III. Parteitag der CDU im September 1948 zum Parteivorsitzenden bestimmt.

Abgeordneter

Nuschke gehörte 1919 der Weimarer Nationalversammlung an. Im Jahre 1921 wurde er zum Mitglied des Preußischen Landtages, dem er bis 1933 angehörte, gewählt.

Bei den Landtagswahlen in der SBZ 1946 wurde Nuschke Landtagsabgeordneter im Brandenburger Landtag und in Sachsen-Anhalt, was damals möglich war. außerdem gehörte er dem Kreistag des Osthavellandes an. Im März 1948 wurde er gemeinsam mit Wilhelm Pieck (SED) und Wilhelm Külz (LDPD) Vorsitzender des Deutschen Volksrates, der die Verfassung der DDR ausarbeitete. Im Jahre 1949 wurde er zunächst Mitglied der Provisorischen Volkskammer der DDR. Er gehörte anschließend bis zu seinem Tode der Volkskammer an.

Öffentliche Ämter

Nuschke war von 1949 bis zu seinem Tode stellvertretender Ministerpräsident der DDR.

Notizen

  1. Darstellung der Verhaftung mit RIAS-Interview
  2. Darstellung der Ost-CDU
  3. http://books.google.com/books?id=lZdoKRnTF_kC&pg=PA148&dq=%22otto+nuschke%22&lr=&as_brr=3&as_pt=ALLTYPES

Veröffentlichungen

  • Mensch, Politiker, Journalist, Union-Verlag, Berlin 1953.
  • Nicht nebeneinander – Miteinander! (mit Heinrich Grüber), Verlag Deutscher Friedensrat, Berlin 1955.
  • Reden und Aufsätze. 1919–1950, Union-Verlag, Berlin 1957.
  • Mahnung und Beispiel. Reden und Aufsätze aus den Jahren 1951–1957, Union-Verlag, Berlin 1958 (postum)
  • Ein Leben für die Interessen des Volkes, Union-Verlag, Berlin 1983 (postum).

Literatur

  • Günter Wirth: Otto Nuschke. Union-Verlag, Berlin 1965.
  • Gerhard Fischer: Otto Nuschke. Ein Lebensbild. Union-Verlag, Berlin 1983.
  • Martin Schumacher, Katharina Lübbe, Wilhelm Heinz Schröder: M.d.R. Die Reichstagsabgeordneten der Weimarer Republik in der Zeit des Nationalsozialismus. politische Verfolgung, Emigration und Ausbürgerung, 1933–1945. Eine biographische Dokumentation. 3. Auflage. Droste, Düsseldorf 1994, ISBN 3-7700-5183-1. 
  • Helmut Müller-Enbergs: Nuschke, Otto. In: Wer war wer in der DDR? 5. Ausgabe. Ch. Links Verlag, Berlin 2010, ISBN 978-3-86153-561-4, Band 2.

Weblinks

 Commons: Otto Nuschke – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Otto Nuschke — Otto Nuschke …   Wikipedia

  • Otto-Nuschke-Ehrenzeichen — in Bronze …   Deutsch Wikipedia

  • Nuschke — Otto Nuschke auf dem Deutschen Evangelischen Kirchentag 1956 …   Deutsch Wikipedia

  • Otto Rost — Otto Paul Rost (* 16. Juni 1887 in Keuern; † 1970 in Döbeln[1]) war ein deutscher Bildhauer. Inhaltsverzeichnis 1 Leben 2 Schicksal einzelner Werke 3 Werke …   Deutsch Wikipedia

  • Nuschke — Nụschke,   Otto, Politiker, * Frohburg 23. 2. 1883, ✝ Niederneuendorf (heute zu Hennigsdorf) 27. 12. 1957; Journalist, 1915 33 Chefredakteur der Berliner Volkszeitung, 1919 20 Mitglied der Weimarer Nationalversammlung (DDP), beteiligte sich 1945 …   Universal-Lexikon

  • CDUD — Die überkonfessionelle Partei Christlich Demokratische Union Deutschlands (CDU) war eine Blockpartei in der DDR. 1990 ging sie in der gesamtdeutschen CDU auf. Parteibanner der CDU der DDR Inhaltsverzeichnis 1 Innere S …   Deutsch Wikipedia

  • CDU (DDR) — Die überkonfessionelle Partei Christlich Demokratische Union Deutschlands (CDU) war eine Blockpartei in der DDR. 1990 ging sie in der gesamtdeutschen CDU auf. Parteibanner der CDU der DDR Inhaltsverzeichnis 1 Innere S …   Deutsch Wikipedia

  • Christlich Demokratische Union Deutschlands (DDR) — Die überkonfessionelle Partei Christlich Demokratische Union Deutschlands (CDU) war eine Blockpartei in der DDR. 1990 ging sie in der gesamtdeutschen CDU auf. Parteibanner der CDU der DDR Inhaltsverzeichnis 1 Innere S …   Deutsch Wikipedia

  • Ost-CDU — Die überkonfessionelle Partei Christlich Demokratische Union Deutschlands (CDU) war eine Blockpartei in der DDR. 1990 ging sie in der gesamtdeutschen CDU auf. Parteibanner der CDU der DDR Inhaltsverzeichnis 1 Innere S …   Deutsch Wikipedia

  • Christlich-Demokratische Union Deutschlands (DDR) — Parteibanner der CDU der DDR Satzungsheft d …   Deutsch Wikipedia


Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”

We are using cookies for the best presentation of our site. Continuing to use this site, you agree with this.