Ostalpin


Ostalpin
Blick vom Schlingental auf die Ortlergruppe, Teil der Ostalpen

Ostalpen ist die Bezeichnung des östlichen Teils der Alpen.

Inhaltsverzeichnis

Einführung

Die Ostalpen sind niedriger als die Westalpen, ebenso erreichen die meisten ihrer Pässe nicht so große Höhen wie die der Westalpen. Der Alpenbogen im Osten verläuft weniger gekrümmt als der Westalpenbogen. Die Ostalpen zeigen in ihrem Westbereich eine stark südwestvergente Querfaltung, die sich bis Verona ausbaucht. Der Mittelteil ist deutlich Ost-West-laufend gegliedert, diese Längstalfurchen der großen Alpenflüsse Inn, Salzach, Enns, Etsch/Eisack, Gail/Drau sowie Mur/Mürz, die den tektonischen Störungen folgen, zerlegen die Ostalpen in charakteristische Ketten. Gegen Osten fächern sich diese Ketten auf, die mehrere große Randbuchten umschliessen (Wiener Becken, Grazer Becken und andere). Sie wenden sich im Norden, wo sie sich bis auf wenige Kilometer der böhmischen Masse nähern, nordöstlich gegen die Karpaten (bis zu 6 Kilometer in die Tiefe gesunken). In der Mitte taucht ein Ausläufer ins Pannonische Becken ab. Die Südketten wenden sich nach Süden, und gehen nahe der oberen Adria in das dinarisches Gebirge über. Insgesamt sind die Ostalpen breiter und vielfältiger gegliedert als die Westalpen, sodass bei der Alpenüberquerung oft 2 bis 4 Pässe zu überwinden sind.

Die meisten der Ostalpenflüsse zeigen plötzliche Durchbruchstäler nach Norden oder Süden, die die Ostalpen auch in Längsrichtung in etliche Gruppen gliedern. Das größte inneralpine Senkungsfeld ist das Klagenfurter Becken. Die Ostalpen sind reich an Seen (Salzkammergut, Kärntner Seen) und Mooren. Der höchste Berg der Ostalpen ist der Piz Bernina, der mit 4.049 Metern ihren einzigen Viertausender darstellt.

Folgende Staaten haben Anteil an den Ostalpen (gereiht nach Gebirgsfläche):

Geomorphologische Gliederung der Ostalpen

Zur Gliederung nach AVE siehe: Liste der Gebirgsgruppen in den Ostalpen

Die hier beschriebene geomorphologische Alpenvereinsteilung der Ostalpen basiert auf einer Übereinkunft der Alpenvereine von 1984.

Die Zuordnung in Nord-, Zentral- und Südalpen stützt sich auf die großen Längstalzüge. Diese folgen zwar oft den Gesteinsgrenzen, durchschneiden aber stellenweise die Zonen. Die Feineinteilung folgt meistens den Tälern. In den Ostalpen werden so die vorwiegend kristallinen Zentralalpen durch große Tälerlinien von den Nördlichen Kalkalpen und den Südlichen Kalkalpen getrennt.

Tektonische Gliederung der Ostalpen

Geologisch werden die Alpen in drei tektonische Großeinheiten strukturiert: Westalpen, Ostalpen und Südalpen[1].

Drei Deckensysteme wurden über den europäischen Kontinentalrand nach Norden geschoben:

Petrologische Gliederung der Ostalpen

Nach Kriterien der Petrologie teilen sich die Ostalpen in sieben Gesteinszonen. Im Gegensatz zu den Westalpen schließen die Ostalpen keine parautochthonen Massen ein; sie sind ein Decken- und Faltengebirge, in dem westalpine Decken nur randlich und in geologischen Fenstern hervortreten.

  • Sandsteinzone – etwa zur Hälfte in Bayern und Österreich
  • Nördliche Kalkzone
  • Nördliche Schiefer – Grauwackenzone
  • Kristalline Zone – entspricht etwa dem Alpenhauptkamm
  • Südliche Schiefer – Grauwackenzone – an der Südgrenze Österreichs
  • Südliche Kalkzone – großteils in Slowenien und Italien
  • Südliche Sandsteinzone – kaum ausgebildet; in Italien

In Osttirol und Kärnten stimmen Deckengliederung und Gesteinszonen nicht überein. Die Gailtaler Alpen liegen nördlich der alpin-dinarischen Narbe, bestehen aber aus Kalkstein und werden daher meist zur südlichen Kalkzone (und damit zu den Südalpen) gerechnet. Die Südliche Schieferzone wird in den Karnischen Alpen im Norden und Süden von Zügen der südlichen Kalkzone eingefasst. Im Westen Österreichs befindet sich eine auffällige S-förmige Krümmung der Gesteinszonen. Die kristalline Zone streicht in der Silvretta von Süden heran und biegt dort gegen Osten. Das Kalkgebirge des Rätikons liegt südlich der großen Längstalflucht. Das Etschtal südlich von Bozen ist dem Gesteinsstreichen nach ein Längstal.

Zonenabfolge in Nord–Südrichtung

Nordalpen

Die Nordalpen umfassen eine Sandsteinzone, die nördliche Kalkzone und den Hauptteil der nördlichen Schieferzone.

Die Sandsteinzone, auch Flyschzone genannt, besteht aus Gesteinen der Kreidezeit und des Alttertiärs. Sie erhebt sich deutlich über das Alpenvorland. Die Flyschzone ist schmal, verbreitert sich nur im Wiener- und Bregenzerwald und ist ungefähr 1000 m hoch. Die noch höheren Berge im Bregenzerwald bestehen aus Kalkstein. Die Gesteine der Zone wie Sandstein, Mergel und Tonschiefer sind wenig widerstandsfähig, sie bilden die für die Flyschzone typischen Rücken und Kuppen; im Westen auch Grate. Die Berge der Flyschzone tragen vorwiegend Laubmischwälder und Wiesen. Die oft mächtige, lehmige Verwitterungsdecke neigt zu Rutschungen und begünstigt durch den raschen Abfluss die Entstehung von Hochwässern.

Nördliche Kalkalpen

Blick auf die Karwendelhauptkette

Die nördlichen Kalkalpen bestehen aus mesozoischen Gesteinen (besonders Trias). Die Kalkalpen werden in die Kalkvoralpen und die Kalkhochalpen unterteilt.

Nördliche Kalkvoralpen

Die Kalkvoralpen bestehen aus Dolomiten und Kalken und sind ein Mittelgebirge mit Schneiden, Kegeln und Stöcken, welche bis zu 1600 m hoch werden können. Die nördlichen Kalkalpen sind vorwiegend von Fichtenmischwäldern bedeckt. Im Kalk entstehen Karsterscheinungen. Der wasserundurchlässige Dolomit hingegen ist stark zertalt, mit brüchigen Felsbildungen und Schutthalden aus feinem Grus versehen. In den Kalkvoralpen gibt es einzelne höhere Erhebungen wie den Ötscher oder das Sengsengebirge. Ihre Zuordnung zu den Voralpen oder den Kalkhochalpen ist jedoch strittig.

Nördliche Kalkhochalpen

Etwas südlich der Kalkvoralpen erstrecken sich die felsigen Kalkhochalpen, die vorwiegend aus Kalken (im Westen Wettersteinkalk, im Osten Dachsteinkalk) sowie Dolomiten bestehen. Vom Wilden Kaiser gegen Westen bestehen sie vorwiegend aus wasserarmen Ketten, die steil geschichtet und mit Waldfluchten versehen sind. Außerdem sind die Kalkhochalpen mit Graten, Spitzen, Türmen, tief eingefressenen Karen und mächtigen Schutthalden versehen. Der Kettencharakter, der in den westlicheren Kalkhochalpen überwiegt, ist in den Lechtaler Alpen (mit dem höchsten Berg der Nordalpen), dem Wettersteingebirge und dem Karwendelgebirge besonders ausgeprägt. Vom Zahmen Kaiser gegen Osten finden sich Kalkstöcke mit verkarsteten, wasserlosen, öden Hochflächen mit Karrenfeldern und Dolinen. Darauf wachsen weite Bestände von Legföhren (Latschen). Zwischen den Kalkplateaus liegt ein weitmaschiges Flussnetz in tiefen Tälern und Schluchten. Die Hochflächen zeigen eine buckelige, kuppige Altlandschaft (im Osten „Raxlandschaft“ genannt) und konservieren des flachere Relief der tertiären Alpen, das infolge der Verkarstung bei und nach Hebung des Gebirges nicht zerschnitten, jedoch eiszeitlich überformt wurde. Die östlichen Kalkhochalpen weisen Plateaucharakter auf. Viele Höhlen sind als Reste ehemaliger unterirdischer Entwässerung übrig geblieben. An der Basis der Kalkberge befinden sich Salz- und Gipslager, sowie Quellhorizonte (Karstquellen) über Schiefern.

Schiefer – Grauwacken-Zone

Die Schiefer – Grauwackenzone ist ein schmaler Streifen paläozoischer Schiefer, Sandsteine und Kalke. Im Westen zeigen die Schieferalpen almen- und quellenreiche Rücken und Schneiden, darüber stellenweise Grate und Spitzen in härteren Schiefern und Kalken: Kitzbühler Alpen (Tiroler-) und Salzburger Schieferalpen (von Bevölkerung als „Grasberge“ bezeichnet). In den Eisenerzer Alpen dominieren dagegen Kalkklötze. Die Schieferzone enthält Lager von Eisen- und Kupfererz, Magnesit, Graphit und Talk. Die Schieferalpen liegen großteils südlich der Längstalflucht und werden daher meist zu den Zentralalpen gerechnet.

Nördlicher Längstalzug

Der nördliche Längstalzug bildet die ungefähre Grenze zwischen Nord- und Zentralalpen. Sie verläuft weithin innerhalb der Schieferzone oder an ihrem Rande: Walgau (untere Ill) - Klostertal - Arlberg - Stanzertal - Inntal - Zillertal - Gerlospass (oder Inntal - Talfurche von Ellmau - Pass von Grießen - Saalachtal - Talwasserscheide von Zell - Salzachtal) - Wagrainer Höhe - (oder Fritztal) - Ennstal - Paltental - Schoberpass - Liesingtal - Murtal - Mürztal - Semmering - Schwarzatal. Der Talzug ist von Westen bis zum Schobersattel meist breit, eiszeitlich ausgestaltet und zeigt Schwemmkegel der Seitenbäche und Terrassen.

Zentralalpen

Die Zentralalpen sind weitgehend identisch mit der kristallinen Zone, bestehend aus präkambrischen und paläozoischen Resten eines variszischen Gebirges (Altkristallin) und dem Tauernfenster. Sie bestehen hauptsächlich aus harten, wasserundurchlässigen Gneisen und Granitgneisen sowie Glimmerschiefern; stellenweise mit Kalkschollen (zum Beispiel südlich von Innsbruck) und Kalkbändern.

Die Zentralalpen sind reich an Quellen, Bächen und Karseen; im Westen weisen sie große Gletschergebiete auf (v.a. Hohe Tauern, Zillertaler, Stubaier und Ötztaler Alpen, Silvretta, Ortler, Bernina). Dabei bestehen deutliche Unterschiede in Höhe und Formenbild zwischen Westen und Osten der Zentralpen:

Im Westen befindet sich die stark zerschnittene Silvretta- und Verwallgruppe mit schroffen „Hörnern“; die massigen, asymmetrischen Ötztaler und die Stubaier Alpen mit langen Seitenkämmen nach Norden sind stark vergletschert; hier liegen Wildspitze (zweithöchster Berg Österreichs); Weißkugel und Zuckerhütl (nach seiner Firnbedeckung benannt).

Östlich der Brennerfurche befinden sich fiederförmig angeordnete, langgestreckte Ketten, die wegen der Vergletscherungen auch als „Keesberge“ bezeichnet werden (Zillertaler Alpen und Hohe Tauern).

Weitere Eigenschaften der westlichen Zentralalpen und der Hohen Tauern (bis zum Katschberg) sind Pyramidengipfel, weite Firnfelder, die von Felsgraten getrennt werden; tiefer unten Kare mit Seen, zum Teil weite Karplatten; in Talanfänge reichende Gletscherzungen; tiefe, stufen- und wasserreiche Trogtäler; ausgedehnte Almmatten, Lärchen- und Fichtenwälder.

Im Gegensatz dazu sind die östlichen Zentralalpen niedriger und in mehrere Kämme aufgeteilt, zwischen denen sich Senkungsfelder befinden. Die Niederen Tauern sind heute unvergletschert, weisen jedoch glaziale Formen wie Kare und Karseen, Grate und Pyramidengipfel (besonders im widerstandsfähigen Granitgneis) auf. Südlich der Mur-Mürz-Furche überwiegen trotz Höhen über 2000 m die Mittelgebirgsformen: breite Rücken sind vermutliche Reste eines tertiären Flachreliefs und zeigen nur stellenweise Karbildungen. Ebenso sind mehr Matten- als Felsregionen und weite Fichtenwälder zu finden. Die Gurktaler Alpen werden im Südwestteil ihrer runden Formen wegen „Nockberge“ genannt.

Die östlichen Bergketten umschließen einige Senkungs- und Sedimentbecken, in denen Erdöl und Kohle gefördert wird (v.a. Grazer, Wiener und Fohnsdorfer Becken). Die Steirischen Randgebirge umfassen im Halbkreis die Grazer Bucht und enden an der ungarischen Grenze in waldbedeckten Mittelgebirgsspornen. Die östlichsten Hochgebirge (Steirisch-Niederösterreichische Kalkalpen) reichen noch an die 2.000 m heran; ebenso wie der Wienerwald enden sie im Osten an der breiten Senke des Wiener Beckens, wo die früheren Berge nun unter 2-6 km dicken Sedimentschichten liegen. Jenseits dieser Bruchzone bilden einige Inselgebirge (Leithagebirge und Hainburger Berge) eine Brücke zu den Karpaten. Zwischen ihnen drängt sich der Donaustrom durch die Hainburger Pforte in die Ungarische Tiefebene.

Südliche Kalkalpen

Die Grenze zwischen Zentralalpen und südlichen Kalkalpen wird durch die Störungslinie der periadriatischen Naht gebildet. Die Abgrenzung zu den nördlichen Kalkalpen ist durch die Grauwackenzone gegeben.

Südlicher Längstalzug

Der südliche Längstalzug bildet die Grenze zwischen Zentral- und Südalpen. Er verläuft vom Pustertal (Rienztal – Toblacher Feld – oberes Drautal) durch das Drautal weiter in das Klagenfurter Becken bis ins Tal der Mieß/Meza. Der Längstalzug ist glazial verbreitert und mit großen Schwemmkegeln und nassen Talböden durchzogen.

Südliche Ostalpen

Triglav (Slowenien)
Drei Zinnen (Südtirol)

Die südlichen Ostalpen sind nicht so deutlich zonal gegliedert wie die Nordalpen. Infolge der S-förmigen Krümmung streichen Gesteinszüge in Südtirol von Süden heran. Das tief zerschnittene Bozener Porphyrplateau geht im Norden in die kristallinen Sarntaler Alpen über. Östlich schließen die südlichen Kalkalpen aus mesozoischen Gesteinen an. Formenreiche Riffkalke und Dolomite bilden Zinnen, Türme, Stöcke (Marmolata). Davor befinden sich almenreiche Vorberge aus Schiefer. Die Gailtaler Alpen aus Kalk und Dolomit gipfeln in den wild zerrissenen Lienzer Dolomiten und enden im Osten in einem Plateauberg (Dobratsch). Im Süden wird es von geradlinigem Tal der Gail begrenzt; die alpin-dinarische Narbe (periadriatische Naht) folgt.

Südliche Schieferzone

Die südliche Schieferzone besteht aus den Karnischen Alpen mit gerundeten Schieferbergen und -sätteln, die von schroffen Klötzen und Zähnen aus paläozoischen Kalken überragt werden (Hohe Warte). Östlich der Gailitzfurche befinden sich die Kalkketten der Karawanken (Hochstuhl). Unter Felsmauern befindet sich meist dichter Fichtenwald mit relativ wenig Almen. Der Südzipfel Österreichs erreicht noch die Steiner Alpen.

Einzelnachweise

  1. Geologie der Ostalpen und Exkursionsschwerpunkte – AlpenEX 99, mit geologischen Karten

Weblinks

  • Geologie der Ostalpen, Ingo Lacheiner, Institut für Geographie und Raumforschung, Karl-Franzens-Universität Graz, 1999
siehe auch: Weblinks des Artikels Alpen

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