Orchomenos


Orchomenos
Gemeinde Orchomenos
Δήμος Ορχομενού (Ορχομενός)
Orchomenos (Griechenland)
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Basisdaten
Staat: Griechenland
Region: Mittelgriechenland
Regionalbezirk: Böotien
Geographische Koordinaten: 38° 30′ N, 22° 59′ O38.49166666666722.978888888889Koordinaten: 38° 30′ N, 22° 59′ O
Fläche: 436,41 km²
Einwohner: 13.032 (2010[1])
Bevölkerungsdichte: 29,9 Ew./km²
Sitz: Orchomenos
LAU-1-Code-Nr.: f11
Gemeindebezirke: 2 Gemeindebezirke
Ortschaften: 11 Ortschaften
Website: www.orchomenos.gr
Lage in der Region Mittelgriechenland
Datei:2011 Dimos Orchomenou.png

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Orchomenos (griechisch Ορχομενός (m. sg.)) ist eine Stadt in Böotien (Griechenland), gelegen am Fluss Kifisos, am ehemaligen Nordwestufer des mittlerweile ausgetrockneten Sees Kopais, in den der Fluss früher mündete. In der Antike war sie Mitglied des Böotischen Bundes.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Der Überlieferungen nach wurde Orchomenos von Minyern bewohnt. Worum es sich bei diesem Volk handelte, ist unbekannt, denn in historischer Zeit sind sie als eigenständiger Stamm nicht mehr bezeugt. Erste Siedlungsspuren datieren auf 6000 v. Chr. Feine graue Keramik aus mittelhelladischer Zeit (ca. 2000–1600 v. Chr.), die bei Ausgrabungen zu Tage trat, erhielt von Heinrich Schliemann die Bezeichnung minysche Keramik, angelehnt an die mythischen Bewohner Orchomenos. In der 2. Hälfte des 2. Jahrtausends war Orchomenos die Hauptstadt eines großen Reiches der mykenischen Kultur. Spuren einer Palastanlage und vor allem das von Schliemann ausgegrabene Kuppelgrab von Orchomenos, auch „Schatzhaus des Minyas“ genannt, zeugen von Reichtum und Macht dieser Stadt. Im Jahr 1881 wurde Schliemann bei seinen Grabungen durch den Architekten und Bauforscher Ernst Ziller unterstützt.[2]

In den Perserkriegen stand Orchomenos nach der Schlacht an den Thermopylen auf Seiten der Perser. Nachdem die Perser bezwungen waren, war die politische Macht der Stadt geschwächt. Im Jahre 427/26 v. Chr. wurde Orchomenos durch ein schweres Erdbeben zerstört, wie Thukydides berichtet (Thuk. III 87,4). Im Krieg der benachbarten Thebaner mit den Spartanern stellte sich die Stadt auf die Seite der Spartaner – wiederum die Verlierer des Konfliktes. Im Jahr der Niederlage der Spartaner bei Leuktra (371 v. Chr.) wurde die Stadt zwar noch verschont, doch 364 v. Chr., also nur sieben Jahre später, wurde sie zerstört. Den Wiederaufbau verhinderten die Thebaner durch eine neuerliche Zerstörung der Stadt im Jahr 349 v. Chr. Von diesem Niederschlag erholte sich der Ort nicht wieder.

Unter Philipp II. von Makedonien, dem Vater Alexanders des Großen, wurde die Stadt wieder gefördert und wieder aufgebaut. Im Jahr 87 v. Chr. wurde der Ort dann von Sulla erobert und dem Römischen Reich einverleibt.

Danach blieb Orchomenos stets eine kleine, unbedeutende Stadt in Griechenland.

Mythologie

Orchomenos ist in vielen Mythen ein Ort von Bedeutung. So war der Ort Zufluchtsort für den neugeborenen Gott Dionysos, der als unehelicher Sohn des Zeus von dessen Frau Hera verfolgt wurde. König Athamas und dessen Frau Ino ließen den Jungen in Mädchenkleider stecken und im Frauengemach aufwachsen.

Bei Homer sind die Bewohner der Stadt reguläre Teilnehmer des Kriegszuges gegen Troja. Als ihre Heerführer werden der König Ialmenos und sein Bruder Askalaphos genannt.

In der Heraklessage taucht der König Erginos von Orchomenos als Unterdrücker der Stadt Theben auf. Herakles und König Amphitryon schlagen das Heer der Minyer, erschlagen den König Erginos und zerstören Stadt und Burg.

Auch in der Sage um Aktaion, dem von seinen eigenen Hunden zerrissenen Jäger, hat Orchomenos ihren Platz. Denn in der Nähe der Stadt war Aktaion zerrissen worden und suchte nun die Stadt und ihre Umgebung als Gespenst heim. Um die Stadt von der Plage zu befreien, so weissagte ein Orakel, mussten nicht nur die Überreste des Jägers gefunden und begraben werden, sondern auch eine Statue des Gespenstes aufgestellt werden. Beides geschah.

Bauten

Ruinen von Orchomenos vor den Ausgrabungen. Zeichnung von Edward Dodwell, vor 1821

In den Abhang des Hausberges Akontion gehauen, auf dessen Gipfel die Akropolis thronte, finden sich die Ruinen eines Theaters, das zum Teil in den Berg gehauen ist und 1972 ausgegraben wurde. Es stammt vermutlich aus dem 4. Jahrhundert v. Chr.

Ein bienenkorbartiges Gebäude, das sogenannte „Schatzhaus des Minyas“, wurde 1880 von Heinrich Schliemann während seiner ersten Grabungskampagne in Orchomenios freigelegt. Bei dem Gebäude handelt es sich allerdings nicht um ein Schatzhaus, sondern um die Reste eines Kuppelgrabs. Es kann sich in Größe mit dem Schatzhaus des Atreus in Mykene messen und weist auch bautechnisch sehr starke Parallelen zu diesem auf. Zur Zeit des Pausanias, im 2. Jahrhundert n. Chr., war es noch vollständig erhalten. Überreste eines Chariten-Tempels und vor allem die hellenistische Stadtmauer sind weitere beeindruckende antike Hinterlassenschaften.

Eine byzantinische Kirche, die im Jahr 873 n. Chr. durch den Protospatharios Leon gestiftet worden war, enthält eine große Zahl von in die Wände eingearbeiteten Säulenfragmenten, die vermutlich aus den Ruinen des Charitentempels stammen.

Nach dem Sieg Sullas über Mithridates wurde bei dem Ort eine Siegesstele gesetzt, die vor kurzem wieder entdeckt wurde. Sie muss allerdings, so das Athener Kultusministerium, zunächst restauriert werden, bevor sie der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird.

Literatur

  • Erwin Freund: Orchomenos, in: Griechenland. Lexikon der historischen Stätten, hrsg. v. Siegfried Lauffer, München 1989, S. 492-494. ISBN 3-406-33302-8
  • J.A.O. Larsen: Orchomenus and the Formation of the Boeotian Confederay in 447 B.C., in Classical Philology, Bd.55, 1960, S. 9-18.
  • Mogens Herman Hansen: Orchomenos, in: An Inventory of Archaic and Classical Poleis, hrsg. v. Mogens Herman Hansen & Thomas Heine Nielsen, Oxford 2004, S. 446-448. ISBN 0-19-814099-1

Weblinks

 Commons: Orchomenos (Boeotia) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Die Einwohnerzahlen stammen aus einer Broschüre des griechischen Innenministeriums vom Mai 2010 anlässlich der Verwaltungsreform nach dem ‚Kallikratis-Gesetz‘: Elliniki Dimokratia, Ypourgeio Esoterikon, Apokendrosis ke Ilektronikis Diakyvernisis: "Programma Kallikratis," Systasi, syngrotisi Dimon, Periferion ke Apokendromenon Diikiseon gia ti Nea Architektoniki tis Aftodiikisis ke tis Apokendromenis Diikisis, Athen 2010.
  2. Ernst Meyer: Heinrich Schliemann, Kaufmann und Forscher. Zürich, Berlin, Göttingen 1969, S. 316.

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