Olympic-Klasse

Olympic-Klasse
Olympic-Klasse
Olympic und Titanic in Belfast, 6. März 1912

Olympic und Titanic in Belfast, 6. März 1912

Schiffsdaten
Land Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich (Seedienstflagge) Vereinigtes Königreich

zugehörige Schiffe

Schiffsart Passagierdampfer
Reederei White Star Line
Bauwerft Harland & Wolff, Belfast
Indienststellung 31. Mai 1911
Außerdienststellung 12. April 1935
Fahrtgebiete Transatlantikverkehr
Schiffsmaße und Besatzung
Länge
269,04 m (Lüa)
Breite Olympic, Titanic 28,19 m
Britannic 28,65 m
Tiefgang max. 10,54 m
Verdrängung Olympic, Titanic ca. 53.000 t
Britannic ca. 54.000 tdep1
Vermessung Olympic 45.324 BRT
Titanic 46.328 BRT
Britannic 48.158 BRT
 
Besatzung 850 – 900
Maschine
Maschine 29 Dampfkessel
2 4-Zyl.-Verbundmaschinen
1 Parsons-Turbine
Maschinen-
leistung
59.000 PS (43.394 kW)
Geschwindigkeit max. 24 kn (44 km/h)
Propeller 3
Transportkapazitäten
Zugelassene Passagierzahl etwa 2.500

Die Olympic-Klasse war eine Baureihe von drei Schiffen der White Star Line: RMS Olympic, RMS Titanic und HMHS Britannic (ursprünglich vorgesehener Name: Gigantic). Traditionell wurde die Klasse nach ihrem ersten Schiff, der Olympic, benannt. Alle Schiffsnamen entstammen der griechischen Mythologie. Die Umbenennung der Gigantic in Britannic ist als Reaktion auf die Titanic-Katastrophe zu verstehen. Das Unglück ist auch ausschlaggebend für den noch heute großen Bekanntheitsgrad der Olympic-Klasse in der Öffentlichkeit.

Inhaltsverzeichnis

Entstehungsgeschichte

Nach der Fertigstellung der beiden überaus erfolgreichen Schwesterschiffe RMS Lusitania und RMS Mauretania für die Cunard Line im Jahr 1907 sah sich die White Star Line gezwungen, den Bau noch größerer und fortschrittlicherer Schiffe anzustreben um so konkurrenzfähig zu bleiben. Unter der Leitung von William James Pirrie, dem Vorsitzenden der White-Star-Hauswerft Harland & Wolff in Belfast, und des Präsidenten der White Star Line, Joseph Bruce Ismay, entwickelten die Schiffbauer Alexander Carlisle und Thomas Andrews ab 1907 konkrete Pläne für den Bau einer aus drei riesigen Dampfern bestehenden Schiffsklasse, die durch ihre Größe und die Großzügigkeit ihrer Ausstattung alles bisher Dagewesene übertreffen sollten. Hohe Reisegeschwindigkeit sollte allerdings – anders als bei den beiden Cunard-Linern – beim Design der neuen Dampfer keine wesentliche Rolle spielen. Der erste Entwurf sah ein Schiff mit nur drei Schornsteinen vor, was dann auf Weisung von Pirrie aus ästhetischen Gründen auf vier Schornsteine abgeändert wurde. Durch die Verwendung des vierten Schornsteins als Lüfter ließ sich auch die bei den Cunard-Schiffen störend hohe Anzahl von Lüftern auf Deck vermeiden. Die drei Schiffe der Klasse waren somit die einzigen je gebauten Dampfschiffe mit vier Schornsteinen, von denen einer nur eine Attrappe war und als Lüfter diente. Auch einige Details der Innenausstattung wurden im Lauf der Entwurfsphase abgeändert, so wurde beispielsweise das Vorhaben, in der Ersten Klasse einen riesigen, kuppelgekrönten Speisesaal einzubauen, gestrichen und stattdessen eine besonders großzügige Freitreppe mit einer Glaskuppel vorgesehen.

Technische Details

Die Olympic-Klasse im Größenvergleich

Die drei Schiffe sollten in der Lage sein, eine Reisegeschwindigkeit von 21 Knoten zu erreichen und den Atlantik auf der Route SouthamptonNew York City innerhalb von sieben Tagen zu überqueren (die konkurrierenden Cunard-Schiffe schafften die Strecke in fünf bis sechs Tagen). Hohe Wirtschaftlichkeit beim Kohleverbrauch war ein wesentlicher Aspekt der Konstruktion, und so wurde eine neuartige Antriebsanlage für die drei Schwesterschiffe entwickelt: Zwei konventionelle Kolbendampfmaschinen trieben jeweils einen Propeller an, während ein dritter, mittschiffs installierter kleinerer Propeller von einer Turbine betrieben wurde. Diese Turbine wiederum wurde durch den Abdampf der beiden Dampfmaschinen mit Energie versorgt. Diese ungewöhnliche Kombination der beiden Antriebsarten resultierte zwar in einer insgesamt niedrigeren Geschwindigkeit, bedeutete aber durch die ökonomische Energieumsetzung und die schwachen Vibrationen der Anlage einen immensen Vorteil für die Finanzen der Reederei und den Komfort der Schiffe. Trotz der relativ niedrigen Ansprüche an die Geschwindigkeit der Schiffe erwies sich der Antrieb als äußerst leistungsstark und übertraf die Erwartungen deutlich: Die höchste bekannte Geschwindigkeit eines Schiffes der Klasse erreichte die Olympic im August 1914, als sie auf einer Überfahrt Richtung Osten vom Kriegsausbruch überrascht wurde und mit äußerster Kraft versuchte, der Gefahr durch deutsche Hilfskreuzer zu entgehen. Sie erreichte dabei 25,1 Knoten Maximalgeschwindigkeit.[1]

Bei der Innenausstattung der Ersten Klasse wurde ein bis dahin unbekanntes Ausmaß an Luxus angestrebt. Insbesondere die Privatunterkünfte der Passagiere sollten einen Komfort bieten, der trotz der höheren Geschwindigkeit der Konkurrenz viele Reisende überzeugen sollte, doch mit den White-Star-Schiffen zu fahren. Die Verwendung kostbarer Holztäfelungen, eine verschwenderische Ausstattung mit Marmor, Kristall und Gold und ein vielfältiges Angebot an öffentlichen Räumlichkeiten (darunter ein Schwimmbecken, ein Türkisches Bad, diverse Cafés und Salons) setzten neue Maßstäbe. Auch die Qualität der Unterkünfte in der Zweiten und Dritten Klasse übertraf die vergleichbarer Einrichtungen auf älteren und kleineren Schiffen deutlich.

Die Abmessungen der Schiffe waren in der damaligen Zeit beispiellos: Mit einer Länge von 269 m, einer Breite von 28,2 m und einem Rauminhalt von über 45.000 BRT waren sowohl die Olympic als auch die Titanic zum Zeitpunkt ihrer Fertigstellung die größten je von Menschenhand geschaffenen beweglichen Objekte. Bei voller Belegung boten die Schiffe jeweils etwa 3.500 Personen (einschließlich Besatzung) Platz. Trotz überwiegend gleicher Maße war jedes Schiff bei seiner Fertigstellung etwas größer als sein Vorgänger: Die Titanic übertraf die Olympic um etwa 1.000 BRT Rauminhalt, und die Britannic wiederum die Titanic um etwa 2.000 BRT. Die Vergrößerungen ergaben sich durch Zusätze an den Aufbauten. Die Britannic war zudem 46 cm breiter als ihre Schwesterschiffe.

Neben Passagieren und Fracht waren die drei Schiffe auch für den Transport von Post zwischen Großbritannien und den Vereinigten Staaten vorgesehen und trugen daher das Präfix „RMS“ für Royal Mail Ship.

Einsatzgeschichte

(Für ausführliche Angaben siehe die jeweils eigenen Artikel zu den Schiffen.)

Die Olympic im Jahr 1911. Der lange Kratzer mittschiffs zeugt von einem Missgeschick beim Anlegemanöver.
  • RMS Olympic (Stapellauf 1910, Fertigstellung 1911): Nach seinen ersten erfolgreichen Überfahrten wurde das Schiff nach dem Untergang der Titanic generalüberholt und mit zusätzlichen Rettungsbooten sowie erweiterten Sicherheitseinrichtungen ausgestattet. Im Ersten Weltkrieg als Truppentransporter verwendet, war die Olympic ab 1920 wieder auf der Atlantikroute eingesetzt und blieb bis zu ihrer Außerdienststellung 1935 eines der beliebtesten und populärsten Schiffe im Liniendienst. Sie wurde ab 1935 in Jarrow abgewrackt.
Die Titanic, das berühmteste Schiff der Olympic-Klasse
  • RMS Titanic (Stapellauf 1911, Fertigstellung 1912): Bereits auf seiner Jungfernfahrt kollidierte das Schiff in der Nacht vom 14. auf den 15. April 1912 mit einem Eisberg und versank rund zwei Stunden und vierzig Minuten nach dem Zusammenstoß etwa 300 Seemeilen südöstlich von Neufundland. Da kein anderes Schiff nahe genug war, um die Passagiere von der sinkenden Titanic abzubergen, überlebten nur die 705 Insassen der Rettungsboote den Untergang, während über 1.500 Passagiere und Besatzungsmitglieder – darunter der Kapitän und viele Spitzen der britischen und amerikanischen Gesellschaft – ums Leben kamen. Die Katastrophe gehört zu den schwersten Schiffsunglücken der Geschichte und führte zu weitreichenden Verbesserungen der Sicherheitsbestimmungen für Hochseeschiffe, die noch bis heute Gültigkeit haben.
Die Britannic als Lazarettschiff. Gut zu erkennen sind die riesigen Rettungsbootkräne im Bereich des ersten und vierten Schornsteins.
  • HMHS Britannic (Stapellauf 1914, Fertigstellung 1915): Nach der Titanic-Katastrophe wurde das letzte im Bau befindliche Schiff der Olympic-Klasse von Gigantic in Britannic umbenannt. Weitere Sicherheitsvorkehrungen – wie die Erhöhung der wasserdichten Schotten bis auf das B-Deck, eine doppelte Rumpfhülle und die Installation riesiger Rettungsbootkräne – sollten die Britannic zum sichersten Schiff der Klasse machen. Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurde sie als Lazarettschiff eingesetzt und lief in dieser Eigenschaft am 21. November 1916 im Kanal von Kea bei der Anfahrt auf den Hafen von Mudros in der Ägäis auf eine Seemine. Trotz der neuartigen Sicherheitsvorkehrungen sank die Britannic innerhalb einer Stunde, wobei von den etwa 1.100 an Bord befindlichen Menschen vermutlich 35 ums Leben kamen.

Sonstiges

  • Die Britannic war als einziges Schiff der Klasse zum Zeitpunkt ihrer Fertigstellung nicht das größte Schiff der Welt. Diesen Rekord hielt damals der deutsche Schnelldampfer Vaterland.
  • Der Olympic gelang während des Ersten Weltkriegs die Versenkung eines deutschen U-Boots durch Rammstoß.
  • Sowohl Olympic als auch Titanic galten zum Zeitpunkt ihrer Fertigstellung als „praktisch unsinkbar“. Auch die beiden Konkurrentinnen Mauretania und Lusitania wurden mit diesem Prädikat beworben. Dass – wie heute häufig fälschlich angenommen – allein die Titanic mit dieser Eigenschaft bezeichnet wurde, ist eine Legende.
  • Die für die drei Schwesterschiffe gefertigten Kolbendampfmaschinen waren die größten jemals gebauten.
  • Die Titanic ist bis heute das größte Passagierschiff, das jemals in Friedenszeiten verloren ging. Bezieht man Kriegsverluste mit ein, ist die Britannic nach der italienischen Rex das zweitgrößte gesunkene Passagierschiff überhaupt.
  • Die Abmessungen der Schiffe der Olympic-Klasse sind auch im Vergleich mit modernen Schiffen noch beachtlich: Die Allure of the Seas, das seit 2009 größte Kreuzfahrtschiff der Welt, ist nur rund 90 Meter länger und seine Gesamthöhe von rund 74 Metern ist nahezu identisch mit der Gesamthöhe der Olympic-Klasse (Kiel bis Mastspitze) von 72 Metern.

Literatur

  • Chirnside, Mark: The Olympic-Class Ships: Olympic, Titanic, Britannic. Tempus Publishing, 2004, ISBN 978-0752428680

Weblinks

 Commons: Olympic-Klasse – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Informationen zur Olympic-Klasse (englisch)

Einzelnachweise

  1. Chirnside, Marc: Olympic – Titanic's sister. NPI Media Group, 2004, S. 122.

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