Oberrüti


Oberrüti
Oberrüti
Wappen von Oberrüti
Basisdaten
Staat: Schweiz
Kanton: Aargau
Bezirk: Muriw
Gemeindenummer: 4237i1f3f4
Postleitzahl: 5647
Koordinaten: (672679 / 224410)47.1666668.397223416Koordinaten: 47° 10′ 0″ N, 8° 23′ 50″ O; CH1903: (672679 / 224410)
Höhe: 416 m ü. M.
Fläche: 5.37 km²
Einwohner: 1350 (31. Dezember 2010)[1]
Website: www.oberrueti.ch
Karte
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Oberrüti ist eine Einwohnergemeinde im Bezirk Muri im Südosten des Schweizer Kantons Aargau. Sie liegt im Reusstal.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Das Dorf liegt rund eineinhalb Kilometer vom westlichen Ufer der Reuss entfernt am Fusse eines flachen Moränenhügels, der zugleich die westliche Gemeindegrenze bildet und zur Höhe von Fenkrieden ansteigt. Die Ebene zwischen dem Dorf und dem Fluss ist völlig flach, abgesehen von zwei Drumlins. Diese sind zwar nur wenige Meter hoch, prägen aber die Landschaft entscheidend. Der Fluss wird auf seiner ganzen Länge durch einen Hochwasserschutzdamm begrenzt. Parallel dazu verläuft in einer Entfernung von 100 bis 500 Metern ein künstlich angelegter Entwässerungskanal. Gegen Norden hin verengt sich die Flussebene. Neben dem eigentlichen Dorf gibt es noch die Weiler Widen (½ km östlich), An der Rüss (1 km östlich) und Beuggen (1 km nordöstlich) sowie mehrere Einzelhöfe.[2]

Die Fläche des Gemeindegebiets beträgt 537 Hektaren, davon sind 82 Hektaren bewaldet und 53 Hektaren überbaut. Der höchste Punkt befindet sich auf 495 Metern an der südwestlichen Gemeindegrenze, der tiefste auf 400 Metern an der Reuss.

Nachbargemeinden sind Sins im Westen und Norden, Hünenberg im Osten sowie Dietwil im Süden.

Geschichte

Es wird angenommen, dass das Dorf im 8. oder 9. Jahrhundert von eingewanderten Alamannen gegründet worden ist. Im Jahr 1236 erfolgte die erste urkundliche Erwähnung von Ruty in einem Schutzbrief des Papstes an das Kloster Engelberg. Der Ortsname stammt vom althochdeutschen (ze riuti) und bedeutet «bei der Rodungsstelle».[3] Bereits 1231 war ein Freiherr von Rüthi als Stifter des Klosters Frauenthal verzeichnet. Die Freiherren, ein Ministerialengeschlecht der Habsburger, verschwanden jedoch in der Mitte des 14. Jahrhunderts und von ihrer Burg ist nichts erhalten geblieben. Inhaber der hohen Gerichtsbarkeit und der Landesherrschaft waren die Habsburger, die das Dorf dem Amt Meienberg zuteilten. Die erste Kirche datiert von 1265.

1415 eroberte Luzern das Amt Meienberg, musste es aber 1425 an den gemeinsamen Besitz der Eidgenossen zurückgeben. Aus den eroberten Gebieten wurden die Freien Ämter gebildet, eine Gemeine Herrschaft. Die niedere Gerichtsbarkeit gehörte seit Mitte des 14. Jahrhunderts den Herren von Hünenberg, danach dem Kloster in Kappel am Albis. Sie wurde schliesslich 1498 an die Stadt Zug verkauft. Die Zuger konnten dadurch einen grossen Einfluss auf das Dorf ausüben, obwohl es rechtlich gesehen zum gemeinsamen Besitz der Eidgenossen gehörte. Dies führte häufig zu Kompetenzstreitigkeiten. Auch die Pfarrherren stammten stets aus Zug. An der Reuss wurde Gold gewaschen, die Vorkommen waren allerdings um 1630 erschöpft.

Im März 1798 marschierten die Franzosen in die Schweiz ein und riefen die Helvetische Republik aus. Oberrüti gehörte zum Distrikt Muri im kurzlebigen Kanton Baden. Die helvetische Verfassung von 1802 sah die Zugehörigkeit zum Kanton Zug vor, doch Napoléon Bonaparte verfügte im Februar 1803 den Anschluss an den Kanton Aargau.

Brücke über die Reuss, Oberrüti im Hintergrund

1869 wurde die Aargauische Südbahn gegründet, um einen Anschluss an die sich in Bau befindende Gotthardbahn zu schaffen. Nachdem die direkte Linienführung von Sins nach Cham früh aufgegeben worden war, sahen die Pläne einen Bahnhof weit abseits des Dorfes auf der gegenüberliegenden Seite der Reuss vor. Doch Oberrüti setzte sich erfolgreich dafür ein, dass die Reussbrücke zwei Kilometer weiter südlich gebaut wurde. Dadurch kam auch der Bahnhof viel näher beim Dorf zu liegen. Der Abschnitt MuriRotkreuz konnte schliesslich am 1. Dezember 1881 eröffnet werden.

Viele Jahrhunderte lang mäandrierte die Reuss sehr stark und trat mehrmals über die Ufer. Nach einer besonders verheerenden Überschwemmung im Jahr 1911 beschloss der Kanton eine Flusskorrektion, die jedoch erst in den 1930er Jahren beendet werden konnte. Bis in die 1950er Jahre wurde fast die gesamte Reussebene trockengelegt. Ein kleiner Rest des ehemaligen Feuchtgebietes steht heute unter Naturschutz.

Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein blieb Oberrüti ein kleines Dorf, das hauptsächlich von der Landwirtschaft lebte. Viele Jahrzehnte lang stagnierte die Bevölkerungszahl. Doch dann sorgten die Eröffnung der Autobahn A14 in unmittelbarer Nähe sowie die Nähe zu den Agglomerationen von Luzern und Zug für einen Wachstumsschub. Das Dorf entwickelte sich zu einer Wohngemeinde und die Bevölkerungszahl stieg seit 1970 um fast das Dreifache.

Sehenswürdigkeiten

Pfarrkirche St. Rupert

Die Pfarrkirche St. Rupert scheint schon im 13. Jahrhundert existiert zu haben. Trotz einer Erweiterung 1773/74 erwies sich der Vorgängerbau als zu klein, weshalb ein neues Gebäude notwendig wurde. 1862 genehmigte die Ortsbürgergemeinde zunächst ein Projekt von Joseph Caspar Jeuch, das beim damaligen Verweser Jakob Stammler jedoch aus ästhetischen Gründen auf Ablehnung stiess. Daraufhin entwarf der Mainzer Dombaumeister Ludwig Metternich ein zweites Projekt, das schliesslich ausgeführt wurde. Die Einweihung erfolgte am 25. Oktober 1865. Von der alten Kirche blieb der vor 1584 gebaute gotische und 1883 um 18 Meter erhöhte Turm bestehen.[4]

Wappen

Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet: «In Gelb gebogene schwarze Hirschstange mit kleeblattartigem Grind.» Das heute verwendete Wappen taucht erstmals 1612 auf einer Standesscheibe der Stadt Zug auf. Ursprünglich war es das Wappen der Edlen von Rüti bei Rohrbach im Kanton Bern gewesen, das jedoch nach deren Aussterben freigeworden war. 1933 wurde es definitiv eingeführt und löste damit das zwischenzeitlich verwendete Wappen, eine Axt auf rotem Grund, ab.[5]

Bevölkerung

Bevölkerungsentwicklung:[6]

Jahr 1850 1900 1930 1950 1960 1970 1980 1990 2000
Einwohner 539 409 461 479 471 437 506 714 1097

Am 31. Dezember 2010 lebten 1350 Menschen in Oberrüti, der Ausländeranteil betrug 9,2 %.[7] Bei der Volkszählung 2000 waren 73,2 % römisch-katholisch und 19,0 % reformiert; 1,3 % gehörten anderen Glaubensrichtungen an. 97,2 % gaben Deutsch als Hauptsprache an.[8]

Politik und Recht

Die Versammlung der Stimmberechtigten, die Gemeindeversammlung, übt die Legislativgewalt aus. Ausführende Behörde ist der fünfköpfige Gemeinderat. Seine Amtsdauer beträgt vier Jahre und er wird im Majorzverfahren (Mehrheitswahlverfahren) vom Volk gewählt. Er führt und repräsentiert die Gemeinde. Dazu vollzieht er die Beschlüsse der Gemeindeversammlung und die Aufgaben, die ihm von Kanton und Bund zugeteilt wurden.

Für Rechtsstreitigkeiten ist das Bezirksgericht Muri zuständig. Oberrüti gehört zum Friedensrichterkreis Sins.

Wirtschaft

In Oberrüti gibt es gemäss Betriebszählung 2005 rund 270 Arbeitsplätze, davon 30 % in der Landwirtschaft, 38 % in der Industrie und 32 % im Dienstleistungssektor[9] Die meisten Erwerbstätigen sind Wegpendler und arbeiten in den Agglomerationen der Städte Luzern und Zug.

Verkehr

Die Hauptstrasse LenzburgLuzern führt mitten durch Oberrüti. Ein Anschluss der Autobahn A14 liegt rund vier Kilometer südlich. Das Dorf besitzt eine Bahnstation an der SBB-Eisenbahnlinie AarauArth-Goldau. Ausserdem verkehrt eine Buslinie der Zugerland Verkehrsbetriebe zwischen den Bahnhöfen Sins und Gisikon-Root.

Bildung

Die Gemeinde verfügt über einen Kindergarten und eine Primarschule. Sämtliche Oberstufen der obligatorischen Volksschule (Realschule, Sekundarschule, Bezirksschule) können in Sins besucht werden. Die nächstgelegene Kantonsschule (Gymnasium) befindet sich in Wohlen.

Persönlichkeiten

Literatur

  • Franz Stöckli, Ulrich Widmer; Einwohnergemeinde Oberrüti (Hrsg.): Dorfgeschichte Oberrüti. Oberrüti 2004.

Weblinks

 Commons: Oberrüti – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Bevölkerungsstatistik, 2. Halbjahr 2010, Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 28. März 2011
  2. Landeskarte der Schweiz, Blatt 1130 und 1131, Swisstopo
  3. Beat Zehnder: Die Gemeindenamen des Kantons Aargau. In: Historische Gesellschaft des Kantons Aargau (Hrsg.): Argovia. Band 100, Verlag Sauerländer, Aarau 1991, ISBN 3-7941-3122-3, S. 329–331.
  4. Georg Germann; Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte (Hrsg.): Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau. Band V: Bezirk Muri, Birkhäuser Verlag, Basel 1967.
  5. Joseph Galliker, Marcel Giger: Gemeindewappen des Kantons Aargau. Lehrmittelverlag des Kantons Aargau, Buchs 2004, ISBN 3-906738-07-8, S. 240.
  6. Bevölkerungsentwicklung der Gemeinden im Bezirk Muri, Statistisches Amt des Kantons Aargau
  7. Bevölkerungsstatistik 2. Halbjahr 2007 - Statistisches Amt des Kantons Aargau
  8. Gemeindeporträt, Statistisches Amt des Kantons Aargau
  9. Betriebszählung 2005, Statistisches Amt des Kantons Aargau

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