Obed-Zeit


Obed-Zeit
Verbreitungskarte der Obed-Kultur.

Die Obed-Zeit (auch Obed-Horizont oder englisch Ubaid culture) ist eine archäologische Periode des späten Chalkolithikums in Mesopotamien. Sie dauerte von etwa 5500 bis 3500 v. Chr.

Inhaltsverzeichnis

Forschungsgeschichte

Die Obed-Zeit ist nach dem Fundort Tell el-Obed benannt, einem Siedlungshügel (Tell) in Mesopotamien.

Chronologie

Die Obedkultur dauerte etwa von 5500 bis 3500 v. Chr.[1] Definiert wird die Obed-Phase durch die Keramik. Ihre Verzierung besteht aus dunklen, umlaufenden Bändern und dazwischen eingefügten Mustern. Das Musterrepertoire ist gegenüber früherer Perioden merklich vereinfacht. Die Ausführung der Zeichnungen deutet auf die Nutzung einer drehbaren Arbeitsplatte (Tournette), jedoch noch keiner sich drehenden Töpferscheibe. Die Keramik wurde zunächst nur im Süden Babyloniens hergestellt. Später breitete sie sich über ganz Vorderasien bis nach Mersin (Kilikien), Syrien und Ostanatolien aus.

Man unterscheidet anhand der Verzierung und der Färbung der Keramik vier Perioden :

  • Eridu-Keramik: etwa 5500 v. Chr.
  • Obed I: etwa 5300 v. Chr.
  • Obed II: etwa 4800 v. Chr.
  • Obed III: etwa 4400 v. Chr.
  • Obed IV: etwa 3900 v. Chr.

Danach beginnt die älteste Stufe der Urukperiode.

Siedlungen

In dieser Periode wurde in Mittelmesopotamien Landwirtschaft bereits mit Hilfe künstlicher Bewässerung betrieben. Die bekanntesten Siedlungen dieser Periode sind Eridu, Ur und das namensgebende Tell el-Obed. Es tritt ein Haus mit neuartigem Grundriss auf, das Mittelsaalhaus. Hier diente ein zentraler Raum als funktionales Zentrum und Verteiler zu den angrenzenden Räumen. Bitumenreste als Fragmente von Dichtmaterial für Schiffe, die mehr als 7000 Jahre alt sind, haben Archäologen in as-Sabiyah (Kuwait), einem neolithischen Dorf, am Rand einer Lagune entdeckt. Vermutlich existierte dort eine Anlegestelle für mesopotamische Händler. Es spricht einiges dafür, dass die Keramik von Obed, die man entlang der arabischen Halbinsel bis nach Bahrain und Katar und am anderen Ufer des Persischen Golfs fand, über das Meer und nicht auf dem Landweg befördert worden ist.

Sozialstruktur

Neu scheinen auch die sich in unterschiedlichen Bauten ausdrückenden Statusunterschiede zu sein. Ebenso fanden sich zentrale Gemeinschaftsbauten, die offensichtlich nicht für den Kult verwendet wurden. Besonders aufschlussreich ist hier das komplett ergrabene Tell Abade. Es ist sehr wahrscheinlich, dass sich die Entwicklung einer politischen und/oder religiösen Elite schon vollzogen hatte, also eine Hierarchisierung stattgefunden hatte.

Erstmals scheinen sich auch überregionale Zentren herausgebildet haben. So fand man in Tepe Gaura drei große Zentralbauten (möglicherweise „Tempel“), die unmöglich nur für eine Siedlung dieser Größe bestimmt sein konnten. Es ist anzunehmen, dass dieser Ort das kultische Zentrum der Region war. Insgesamt ist der Befund durch das Fehlen weiterer aussagekräftiger Funde bisher noch unvollständig und unscharf. Nur in der Susiana kann man ein überregional kultisches Zentrum mit großer Sicherheit nachweisen, da man hier ein größeres Areal untersucht und in kleineren Orten keine Kultbauten wie in Susa gefunden hat.

Wirtschaft

In der Wirtschaft wurden schon Kontrollmechanismen angewendet, was sich durch die Funde von Zählmarken und Stempelsiegeln in einer großer Bandbreite an Mustern belegen lässt, die vor allem an Terrakotten von kleinen Menschen und Tieren gefunden wurden. Auch die Anlage von Bewässerungskanälen – allerdings im Regenfeldbau – wurde nachgewiesen.

Ausbreitung

Warum diese Kultur im Vergleich zu ihren Vorgängern so weit verbreitet war, ist umstritten. Lange Zeit wurde angenommen, dass die Obed-Leute wanderten. Neuere Theorien gehen von einer gleichzeitigen, konvergierenden Entwicklung bei unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen aus. Nicht unbeeinflusst voneinander, aber doch eigenständig, könnten sich die sozio-ökonomischen Strukturen parallel entwickelt und ausgedrückt haben, eher durch den kulturellen Austausch als durch einwandernde Gruppen veranlasst.

Zeitgleiche Kulturen

Die Entwicklung im iranischen Hochland verläuft in Teilen ähnlich. Die Keramik wurde wie in den anderen Teilen Vorderasiens bemalt – allerdings waren die Muster meist figürlicher als anderswo. Jedoch ist das Mittelsaalhaus nicht nachgewiesen. Schon hier scheint die traditionelle Verbindung zwischen Mesopotamien und dem Iran zu beginnen. Zum einen bestand in der Folgezeit immer eine kulturelle Verbindung, zum anderen bewahrten sich die Iraner immer auch ihre kulturelle Eigenständigkeit.

Literatur

  • Barthel Hrouda (Hg.): Der alte Orient, Bertelsmann, Gütersloh 1991
  • Barthel Hrouda: Mesopotamien. Die antiken Kulturen zwischen Euphrat und Tigris, C. H. Beck, München 1997 (Beck'sche Reihe Wissen)
  • Hans J. Nissen: Geschichte Altvorderasiens, Oldenbourg, München 1999 (Oldenbourg Grundriss der Geschichte, Band 25) ISBN 3-486-56373-4
  • Reinhard Bernbeck: Die Auflösung der häuslichen Produktionsweise: das Beispiel Mesopotamiens, Reimer, Berlin 1994 (Berliner Beiträge zum Vorderen Orient 14)
  • S. A. Kubba: Architecture and linear measurement during the Ubaid Period in Mesopotamia. Hedges, Oxford 1998, ISBN 0-86054-944-5.
  • Cinzia dal Maso: Die schwarzen Schiffe von Magan. In: Spektrum der Wissenschaft Spezial 2/2003 S. 34ff

Anmerkungen

  1. Michale Rice: The Archaelogy of the arabian Gulf. S. 330.

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