Nordwestzeitung

Nordwestzeitung
Nordwest-Zeitung
Beschreibung Tageszeitung für das Oldenburger Land
Sprache Deutsch
Verlag Nordwest-Zeitung Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG
Erstausgabe 26. April 1946
Erscheinungsweise montags bis sonnabends
Auflage
(IVW Q4/2008)
122.943 Exemplare
Verbreitete Auflage
(IVW Q4/2008)
125.757 Exemplare
Chefredakteur Rolf Seelheim
Weblink NWZOnline
ZDB 1013877-8

Die Nordwest-Zeitung (NWZ) ist eine 1946 von Fritz Bock gegründete Regionalzeitung für das nordwestliche Niedersachsen, die täglich außer sonntags in Oldenburg erscheint. Sie wird herausgegeben von der Nordwest-Zeitung Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG, einer Tochtergesellschaft der Nordwest Medien GmbH & Co. KG. Die Auflage im 4ten Quartal 2008 beträgt 122.943 Exemplare. Die NWZ hat das Berliner Format. Das Blatt gilt als konservativ und tritt am Markt monopolbewusst auf.

Inhaltsverzeichnis

Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der NWZ umfasst im wesentlichen die niedersächsischen Kreise des Oldenburger Landes: die Stadt Oldenburg sowie die Landkreise Cloppenburg, Vechta, Oldenburg, Ammerland, Wesermarsch und den Landkreis Friesland. Mehrere verschiedene Lokalausgaben berichten über die Regionen: Die "Oldenburger Nachrichten", die "Oldenburger Kreiszeitung" (mit "Zeitung für Ganderkesee"), die "Ammerländer Nachrichten", die "Wesermarsch-Zeitung", "Der Münsterländer" und die "Kreiszeitung Friesland" (als "Jeverlandbote" oder als "Der Gemeinnützige").

Monopolist ist die NWZ in Oldenburg (Stadt) und dem Kreis Ammerland. In den anderen Gebieten tritt sie gegen örtliche Blätter an. Nach eigenen Angaben hat die Zeitung im Kerngebiet um Oldenburg einen Marktanteil von etwa 70 Prozent, im gesamten Verbreitungsgebiet von etwa 50 Prozent.

Beteiligungen und Kooperationen

Neben seinem eigenen Zeitungsgeschäft hält der Verlag Beteiligungen an Rundfunk- und Fernsehsendern, aber auch an kleineren Lokalzeitungen in Nordwestdeutschland. In den letzten Jahren expandierte die Nordwest-Zeitung Verlagsgesellschaft massiv über das Verbreitungsgebiet der Nordwest-Zeitung hinaus. U.a. erwarb sie Beteiligungen an der in Leer (Ostfriesland) ansässigen Zeitungsgruppe Ostfriesland, an der Emder Zeitung und am Ostfriesischen Kurier. Bei diesen Zukäufen geriet die NWZ ins Visier des Bundeskartellamtes, da die Beteiligungen dem Kartellamt hätten gemeldet werden müssen. Die Nordwest-Verlegerfamilien Köser und Bothmer hatten sich am Bundeskartellamt vorbei auf zwei Wegen in Ostfriesland eingekauft: Einmal direkt mit 15,6 Prozent und zusätzlich über die KB Vermögensverwaltungsgesellschaft. Der Holding, deren Kürzel für die Eignerfamilien steht, gehörten zuletzt 20 Prozent. Mit diesem Kniff hielten die Verlegerfamilien ihre Anteile offiziell unter 25 Prozent. Nach einer Durchsuchung im NWZ-Verlagshauses im Juni 2006 wurden mehrere Dutzend Aktenordner beschlagnahmt, außerdem wurde die NWZ abgemahnt und das größte Entflechtungsverfahren der vergangenen Jahre in der Verlagsbranche eingeleitet. Der Fall sorgte Anfang 2007 bundesweit für Aufmerksamkeit, u.a. berichtete der Norddeutsche Rundfunk ausführlich in seinem Medienmagazin ZAPP[1].

Am 2. Oktober 2007 kündigten die Geschäftsführer der Nordwest-Medien GmbH & Co. KG (NW-Medien) an, eine Entflechtung für die Beteiligung an der Zeitungsgruppe Ostfriesland sowie der Arbeitsgemeinschaft Ostfriesischer Zeitungsverlage einzuleiten. Familienangehörige der NW-Medien-Gesellschafter, die offenbar als Strohmänner die Geschäfte der in Ostfriesland erworbenen Zeitungen geführt hatten, würden ihre Anteile an die Mitgesellschafter der betreffenden Verlage geben. In der Branche wurde diese von der NW-Medien als freiwillig bezeichnete Entflechtung als klarer Punktsieg des Bundeskartellamts gewertet.[2]

Mantelseiten

Die NWZ beliefert auch andere Blätter mit den eigenen überregionalen Mantelseiten: Die Ostfriesen-Zeitung in Leer, die Wilhelmshavener Zeitung, die Borkumer Zeitung, den General-Anzeiger in Rhauderfehn, die Norderneyer Badezeitung, den Ostfriesischen Kurier in Norden sowie das Jeversche Wochenblatt und den Anzeiger für Harlingerland in Jever und Wittmund.

Das Delmenhorster Kreisblatt in der kreisfreien Stadt Delmenhorst hat hingegen diese Zusammenarbeit 2005 gekündigt und sich dem Bremer Weser-Kurier als Mantelgeber zugewendet. Ähnlich verfuhren die Rheiderland-Zeitung in Weener und die Ostfriesischen Nachrichten in Aurich. Beide wechselten 2005 von der NWZ zur Neuen Osnabrücker Zeitung. Auch die Grafschafter Nachrichten sind aus der Kooperation mit der NWZ ausgeschert.

Rügen und Missbilligungen des Presserats

Im März 2007 wurde die Nordwest-Zeitung wegen Schleichwerbung vom Presserat öffentlich gerügt. Der Presserat beanstandete einen Artikel der NWZ, in dem ausführlich und im Stile eines PR-Textes über den Verkauf von Autos in einer regionalen Verbrauchermarktkette berichtet wurde. Die öffentliche Rüge ist die höchste Sanktionsform des Presserats. Sie wird in besonders schweren Verstößen gegen den Pressekodex gewählt. Die öffentliche Rüge sollte gemäß Ziffer 16 Pressekodex von der gerügten Zeitung abgedruckt werden. Dies hat die NWZ allerdings nicht getan.

Ferner hat die NWZ am 13. März 2007 eine Missbilligung vom Presserat erhalten, weil sie über Vorfälle während einer Oldenburger Neonazi-Demonstration in übertriebener Weise und im konstruierten Zusammenhang berichtet hatte (“Innenminister verstärkt Polizeischutz” vom 17. Oktober 2006 und “Auch in Osnabrück Anschlag auf Amtsleiter” vom 18. Oktober 2006). Da die Berichterstattung derart fehlerhaft war, schlussfolgerte der Presserat einstimmig: "Der Beschwerdeausschuss hält den Verstoß gegen die Ziffer 2 des Pressekodex für so schwerwiegend, dass er gemäß § 12 der Beschwerdeordnung die Maßnahme der Missbilligung wählt." Der Presserat empfiehlt "als Ausdruck fairer Berichterstattung" Missbilligungen abzudrucken. Die NWZ ist der Empfehlung nicht gefolgt.

Tarifflucht

Laut einer Liste des Deutschen-Journalisten-Verbandes (DJV) begeht der Verlag der NWZ Tarifflucht dadurch, dass er Leiharbeitnehmer beschäftigt statt festanzustellen. (DJV-Liste: "Das Blatt beschäftigt Leiharbeitnehmer, die unter den Redakteurstarifen bezahlt werden.")[3]

In der Berichterstattung auf der Internetseite des DJV über die bundesweiten Streiks im Mediengewerbe im Frühjahr 2004 sprach die Gewerkschaft von einem "unglaublichen Skandal", den die Geschäftsführer und der Chefredakteur mitgetragen haben:

"Nordwest-Zeitung: Shoppen statt streiken
14.02.04 Wie erst heute bekannt wurde, ereignete sich am Donnerstag Abend bei der Nordwest-Zeitung (NWZ) ein unglaublicher Skandal. Dem Betriebsrat liegt eine Protokollnotiz vor, in der von einem Redakteur, der selbst nicht am Streik teilnimmt, detailliert die von ihm selbst miterlebten Vorgänge beschrieben werden. Danach bestellte NWZ-Geschäftsführer Ulrich Gathmann am Donnerstag alle nicht streikenden Redakteure für 19.15 Uhr in das Oldenburger NWZ-Foyer, weil er sich persönlich für die geleistete Arbeit bedanken wolle. In Anwesenheit des Chefredakteurs Rolf Seelheim eröffnete der Geschäftsführer den Mitarbeitern, dass sich das Oldenburger Bekleidungshaus Leffers für die Jubiläums-Berichterstattung in der NWZ bedanken wolle. Deshalb seien die Redakteure zum Essen eingeladen, und jeder von ihnen erhalte einen Einkaufsgutschein in Höhe von 500 Euro. Gegen 19.30 Uhr brach der NWZ-Chefredakteur mit mehreren nicht streikenden Redakteuren zu Sinn-Leffers auf, wo sie durch den Hintereingang eingelassen wurden. Denn Ladenschluss ist donnerstags um 19 Uhr. Winfried Kramer, Geschäftsführer bei Leffers, wollte auf Befragen nur soviel zu den Ereignissen am Donnerstag sagen: „Wir haben Gäste gehabt.“" DJV: Streiklichter

"20.02.04 Ihre Morgenaktion absolvierten 50 Kollegen von der Nordwest-Zeitung noch allein in der Oldenburger Innenstadt. Der Informationsstand war optimal vor der Leffers-Filiale platziert, in der unlängst Streikbrecher kostenlos verköstigt und eingekleidet wurden. [...]" DJV: Streiklichter

Am 4. Dezember 2007 berichtete das ZDF-heute-journal u.a. über die Tochter-Leiharbeitsfirmen der NWZ-Verlagsgesellschaft; so kann weniger Lohn für Verlagmitarbeiter bezahlt werden. Über 10% der Belegschaft werden nicht mehr nach Tariflohn bezahlt.

Einzelnachweise

  1. http://www3.ndr.de/ndrtv_pages_video/0,,SPM2488_VID3667908,00.html Film ansehen (weitere Links siehe unten)
  2. TAZ-Bericht über Entflechtungsverfahren
  3. DJV-Liste über Tarifumgehung der Verlage

Weblinks


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