Neue Wiener Porzellanmanufaktur Augarten

Neue Wiener Porzellanmanufaktur Augarten
Neue Wiener Porzellanmanufaktur Augarten GmbH
Unternehmensform GmbH
Gründung 1718
Unternehmenssitz Wien
Unternehmensleitung

Erhard F. Grossnigg

Branche Porzellan
Produkte

Porzellanwaren, Besteck

Website

www.Augarten.at

Die Porzellanmanufaktur Augarten ist eine österreichische Porzellanmanufaktur und nach Meißener Porzellan die zweitälteste in Europa. Benannt ist sie nach dem Augarten, jenem Park, in dem ihre Manufakturgebäude (Schloss Augarten und ein in der Zweiten Republik errichteter Erweiterungsbau) Nachbarn des Palais Augarten der Wiener Sängerknaben sind.

Von der kunsthistorischen Bedeutung her ist Augartenporzellan mit Meißen und der Porzellanmanufaktur Nymphenburg vergleichbar. Die Stücke werden in der Manufaktur im 2. Wiener Gemeindebezirk Leopoldstadt händisch hergestellt. Die Produkte von Augarten sind das teuerste österreichische Porzellan und werden auch für Staatszwecke wie in der Hofburg, dem Bundeskanzleramt und österreichischen Botschaften, sowie als Staatsgeschenke verwendet. Die Produktpalette umfasst Vasen, Speise-, Tee- und Kaffeeservices, Figuren, Lampen und Geschenke. Die Entwürfe kommen aus verschiedenen Zeitperioden. Neben der Chinoiserie, Klassizismus, Blumen-Buketts, Biedermeier, Jagd und Natur stehen Art Déco und Moderne zur Auswahl.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Wiener Porzellanmanufaktur Augarten
Service für den Bundespräsidenten, mit dem Wappen von Österreich in Gold versehen
Porzellanservice für eine Hochzeit
Figur vom Lipizzaner mit Reiter von der Spanischen Hofreitschule
Zuckerschachteln aus dem Biedermeier sind besonders bei Damen beliebt
Filiale am Stock-im-Eisen-Platz 3 in Wien
Schauraum der Filiale am Stock-im-Eisen-Platz

Barock

Die Geschichte der Manufaktur reicht bis ins 18. Jahrhundert zurück. 1718 wurde die Manufaktur unter der Herrschaft von Kaiser Karl VI. gegründet, um das sogenannte kostbare „Weiße Gold“ zu produzieren.

Am 25. Mai 1718 wurde ein Spezialprivilegium von Kaiser Karl VI. unterzeichnet. Der Kaiser verlieh dem kaiserlichen Beamten Claudius Innocentius du Paquier eine Monopolstellung auf die Rechte der Porzellanherstellung innerhalb der Habsburgischen Länder. Die Manufaktur befand sich ursprünglich in der heutigen Porzellangasse im 9. Wiener Bezirk. Hier wurde das Porzellan von Hand hergestellt, die den kaiserlichen Hof und Adel belieferte. Der spätbarocke Stil wird heute noch die „Du-Paquier-Periode“ genannt.

Rokoko

1744 wurde die Manufaktur unter Kaiserin Maria Theresia von Österreich verstaatlicht. Unter ihrer Herrschaft wurde die Verwendung des österreichischen Bindenschildes in blauer Farbe eingeführt, mit dem jedes Stück unten als Fälschungssicherung versehen wird. Dieses Merkmal wird nach Auftragen mit dem Rest des Produktes glasiert, sodass es nicht mehr entfernt werden kann. Die Manufaktur erzeugte in dieser Zeit Produkte im typisch verspielten Rokoko, inspiriert von der Arbeit des französischen Malers Antoine Watteau.

Klassizismus

Der Klassizismus reichte vom späten 18. Jahrhundert bis ins frühe 19. Jahrhundert. Conrad Sörgel von Sorgenthal ist in dieser Zeit Direktor der Manufaktur. Dem Zeitgeist entsprechend konzentrierte man sich auf Produkte mit schlichten, geraden Linien, ohne Verschnörkelungen und wenig Zierrat in dezentem Weiß gehalten. Beliebte Motive kamen aus der Natur, wie Füllhörner, Akanthusblattranken und Palmetten.

Die Kriege unter Napoléon Bonaparte im frühen 1800 brachten die Manufaktur an den Rand des Ruins. Mit dem Wiener Kongress 1814/15 konnte der Aufschwung wieder einsetzen. Durch den Besuch der vielen internationalen Gäste und rauschenden Feste die in Wien gehalten wurden, war der Bedarf an hochwertigem Porzellan sprunghaft angestiegen. Das Porzellan wurde auch oft als Geschenk weitergereicht. Der preußische König Friedrich Wilhelm III. und Zar Alexander I. besuchten die Manufaktur.

Biedermeier

In der Biedermeierzeit wuchs das Bürgertum und ergänzte die Kundenpalette von Hof und Adel. Mit dem zunehmenden Bewusstsein und Wohlstand wollte auch das Bürgertum Augarten Porzellan besitzen. In dieser Zeit waren Motive mit Blumen besonders beliebt.

Schließung 1864

Trotz großer Beliebtheit, höchster Qualität und dem Status als kaiserlichen Hoflieferanten im ärarischen Besitz (im Besitz des Hofes) seit der Gründung, konnte die Manufaktur den Wandel der Zeit nicht mithalten. Mit der zunehmenden Industrialisierung und der billigen Massenherstellung aus Böhmen erlitt die Manufaktur immer mehr Verluste. 1864 kam der Konkurs und das traditionsreiche Unternehmen konnte finanziell nicht gerettet werden und musste schließen. Das Vermächtnis wie die Skizzen und Entwürfe für die Produkte wurden vom k.k. Österreichisches Museum für Kunst und Industrie (heute Österreichisches Museum für angewandte Kunst) in ihre Sammlung eingegliedert.

Moderne

Nach Ende der Donaumonarchie und der Stabilisierung der Nachkriegswirtschaft konnte am 2. Mai 1923 im Schloss Augarten die Manufaktur unter dem neuen Namen „Wiener Porzellanmanufaktur Augarten“ wieder eröffnet werden. Das Art Déco war in dieser Zeit sehr beliebt und die Produkte wurden von Künstlern wie Franz von Zülow, Josef Hoffmann und Michael Powolny entworfen. Obwohl die Manufaktur immer wieder in finanzielle Schwierigkeiten geraten ist, kann sie sich bis heute behaupten. Die Manufaktur produziert nach wie vor Altbewährtes aus allen Zeitrichtungen. Künstler wie Friedrich Ludwig von Berzeviczy-Pallavicini, Walter Bosse, Yu Feng, Joseph Nigg, Gottfried Palatin, Ena Rottenberg, Claudia Stuhlhofer Mayr und Robert Ullmann sorgen für immer neue Entwürfe.

Signierung

Auf jedem Produkt von Augarten kommt das blaue Bindenschild aufgestempelt. Des Weiteren wird die Malernummer, Dekornummer und Formnummer aufgetragen[1].

Filialen

Augarten unterhält mehrere Geschäfte in Wien und Österreich sowie einen Laden in Tokio. Das Schloss selber steht zur Besichtigung offen. Besucher können dort einen Einblick in die Produktionsweise von Augarten Porzellan gewinnen. Beim Abschluss der Führung erwartet das größte Augarten-Geschäft die Kunden.

Die Produkte sind nicht nur in Österreich sehr begehrt, auch bei Japanern finden die Produkte immer wieder großen Absatz. Die Filiale am Touristenmagnet Graben / Stock-im-Eisen-Platz hat extra eine japanische Kundenbetreuerin. Im Kaiserpalast von Tokio wurde Augarten-Porzellan ebenfalls gesichtet[2].

Einzelnachweise

  1. Augarten Wien - Porzellanmanufaktur - Signierung
  2. Frau im Spiegel, Nr.10 - 1.März 2007

Literatur

  • Reinhard Engel, Marta Halpert: Luxus aus Wien II. Czernin Verlag, Wien 2002. ISBN 3-7076-0142-0
  • Waltraud Neuwirth. Die Wiener Porzellan- Manufaktur Augarten. Jugend u. Volk, Wien (1996). ISBN 3224188677
  • Waltraud Neuwirth. Wiener Porzellan. Original, Kopie, Verfälschung, Fälschung. Jugend u. Volk, Wien. (1996) ISBN 3224188677
  • Waltraud Neuwirth. Porzellan aus Wien. Von du Paquier zur Manufaktur im Augarten. Jugend u. Volk, Wien (1992) ISBN 3811360841
  • Waltraud Neuwirth. Wiener Porzellan. 1744-1864. Neuwirth, Wien (1983). ISBN 3900282110
  • Wilfried Seipel (Hg.). Weißes Gold aus Europa. Ausstellungskatalog, Kunsthistorisches Museum. Wien (1997). ISBN 3-900325-79-0
  • Wilhelm Siemens. Impulse - Europäische Porzellanmanufakturen als Wegbereiter internationaler Lebenskultur. Zweckverband Dt. Porzellanmuseum, (1995). ISBN 3927793434

Weblinks

48.22369444444416.3784722222227Koordinaten: 48° 13′ 25″ N, 16° 22′ 42″ O


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