Nerchau


Nerchau
Nerchau
Stadt Grimma
Wappen der ehemaligen Stadt Nerchau
Koordinaten: 51° 16′ N, 12° 47′ O51.27083333333312.789444444444140Koordinaten: 51° 16′ 15″ N, 12° 47′ 22″ O
Höhe: 140 m ü. NN
Fläche: 39,94 km²
Einwohner: 3.860 (31. Dez. 2010)
Eingemeindung: 1. Jan. 2011
Postleitzahl: 04685
Vorwahl: 034382
Nerchau (Sachsen)
Nerchau
Nerchau
Lage von Nerchau in Sachsen

Nerchau ist ein Ortsteil der Großen Kreisstadt Grimma im sächsischen Landkreis Leipzig. Am 1. Januar 2011 wurde die Fusion mit Grimma vollzogen.[1]

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Geographische Lage

Nerchau liegt im Tal der Vereinigten Mulde zwischen Grimma und Wurzen im Landkreis Leipzig in Sachsen.

Ortsgliederung

Ortsteile von Nerchau waren:

  • Gaudichsroda,
  • Golzern,
  • Gornewitz,
  • Grottewitz,
  • Löbschütz,
  • Schmorditz,
  • Serka,
  • Thümmlitz,
  • Würschwitz.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Regelmäßige Veranstaltungen

  • Schützenfest (Juli/August)
  • Mulde-Regatta (August)
  • Muldentalhalbmarathon Wurzen-Grimma (April)

Wirtschaft und Verkehr

Verkehr

Südlich der Ortslage verläuft die Autobahn A 14.

Ansässige Unternehmen

Nerchau ist vor allem durch die 1834 von den Gebrüdern Hessel gegründete Farbenfabrik bekannt. 1880 wurde die Produktion über die Aufbereitung von Erdfarben auf die Herstellung anderer Trockenfarben ausgeweitet. Die Nerchauer Farbenwerke beschäftigen zu diesem Zeitpunkt über 100 Mitarbeiter. 1886 wird ebenfalls in Nerchau eine Lackfabrik errichtet, die mit 20 Mitarbeitern Öl- und Lackfarben herstellt. Eines ihrer Produkte, eine weiße Lackfarbe namens „Nerchauer Weiß“, errang weite Bekanntheit. 1906 zerstört ein Großbrand weite Teile des Werks. Die Produktion von Künstlerölfarben beginnt 1929, damals wurden die Tuben noch von Hand abgefüllt.

Nach 1945 werden die Farbenwerke Nerchau verstaatlicht, die Firma heißt nun Vereinigte Farben- und Lackfabrik Nerchau, später VEB Farbenfabrik Nerchau. 1950 zerstört nach der Entzündung von Prozeßgasen ein Brand einen Teil der Anlagen, die jedoch umgehend wieder aufgebaut werden. Im selben Jahr läuft die Produktion der Nerchauer Künstlerölfarben wieder an. In Zusammenarbeit mit der Kunsthochschule Berlin-Weißensee werden die Farben weiterentwickelt. Testweise beginnt die Herstellung von Farben auf Dispersionsbasis. 1957 erweitert sich die Produktpalette durch Ölabtönfarben und PVAC-Plakatfarben. 1965 erhält das Blaue Wunder in Dresden einen Anstrich mit reiner Bleiweiß-Öl-Deckfarbe aus Nerchau. 1969 geht die Firma als Werk des Betriebsverbandes Kali-Chemie Berlin im Kombinat Lacke und Farben auf. Der Betrieb in der Nerchauer Nordstraße spezialisiert sich auf Malfarben, Abtönfarben und Kunststoffeinfärbepasten. 1970 übernimmt der Nerchauer Betrieb die Malfarbenproduktion der traditionsreichen Firma Neisch und Co. in Dresden. Damit erweitert sich das Produktspektrum um Gouachefarben, Temperafarben, Aquarellfarben, Ei-Temperafarben, Lasurfarben und Tuschierfarben. Original Schulmalfarben werden auf der Basis der von der Fa. Neisch übernommenen Gouachefarben hergestellt. Es beginnt die Produktion von Spezial-Schilderölfarben. 1986 erweitert sich die Produktpalette um Stoffmalfarben und Aqua-Linoldruckfarben. Ein erneuter Brand zerstört 1990 das Werk, die Produktion wird im heutigen Werk Nordstraße wieder aufgenommen.

1992 wird das Werk in Nerchau von der Treuhand an die Caparol Firmengruppe verkauft. 1998 beginnt die Herstellung malfertiger Deckfarben. 2003 übernimmt die Betriebsgruppe in Nerchau die Firma MABEF, und kann damit auch Keilrahmen und hochwertige Staffeleien anbieten. Nach dem stetigen Wachstum der Firma wird 2004 auch die zu diesem Zeitpunkt leerstehende und heruntergekommene historische Fabrikantenvilla denkmalgerecht restauriert und als Kommunikationszentrum genutzt.[2]

2009 verkaufte Caparol die Farbenwerke Hessel Nerchau an die Schoenfeld GmbH (Düsseldorf), die seit 1862 Künstlerfarben unter dem Markennamen Lukas produziert.[3]


Persönlichkeiten

Söhne und Töchter Nerchaus

  • Friedhelm Döhler (1908-1968), Hornist
  • Thomas Grimm (* 1973), Schwimmer, Teilnehmer an den Paralympischen Spielen
  • Curt Grottewitz (1866-1905), Naturwissenschaftler, Schriftsteller und Germanist; Begründer der Arbeiter-Wanderbewegung
  • Christian Gottlieb Kluge der Ältere (1699-1795), evangelischer Theologe
  • Carl Hessel, Farbfabrikant, Erfinder des „Nerchau Weiss“
  • Friedrich Hessel, Farbfabrikant, Erfinder des „Nerchau Weiss“
  • Kessler-Zwillinge (* 1936), Tänzerinnen und Schauspielerinnen
  • Hugo Koch (1883–1964), Architekt, Autor zahlreicher Werke zur Gartenkunst
  • Johann Winckler (1642-1705), deutscher lutherischer Theologe, Hauptpastor der Hauptkirche Sankt Michaelis (Hamburg)

Literatur

  • Karlheinz Blaschke: Zur Geschichte der Stadt Nerchau bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts. In: Der Rundblick 22, 1975, S. 21-29. Wiederabdruck in: Peter Johanek (Hrsg.) unter Mitarbeit von Uwe John: Stadtgrundriß und Stadtentwicklung. Forschungen zur Entstehung mitteleuropäischer Städte. Ausgewählte Aufsätze von Karlheinz Blaschke (= Städteforschung : Reihe A, Darstellungen Bd. 44). Köln, Weimar, Wien: Böhlau 1997, S. 245-256. ISBN 3-412-06897-7 . 2., unveränderte Auflage ebd. 2001. ISBN 3-412-02601-8 .
  • Cornelius Gurlitt: Nerchau. In: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen, 20. Heft: Amtshauptmannschaft Grimma (2. Hälfte). C. C. Meinhold, Dresden 1898, S. 190.

Einzelnachweise

  1. Nerchau für Eingemeindung
  2. Überblick zur Firmengeschichte auf der Homepage des Unternehmens
  3. http://www.pbsreport.de/suche/?id=10355

Weblinks


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